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Pleite in Bremen
Bayer gibt Schmidt Rätsel auf

Bayer 04 Leverkusen gibt Roger Schmidt Rätsel auf
FOTO: dpa, crj hak
Bremen. Die Leistung beim 1:2 in Bremen lässt Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt etwas ratlos zurück. Seine Profis kritisiert er diesmal auch öffentlich. Von Stefanie Sandmeier

Im Freudentaumel der Bremer Anhänger blieb von der 1:2-Niederlage im Lager der Leverkusener tatsächlich nicht viel mehr übrig als hängende Köpfe und ratlose Gesichter. Warum es dem Champions-League-Teilnehmer gegen den bis dato schwächelnden Tabellen-16. Werder Bremen nicht gelang, trotz spielerischer Überlegenheit wenigstens einen Punkt mitzunehmen, gab vor allem Roger Schmidt Rätsel auf. "Wir sind immer nur phasenweise gut", erklärte der Trainer spürbar angeschlagen.

In seinen Aussagen schwang viel Frust und auch ein Stück weit Ratlosigkeit mit. Statt auf vier Zähler an die Bayern heranzurücken und zu Dortmund aufzuschließen, vergaben die Leverkusener in Bremen einmal mehr eine gute Gelegenheit. Solche Rückschläge sind für den ehrgeizigen Fußballlehrer Roger Schmidt, der mit seiner Mannschaft doch sportlich unbedingt den nächsten Entwicklungsschritt gehen wollte, schwer zu ertragen. Der Kader, den ihm der Verein zur Verfügung stellte, bringt allerbeste Voraussetzungen mit, ein Spitzenteam in der Bundesliga zu sein. Aber noch bringt er seine PS nicht oder eben nur unregelmäßig auf den Platz.

Warum? Darüber grübelt Schmidt inzwischen ganz öffentlich, der seinem Team nach der dritten Auswärtsniederlage im vierten Spiel ein ernüchterndes Zwischenzeugnis ausstellte. "Unsere individuelle Klasse allein reicht nicht, um Spiele zu gewinnen", sagte der 49-Jährige, der offenbar nicht mehr gewillt ist, seine Profis nach schwachen Auftritten uneingeschränkt in Schutz zu nehmen. Seine Beschreibung der immer wiederkehrenden Fehler kommt allerdings wie das täglich grüßende Murmeltier daher. "Uns fehlten offensiv die Inspiration und die Abschlussstärke, aus den wenigen Chancen Tore zu erzielen", erklärte der Trainer. "Uns haben die Galligkeit und die Entschlossenheit gefehlt Beide Gegentore waren fahrlässig verteidigt."

Stimmt. Dieser Zustand zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Was Schmidt dabei so wurmte: In Mönchengladbach und Frankfurt verlor sein Team ähnliche Spiele mit 1:2. Fragen nach fehlender Mentalität empfand er indes überzogen. "Wir haben oft genug bewiesen, dass wir eine hervorragende Mentalität haben. Wir haben es schlicht schlecht gemacht." In Bremen habe gerade in der zweiten Hälfte das "fußballerische Vermögen" gefehlt, klarere Chancen herauszuspielen und auch den zweiten Rückstand aufzuholen.

Um zu gewinnen, brauche es mannschaftliche Geschlossenheit - die aber wies Bayer in dieser Saison über 90 Minuten überhaupt erst einmal gegen Dortmund nach. Deutliche Kritik kam daher auch aus der Mannschaft. Als "trostlos" beschrieb der mit so viel Talent gesegnete, aber zunehmend überspielt wirkende Julian Brandt das Offensivspiel. "Uns ist nichts Besonderes eingefallen", befand Hakan Calhanoglu. Der Mittelfeldspieler hatte per Kopf in der 27. Minute die Bremer Führung durch Zlatko Junuzovic ausgeglichen. Bayer schien nun im Spiel. Doch fehlten der Werkself trotz höherem Ballbesitz und spielerischer Überlegenheit vor allem nach der Pause die zündende Idee und Torgefahr, die Partie zu drehen. Anders als den Bremern mit ihrem neuen Chefcoach Alexander Nouri, die sich für ihre Leidenschaft belohnten. Dass es schließlich der 2014 aus Gambia geflohene und von Nouri bereits in der 3. Liga geförderte Ousman Manneh war, der die Fehler einer handlungslahmen Bayer-Abwehr nutzte und Werder mit seinem ersten Bundesligator zum Sieg schoss, machte den Bremer Feiertag perfekt. Gegen Dortmund hätte man diese Tore wohl nicht bekommen, ließ Bernd Leno vielsagend durchblicken, der die Kritik an fehlender Mentalität zumindest nicht verneinen konnte.

Schon morgen geht es für Leverkusen gegen Tottenham Hotspur in der Champions League weiter. Nach zwei Unentschieden steht Bayer unter Zugzwang. Roger Schmidt, der in seiner gestrigen Teambesprechung noch einmal an den Einsatzwillen appellierte, setzt auf den Lerneffekt. "Ich hoffe", sagte er, "dass wir uns weiterentwickeln."

Quelle: RP
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