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Bayer Leverkusen
Herrlich fühlt sich nicht als B-Lösung

Bayer Leverkusen: Herrlich als Trainer vorgestellt
Bayer Leverkusen: Herrlich als Trainer vorgestellt FOTO: dpa, nic
Leverkusen. Für Heiko Herrlich schließt sich der Kreis. 1989 hat er seine Karriere als Profi beim Werksklub begonnen, 28 Jahre später kehrt der fünfmalige Nationalstürmer an seine alte Wirkungsstätte zurück – als neuer Trainer von Bayer 04. Von Sebastian Bergmann

"Ich möchte mich bei den Verantwortlichen für das Vertrauen bedanken und werde alles in meiner Kraft Liegende tun, um das zu rechtfertigen", sagte der 45-Jährige. Herrlich soll die Werkself nach enttäuschendem zwölften Platz in der vergangenen Spielzeit zurück ins internationale Geschäft führen. "Nach oben sind keine Grenzen gesetzt", sagte er. In Leverkusen erhält Herrlich einen Vertrag bis 2019.

Mit der Vorstellung des Nachfolgers von Tayfun Korkut hat Bayer 04 eine wochenlange Hängepartie in der Trainerfrage beendet. Dass in Herrlich, der zuletzt mit dem SSV Jahn Regensburg den Durchmarsch von der vierten in die zweite Liga geschafft hat, ein Trainer vorgestellt wurde, den kaum jemand auf den Zettel hatte, bezeichnete Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler als "für viele ein bisschen überraschend". In den vergangenen Tagen seien "viele Gespräche" geführt worden, erläuterte der Weltmeister von 1990. Insbesondere an zwei Trainern habe Leverkusen "sehr, sehr großes Interesse" gehabt. Aber: "Wir haben das aus verschiedenen Gründen nicht hinbekommen." In der vergangenen Woche habe sich dann der Name Heiko Herrlich bei den Verantwortlichen verfestigt.

An welchen Trainern Bayer 04 besagtes Interesse zeigte, ließ der Sportchef offen. Unter anderem waren der Ex-Dortmunder Thomas Tuchel, der neue BVB-Coach Peter Bosz, Lucien Favre (Nizza), David Wagner (Huddersfield) und auch der bisherige Mainzer Trainer Martin Schmidt gehandelt worden. Als "B-Lösung" fühle sich Herrlich aber keineswegs. Er beteuerte: "Ich hatte das Gefühl, dass Leverkusen mich unbedingt haben wollte."

Zwischen 1989 und 1993 hat Herrlich 75 Partien für die Werkself bestritten, schoss dabei sechs Tore und gewann in seiner letzten Saison unterm Bayer-Kreuz unter Trainer Dragoslav Stepanovic den DFB-Pokal. Einen Titel mit Bayer 04 errungen zu haben – das können nicht viele von sich behaupten. Viel Eingewöhnungszeit dürfte Herrlich ohnehin nicht benötigen. "Es fühlt sich ein bisschen an, wie nach Hause zu kommen", sagte der gebürtige Mannheimer. "Den Zeugwart Harald Wohner, der heute 82 Jahre ist, kenne ich schon von früher."

Herrlich, bei dem zu Beginn des Jahrtausends ein Gehirntumor festgestellt wurde, gilt als Kämpfertyp, der das Wohl des Vereins über alles stellt und auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückschreckt. Sein erstes Engagement bei einem Erstligisten war nicht von Erfolg gekrönt: 2009 übernahm er den VfL Bochum, wurde aber nach einer Spielerrevolte nur sechs Monaten später entlassen. Der Revierklub stieg kurz darauf ab.

Bundestrainer Joachim Löw, der heute mit dem DFB-Team in der WM-Quali auf San Marino (20.45 Uhr/Live-Ticker) trifft, glaubt daran, dass Herrlich die Werkself wieder in die Spur führen kann. "Er war beim DFB, hat im U-Bereich sehr gute Arbeit geleistet – er kann zu Leverkusen sehr gut passen", betonte Löw.

 
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