| 12.04 Uhr

Bayer Leverkusen
Nicht nur vom Punkt verflucht fehlerhaft

Bayer - Leipzig: Einzelkritik
Bayer - Leipzig: Einzelkritik FOTO: dpa, mb
Leverkusen. Der vergebene Strafstoß von Hakan Calhanoglu war ein Knackpunkt bei der 2:3-Niederlage gegen RB Leipzig. Die verheerende Bilanz - nur die letzten acht von 18 Strafstößen in der Liga wurden verwandelt - ist nur eine Sorge vor dem Champions-League-Gruppenspiel morgen in Moskau. Von Dorian Audersch und Stefanie Sandmeier

Kurz nach der 2:3-Niederlage gegen RB Leipzig machte sich in der BayArena eine gewisse Ratlosigkeit breit. Sportchef Rudi Völler sprach in bedecktem Tonfall von einer bislang "verkorksten" Hinrunde, in der man sich nun wieder an die Spitzengruppe der Tabelle "heranrobben" müsse. "Ich bin sicher, dass uns das gelingt, aber es wird bis in die Rückrunde dauern."

Die Stimmung war gedrückt in den Katakomben des Stadions. Zwei Mal hatte Bayer 04 gegen die Sachsen geführt - und zwei Mal den Vorsprung geradezu fahrlässig aus der Hand gegeben. Es war ein intensives, spektakuläres Spiel von beiden Teams. Doch der Aufsteiger leistete sich in den entscheidenden Momenten weniger Fehler und nahm daher verdient die Punkte mit.

Eine dieser haarsträubenden Szenen war der Elfmeter in der 54. Minute zum möglichen 3:1 aus Sicht der Werkself, das wohl die Vorentscheidung bedeutet hätte. Schiedsrichter Felix Brych sah sehr wohlwollend ein Foul an Julian Brandt, der hinterher nach eigenem Bekunden froh war, nicht über diese Szene diskutieren zu müssen.

Warum? Weil sie letztlich nicht spielentscheidend war. Hakan Calhanoglu vergab die Chance. Leipzigs Keeper Gulasci hatte wenig Mühe mit dessen Schuss in die rechte untere Ecke. Es war der dritte Fehlschuss im dritten Versuch in dieser Bundesliga-Spielzeit und dokumentierte aufs Neue Bayers Unfähigkeit, aus elf Metern das Tor zu treffen.

Dieser "Elfmeter-Fluch" zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Gegen Augsburg war es Charles Aránguiz, der beim Stand von 0:0 kläglich vergab. In Frankfurt war es Chicharito, der einen Strafstoß an den Pfosten setzte. Es wäre der Ausgleich in der 88. Minute gewesen. Hinzu kommt das Pokal-Aus im Elfmeterschießen gegen die Sportfreunde Lotte, bei dem drei Schützen nicht verwandeln konnten.

Saisonübergreifend sieht die Statistik nicht weniger desaströs aus. Seit April 2012 hat Bayer 04 nur acht von 18 Strafstößen verwandelt. "Ich gehe davon aus, dass jeder den Ball reinschießen wollte", sagte Roger Schmidt.

Wahrscheinlich hätte Bayer 04 ohne die Schwäche vom Punkt vier Punkte mehr in der Liga und wäre noch im Pokal vertreten. "Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass zu viel darüber nachgedacht wird. Wir werden darüber sprechen, es trainieren und versuchen, den richtigen Schützen zu finden", betonte der Trainer. Er sei davon überzeugt, dass irgendwann auch mal wieder ein Elfmeter verwandelt werde.

Gegen Leipzig war dieser Strafstoß zum Knackpunkt. Nach Calhanoglus Fehlschuss entglitt den Leverkusenern beim Stand von 2:1 die Partie zunehmend. "Ich bin sehr traurig, dass ich verschossen habe", sagte der türkische Nationalspieler. Es sei vorher abgesprochen gewesen, dass er antrete. "Ich habe lange geschaut, aber der Torwart auch. Er hat es gut gemacht - und ich nicht."

Eine Erklärung für die allgemeine Flaute vom Punkt hatte er nicht. Seine persönliche Statistik ist nicht besser: Er traf nur einen bei zuletzt vier Versuchen. "Wir sind im Moment bei Elfmetern verunsichert, aber es ist auch ein bisschen Glück dabei." Trotzdem hätte Bayer das Spiel gewinnen können, betont der Mittelfeldmann, der ansonsten viele gute Szenen hatte, sogar an beiden Leverkusener Treffern und auch der Entstehung des Strafstoßes beteiligt war.

Demgegenüber standen allerdings die Fehler, die sich die Werkself kontinuierlich leistet. Julian Baumgartlinger fälschte den Ball unglücklich zum 1:1 ins eigene Tor ab, Bernd Leno patzte bei einem haltbaren Schuss zum 2:2 und Kevin Kampl verlor leichtfertig den Ball, der das 2:3 einleitete. Dass sich Bayer 04 bei eigener Führung auskontern ließ, passte ebenfalls ins Bild. "Darauf müssen wir besser vorbereitet sein", merkte Calhanoglu an.

Die Leverkusener sind nach der fünften Liga-Niederlage Tabellenneunter, mit fünf Punkten Rückstand auf den Dritten, acht auf den Zweiten und elf auf Spitzenreiter Leipzig - aber eben auch nur vier Zählern Vorsprung auf den 13. Mönchengladbach.

Mit Blick auf das Spiel morgen bei ZSKA Moskau (18 Uhr, MEZ) falle es schwer, die Niederlage abzuhaken. Aber genau das müsse jetzt geschehen. Sollte Bayer 04 in der russischen Hauptstadt gewinnen und Tottenham in Monaco nicht gewinnen, wäre das Achtelfinale erreicht. "Wir müssen jetzt nach vorne schauen", sagte Calhanoglu. Viel anderes bleibt ihm auch nicht übrig. Sport Seite

Quelle: RP
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