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Leverkusener steht bei Barca auf dem Zettel
Jonathan Tah – plötzlich Abwehrchef

Porträt : Jonathan Tah: Das deutsche Abwehrtalent
Porträt : Jonathan Tah: Das deutsche Abwehrtalent FOTO: dpa, fg nic
Leverkusen. Der Innenverteidiger der Werkself hat gegen Leipzig Verantwortung übernommen und mit viel Überblick entscheidend zum 2:2 in Unterzahl beigetragen. Nur so konnte Bayer 04 das Fehlen des eigentlichen Defensivankers kompensieren. Von Sebastian Bergmann

Kein Sven Bender - kein Problem. Obwohl der Abwehrchef von Bayer 04 nach seinem Rippenbruch nicht rechtzeitig für die Partie gegen den Vizemeister aus Leipzig fit wurde, überzeugte die Verteidigung der Werkself. Die Umstellung auf eine Dreierkette funktionierte bemerkenswert reibungslos und selbst in Unterzahl bot das Team von Trainer Heiko Herrlich dem Champions-League-Teilnehmer mindestens Paroli. Großen Anteil daran hatte ein Spieler, der durch den Ausfall von Sven Bender ohnehin in den Fokus gerückt war: Jonathan Tah. Der 21-Jährige zeigte sich wie seine Teamkollegen verbissen in den Laufduellen, schier unbezwingbar im Luftkampf und erlaubte sich zudem kaum Fehler. Die Rückenbeschwerden, die ihn zuletzt davon abhielten, bei der U 21 mitzuwirken, scheinen kein Thema mehr zu sein.

"Wir haben als Mannschaft zusammengehalten und die beiden Rückschläge gut weggesteckt", sagte der gebürtige Hamburger. Das Remis gegen die als Tabellenzweiter angereisten Leipziger fühle sich an wie ein Sieg. "Wir haben das Potenzial, dort zu stehen, wo Leipzig derzeit steht", sagte Tah mit Blick auf die Europapokalplätze.

Das Potenzial, in einem internationalen Top-Klub zu spielen, besitzt auch Tah. Trotz seines jungen Alters hat der Defensivhüne seit 2013 schon 75 Partien in Deutschlands höchster Spielklasse für Leverkusen und Hamburg bestritten, stand zudem im Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Dass zuletzt sogar der spanische Spitzenverein FC Barcelona ein Auge auf den 1,94-Meter-Verteidiger von Bayer 04 geworfen haben soll, überrascht seinen Trainer deshalb wenig. Die Grundvoraussetzungen seien vorhanden, die Art, wie Tah Fußball spiele und auch das Alter stimmten, sagte Herrlich. Er ist überzeugt davon, dass sein Schützling auf Sicht ein "überragender Innenverteidiger auf internationalem Niveau" werden kann. "Ich bin froh, dass ich so einen Spieler trainieren darf", sagte der 45-Jährige und schob - um Missverständnissen vorzubeugen, aber gleich hinterher: "Seine Konzentration und Identifikation liegt voll bei Bayer 04. Er ist ein absolut sauberer Charakter, der sich voll reinhaut für die Mannschaft."

Und auch Tah selbst kann mit seinen bisherigen Leistungen durchaus zufrieden sein. Die Passquote hat der Innenverteidiger im Vergleich zur Vorsaison von 83 auf starke 88 Prozent gesteigert, zudem bereitete er schon zwei Treffer der Werkself vor. In der vergangenen Spielzeit kam er lediglich auf einen Assist. Das Vertrauen des Trainers hat er sicher: Tah kam in elf von zwölf Liga-Spielen zum Einsatz, bestritt davon zehn über die volle Distanz. Nach dem Ausfall von Sven Bender hatte Herrlich mehr Verantwortung der anderen Defensivakteure gefordert - und Tah diese bereitwillig übernommen. Damit hat das Defensivtalent seinen Worten im Sommer ("Ich bin in einem Alter, in dem ich nicht mehr das Küken bin und ich scheue mich nicht davor, zu dirigieren und meine Meinung zu äußern") nun Taten folgen lassen.

Erfreuliche Nachricht für den Werksklub gab es indes aus Frankfurt. Das Sportgericht des DFB hat entschieden, Verteidiger Benjamin Henrichs für dessen Rettungstat mit der Hand auf der Torlinie, die mit Rot bestraft wurde, für nur ein Spiel zu sperren (Mindeststrafe).

Quelle: RP
 
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