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Bayer Leverkusen
Leverkusen hat ein Kopfproblem

Einzelkritik: Leno patzt, Calhanoglu enttäuscht erneut
Einzelkritik: Leno patzt, Calhanoglu enttäuscht erneut FOTO: ap
Dortmund. Nur drei Tore in fünf Spielen erzielt, nur zwei Siege gegen formschwache Gegner geholt - Leverkusen ist in der Liga derzeit nur Mittelmaß und wird den eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Sportdirektor Rudi Völler spricht von einem "Dornröschenschlaf". Von Patrick Scherer

Extremes Pressing, den Ball weit weg vom eigenen Tor halten, zweite Bälle gewinnen, nach Ballverlust den Ball direkt zurückerobern und schnell in die Tiefe spielen - all das sind Grundideen des Konzepts von Roger Schmidt bei Bayer Leverkusen. Und all das setzte sein Team beim 0:3 bei Borussia Dortmund nur ansatzweise oder gar nicht um. So zwangen die Profis ihren Trainer zu klaren Worten: "Es ist schon unser Anspruch, zumindest geschlossen und fokussiert auf den Platz zu gehen und die Dinge umzusetzen, die wir besprochen haben. Dass wir das nicht ausgestrahlt haben, müssen wir uns vorwerfen lassen", analysierte Schmidt und stellte sein Team vor den Spielen gegen Mainz (morgen, 20 Uhr) und am Samstag in Bremen an den Pranger.

Der Anspruch der Werkself ist es auch, in der Entwicklung nach dem ersten Jahr unter Roger Schmidt mit Platz vier einen Schritt nach vorne zu machen. Die dritte Bundesliga-Niederlage in Folge stellt in dieser Hinsicht eine ernüchternde Momentaufnahme nach fünf Spielen dar: Platz 13, nur drei Tore erzielt, acht kassiert. "Der Tabellenplatz ist nicht schön, ist aber nach fünf Spieltagen nicht das Wichtigste", sagte Schmidt, "gerade wenn man in München und Dortmund gespielt hat. Das sind die schwierigsten Auswärtsspiele in der Bundesliga. Dass unser Anspruch ist, dort auch mal was mitzunehmen, ist klar, aber man muss ehrlicherweise zugeben, dass beide Mannschaften an diesen Tagen schwer zu schlagen waren."

Das trifft zwar zu, lag vor allem aber auch an seinem Team, das sich zu wenig wehrte, sich zur fehlenden Geschlossenheit auch noch krasse individuelle Fehler leistete. So bleibt festzuhalten: Bayer zählt derzeit nur zum Mittelmaß der Liga. Siege gab es gegen formschwache Hoffenheimer und Hannoveraner, die beide bisher nur einen Punkt geholt haben. Zu den Niederlagen in München und Dortmund gesellt sich das 0:1 gegen Aufsteiger Darmstadt, das wohl am meisten schmerzt.

Dortmund - Leverkusen FOTO: dpa, gki hak

Dabei hatte die Saison mit der erfolgreichen Champions-League-Qualifikation gegen Lazio Rom so gut begonnen. "Wir haben seit diesem wichtigen Sieg an Schärfe verloren", sagte Schmidt. Sportdirektor Rudi Völler wird deutlicher, spricht von einem "Dornröschenschlaf" in den das Team seit dieser Partie gefallen sei. Stefan Kießling hatte das Rückspiel gegen Lazio als "wichtigstes Spiel der Saison" betitelt. Dass danach ein Spannungsabfall zu beobachten ist, mag nicht ungewöhnlich sein, die Dauer dieser mentalen Auszeit ist es aber. Und das macht es für Bayer 04 gefährlich. "Das ist etwas, was nicht gerade Selbstvertrauen gibt - gerade jungen Spielern nicht. Wir können es besser, müssen es nur schnell wieder in die Köpfe bekommen und endlich wieder gewinnen", betonte Schmidt.

Der Trainer hat immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig das Zutrauen der Spieler in sein System sei. In Dortmund war davon erschreckend wenig zu erkennen. Die Pressing-Maschinerie ist eben immer nur so stark wie der faulste Mitspieler. Und diese Rolle nahmen unterschiedliche Akteure in unterschiedlichen Spielsituationen ein. Sinnbildlich waren die teils hilflosen Blicke der vordersten Angreifer, ob denn einer ihre Laufarbeit mit dem Zustellen des nächsten Gegenspielers belohnt. Leider verpassten es die zentralen Mittelfeldspieler Christoph Kramer und Kevin Kampl ebenso wie die Außenverteidiger Giulio Donati und Wendell, dort passend nachzuschieben.

So hatte Dortmund, das auch viele Zweikämpfe um den zweiten Ball nach Kopfballduellen gewann, einfaches Spiel: Der Tabellenführer ließ den Ball laufen, wartete geduldig auf Lücken, die sich zu häufig boten, oder konnte - begünstigt durch krasse Fehler im Aufbauspiel oder hanebüchene Ballverluste - schnelle Konter fahren und zahlreiche Torchancen herausarbeiten. Dass Elf-Millionen-Zugang Javier Chicharito Hernández zudem exakt das vermissen ließ, wofür er geholt wurde und hochkarätige Chancen vergab, passt ins Bild einer aktuell nicht homogenen Truppe.

"Natürlich sind wir alle Menschen, aber wir sind auch Profis", sagte Schmidt. Und diese müssen in dieser Woche für eine Trendwende sorgen, sonst läuft Bayer Leverkusen Gefahr, den Anschluss nach oben zu verlieren.

Quelle: RP
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