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Bayer Leverkusen
Bayer mit breiter Brust gegen Bayern

Einzelkritik: Castro ragt aus starkem Team heraus
Einzelkritik: Castro ragt aus starkem Team heraus FOTO: dpa, cas nic
Leverkusen. Von Furcht gibt es keine Spur bei der Werkself vor dem Viertelfinalspiel im DFB-Pokal gegen den Rekordmeister heute Abend (20.30 Uhr, Live-Ticker). Die erfolgreichen vergangenen Wochen haben Spielern und Verantwortlichen reichlich Selbstbewusstsein eingeflößt. Von Patrick Scherer

Entschlossener Blick, klare Worte, ab und an ein selbstsicheres Lächeln. Roger Schmidt demonstriert vor einem der wichtigsten Saisonspiele Stärke. Schmidt, der Trainer, dem Selbstzweifel ohnehin fremd scheinen, trägt die Überzeugung von seiner Mannschaft, von seinem System, mit Nachdruck vor – eigentlich genau so, wie er es in der gesamten Saison, seit er Trainer bei Bayer 04 ist, gemacht hat. Mit einem Unterschied: Seine unumstößliche Überzeugung hat durch die zuletzt erzielten Ergebnisse eine belegbare Legitimation erhalten.

Wenn der 48-Jährige davon spricht, dass er von Außenseiterrollen nichts hält und davon, dass ein möglicher Einzug ins Halbfinale nicht die Endstation sein soll, dann spürt man das Selbstbewusstsein von sechs Siegen in der Bundesliga in Serie. Da stört es auch nicht, dass der Gegner im DFB-Pokal-Viertelfinale heute Abend FC Bayern München heißt. "Wenn der Schiedsrichter anpfeift, haben wir 90 Minuten Zeit, uns den Traum zu erfüllen, ins Halbfinale einzuziehen", sagt Schmidt. Und für den Fall, dass es zur Verlängerung und zum Elfmeterschießen kommt, hat Schmidt und sein Team schon vorgesorgt: "Wir haben Elfmeterschießen seit der Partie in Madrid im Training das ein oder andere Mal eingestreut." Das Aus aus elf Metern in der Champions League soll sich heute nicht wiederholen.

 

Bayer 04 baut aber ohnehin darauf, nichts dem Glück oder dem Zufall zu überlassen. Die eigenen Stärken sollen für das Weiterkommen sorgen. "Wir haben in der Saison gelernt, dass wir daran glauben, was wir auf dem Platz machen und wissen, dass wir so als Sieger vom Platz gehen können. Wir haben von der Mentalität und der Entschlossenheit, was das Ergebnis angeht, einen Schritt nach vorne gemacht", sagt Schmidt.

Das 1:0 der Bayern bei Borussia Dortmund hat der Werkself-Trainer am Samstag mit Interesse verfolgt: "Die Spielanlage hat sich ein bisschen geändert. Bayern ist aber auch so in der Lage, eine sehr schwer zu bespielende Mannschaft zu sein. Es fehlt vielleicht ein bisschen die individuelle Qualität der Flügelstürmer, aber dafür haben sie Spieler auf dem Platz, die über eine sehr gute Disziplin und Zweikampfhärte verfügen." Dass die Münchener mit Trainer Pep Guardiola heute ohne Franck Ribéry und Arjen Robben anreisen und auch auf David Alaba, Javi Martinez und Bastian Schweinsteiger verzichten müssen, sieht Schmidt nicht zwingend als Vorteil.

"Man könnte meinen, es wäre ein guter Zeitpunkt gegen die Bayern zu spielen, weil Robben und Ribéry verletzt sind und Alaba nicht dabei ist. Aber dadurch sind sie nicht deutlich einfacher zu schlagen. Lewandowski, Müller, Götze sind auch nicht so ganz schlechte Spieler", sagt Schmidt und ergänzt: "Wichtiger ist auch nicht der Zustand von Bayern, sondern wichtiger ist unser Zustand und der ist momentan sehr gut." Da ist er wieder, der unerschütterliche Glaube Schmidts ans eigene System, ans geschlossene Verteidigen mit elf Mann und ans schnelle Umschaltspiel. Bloß nicht zu viel auf den Gegner schauen. Den eigenen Plan für das jeweilige Spiel umsetzen. "Wir wollen alles geben, alles reinhauen, was wir haben und um den Sieg kämpfen", sagt er.

Sehnsucht nach einem Titel

Schmidt weiß um die Sehnsucht des Leverkusener Vereins nach einem Titel. In der Champions League platzte dieser ohnehin sehr unrealistische Traum gegen Atlético Madrid im Achtelfinale. In der Liga ist der heutige Gegner für Bayer 04 und wohl auch für Wolfsburg uneinholbar enteilt. Bleibt in dieser Spielzeit noch der Pokal. Geschäftsführer Michael Schade sagte im RP-Interview im Dezember zu den Zukunftsaussichten in der Bundesliga: "Über 34 Spiele ist es derzeit nicht möglich, die Bayern zu schlagen. Aber in einem Spiel geht das." Dieses Spiel soll es heute Abend werden. Sportdirektor Rudi Völler sagte direkt nach der Auslosung: "Bayern in München oder in Berlin zu schlagen, ist sehr schwer. Also wenn schon gegen die Bayern, dann im eigenen Stadion." 2009 gelang dies bereits im Pokal-Viertelfinale. Stefan Kießling besorgte damals den 4:2-Endstand und sagt heute: "Wer DFB-Pokalsieger werden will, der muss die Bayern schlagen."

30 210 Zuschauern, darunter 6500 Anhänger des FC Bayern, werden in der ausverkauften BayArena heute mitansehen, ob ein formstarkes Team mit reichlich Selbstvertrauen in der Lage ist gegen eines der besten Teams der Welt, den Traum vom ersten Titel seit dem DFB-Pokaltriumph 1993 weiterleben zu lassen.

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