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Bayer Leverkusen
"Das ist doch eine Chance für uns junge Spieler"

Porträt: Das ist Julian Brandt
Porträt: Das ist Julian Brandt FOTO: afp, PST
Leverkusen. Julian Brandt beantwortet die Frage, ob Bayer nach den Abgängen von Gonzalo Castro, Emir Spahic und dem Karriereende von Simon Rolfes die Leitwölfe fehlen, wiefolgt: "Das ist doch eine Chance für uns junge Spieler". Der 19-Jährige vollzieht in Leverkusen eine interessante Entwicklung und will als "Senior" nun den nächsten Schritt machen. Von Stefanie Sandmeier

Hanteln stemmen, Seilspringen und Standsprünge auf eine Kiste - die Gesichter einiger Bayer-Profis glühten am Morgen. "Ich kann nicht sagen, dass mir das Spaß macht", entgegnet Julian Brandt. "Aber ich weiß, dass es sein muss."

Das 19-jährige Außenstürmer von Bayer 04 steht vor einer wichtigen Saison. Nach seinem Wechsel im Winter 2014 vom VfL Wolfsburg und inzwischen anderthalb Spielzeiten im Dress der Werkself will er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen. "Ziel sind möglichst viele Einsätze mit guter Leistung", sagt Brandt kurz und knapp. In der vergangenen Spielzeit kam der gebürtige Bremer in 35 Pflichtspielen zum Einsatz. "Persönlich bin ich damit sehr zufrieden, aber das ist definitiv ausbaufähig."

Neben dem Wunsch, mit Bayer 04 die Champions League zu erreichen und eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen, steckt sich Brandt vor jeder Saison auch seinen eigenen Ziele. Dieses Mal möchte er verletzungsfrei durch die Spielzeit und dann - voll im Saft - die eigene Quote verbessern. Brandt weiß, dass seine vier Tore und fünf Vorlagen ausbaufähig sind. "Daran will ich arbeiten, aber ich erzwinge nichts."

Brandt erklärt das in einer erstaunlichen Klarheit. Erstaunlich deshalb, weil man eine derartige Selbstreflexion von einem 19-Jährigen nicht unbedingt erwartet. Das Offensivtalent weiß, dass er auf dem Weg zu einem Top-Spieler nichts geschenkt bekommt, aber auch nichts überstürzen darf. Bisher hat der Blondschopf, der durch seine Unbekümmertheit besticht, es geschafft, allzu großen Druck und die Erwartungshaltung Dritter nicht an sich ranzulassen. "Ich versuche, die Lockerheit zu behalten. Wenn ich verkrampfe, spiele ich schlecht", erklärt Brandt, der sich selbst durch Leistungsschwankungen oder Verletzungen nicht in seinem Ehrgeiz bremsen ließ.

Auch Niederlagen weiß er für sich einzuordnen. Die WM-Teilnahme mit der U20, das Aus gegen Mali und sein verschossener Elfmeter - "das war enttäuschend, aber ich werde die Zeit in Neuseeland für mich trotzdem als gut und lehrreich abhaken. Es war eine gute Gelegenheit, sich und das Niveau der Teams zu vergleichen. Aus solchen Erfahrungen wird man stärker." In Leverkusen sind sie froh, ein Juwel wie Brandt in ihren Reihen zu haben, den Rudi Völler in seiner Entwicklung noch lange nicht am Ende sieht. Dass an ihn als (jetzt) "Senior" auch im Zuge des Verjüngungsprozesses der Mannschaft höhere Erwartungen gestellt werden, "das spüre ich schon", sagt er.

Dass es nach den Abgängen von Gonzalo Castro, Emir Spahic und dem Karriereende von Simon Rolfes aber zu Problemen kommen könnte, weil dem Team viel Erfahrung verloren ging und es zu wenige Leitwölfe gibt, fürchtet Brandt nicht. "Das ist doch die Chance für uns junge Spieler", entgegnet er. "Es heißt doch immer: Die Jungen wollen viel, jetzt können sie es zeigen. Wir sind nun ein Stück weit mehr gefordert und können daran wachsen." Brandt will Trainer Roger Schmidt die Besetzung der Außenbahn künftig noch schwerer machen. Auf rechts hat Karim Bellarabi den Bonus einer überragenden Spielzeit im Rücken. Auf der linken Seite streitet sich Heung-Min Son mit Brandt, der seine Aussichten auf einen Stammplatz aber einzuordnen weiß. "Ich sehe, wie gut Sonni und Karim drauf sind. Sie sind mir ein paar Schritte voraus - auch in punkto Erfahrung", erklärt Brandt, der ankündigt, "forsch an die Sache ranzugehen und um meine Einsatzzeiten zu kämpfen. Wir mögen uns, aber wir schenken uns nichts."

In einer langen Saison mit vielen Spielen wird es genug Gelegenheiten geben für den 19-Jährigen, dem egal ist, auf welcher Seite das sein wird. Es liegt an Brandt, etwas daraus zu machen. Wer seine Entwicklung bisher verfolgt hat, mag daran nicht wirklich zweifeln.

Quelle: RP
 
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