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Bayer Leverkusen
Poker ums Personal

Das ist Javier Hernandez "Chicharito"
Das ist Javier Hernandez "Chicharito" FOTO: KSMedianet / Bayer04
Leverkusen. Mit der Gewissheit um Platz drei und der Teilnahme an der Champions League kann Bayer 04 nun in die Vertragsgespräche gehen. Um die Leistungsträger will man den Kader in der Breite besser aufstellen - und punktuell verstärken. "Spezialfall" Chicharito soll Teil des Projektes bleiben. Von Stefanie Sandmeier

Planungssicherheit ist etwas, das sich jeder Fußball-Klub wünscht. Die Werkself kann sich seit dem Wochenende darüber freuen. Durch das 2:1 gegen Berlin haben die Leverkusener Platz drei und die Champions League vorzeitig perfekt gemacht. Mit dieser Gewissheit lässt es sich nun ganz wunderbar die letzten beiden Saisonspiele angehen - und mit einer gewissen inneren Ruhe in den EM- und Olympia-Sommer verabschieden. "Wenn man unsere Saison bis hierhin betrachtet, und sieht wie sich die Dinge entwickelt haben, ist das schon ein bisschen märchenhaft", zeigt sich Geschäftsführer Michael Schade erfreut.

Alles in allem sei das eine "tolle letzte Woche für den Verein" gewesen. Zunächst gelang es, Karim Bellarabi und Torhüter Bernd Leno zu halten und dann, mit dem siebten Sieg in Serie, die Königsklasse zu erreichen. "Es ist ein wunderschönes Gefühl zu wissen: Wir können in Ruhe planen und gehen nicht mit dem Druck in die Pause, im Anschluss direkt eine Qualifikation spielen müssen."

Das erleichtert jede Art von Terminierung - sei es von Testspielen oder dem Trainingslager, das Bayer nun ab dem 28. Juli in Zell am See beziehen wird. Nicht zuletzt hilft es im Bemühen, den Kader bestmöglich zusammenzustellen und gegenüber finanzstarken Klubs passende Argumente zu haben. "Mit der Teilnahme an der Königsklasse werben zu können, ist ein erhebliches Pfund in den Verhandlungen mit Spielern", erklärt Schade.

Das half nicht zuletzt bei der Verpflichtung Chicharitos. Denn dass ein Profi, der bereits für Real Madrid und Manchester United gespielt hat, nach Leverkusen wechselt, ist so selbstverständlich nicht. Kurz vor dem Saisonende ist klar: Die rund zwölf Millionen Euro, die sich Bayer 04 den Wechsel kosten ließ, sind gut angelegtes Geld. Als sich die Werkself in der Hinserie phasenweise mit dem Toreschießen schwer tat, traf wenigstens er konstant. Im Sog des jüngsten Erfolges bildete er mit Julian Brandt und Karim Bellarabi ein gewaltiges Offensiv-Trio.

Seine Quote spricht für sich. Allein 17 Treffer erzielte er in der Bundesliga. Bis 2018 besitzt Chicharito in Leverkusen noch Vertrag. Dass diese im Profi-Fußball ganz schnell ihre Gültigkeit verlieren können, weiß der 27-Jährige zu gut. "In diesem Sport spielt es keine Rolle, ob man für zehn, zwölf Jahre unterschreibt oder jedes Jahr um eine Saison verlängert", sagte er in einem Interview. Wie er seine Zukunft plant, darüber schweigt er noch.

Nach dieser Saison wird der Mexikaner mit seinem Heimatland an der Copa America teilnehmen (3. bis 26. Juni). Dass er danach wieder in Leverkusen aufschlägt, daran hat Michael Schade keinen Zweifel. "Wir wollen ihn unbedingt halten", sagt der Geschäftsführer. "Ich glaube aber, dass er aus eigenen Stücken kein Interesse hat, zu gehen."

Tatsächlich wird Chicharito bei nüchterner Sicht auf die Dinge festgestellt haben, dass Bayer 04 auch ein Glückfall für ihn ist. In Leverkusen bekommt er die Bühne, um seine Tore zu erzielen. Hier darf er Star sein. Hier ist er wieder Stammkraft - noch dazu in der Champions League. Ganz so viele Vereine gibt es nicht, die ihm das in Summe bieten. Deshalb hofft Roger Schmidt, "dass er uns erhalten bleibt". Wenngleich Chicharito ein "Spezialfall" sei. "Man muss abwarten, in welche Richtung auch er denkt."

Der Trainer möchte die Leistungsträger seiner Mannschaft zusammen halten. Bei der von ihm angekündigten "Optimierung des Kaders" kann es also allenfalls darum gehen, den in der Spitze topbesetzten Kader auf ein breiteres Fundament zu stellen. Mit einem erfahrenen und variabel einsetzbaren Defensivmann, einer zusätzlichen Verstärkung für die Offensive wäre sein Team gut aufgestellt. Für den Fall, dass im Sommer ein finanzstarker Klub Spieler mit viel Geld lockt, hat Bayer zumindest das Heft des Handelns in der Hand. Sollte Borussia Dortmund also ernstes Interesse an Ömer Toprak haben, müsste es mit guten Argumenten anklopfen.

Neben Bernd Leno und Rückkehrer Niklas Lomb wird überdies ein weiterer Torhüter gesucht. Die Verträge von David Yelldell und Dario Kresic laufen aus. Gleiches gilt für Sebastian Boenisch. Wo Spieler wie Robbie Kruse oder Admir Mehmedi ihre Zukunft sehen, wird im Sommer ebenso Thema sein. Mehmedi, immerhin vierfacher Torschütze in der Champions League, kommt auf 14 Startelf-Einsätze in der Liga. Zuletzt kam er über das Reservisten-Dasein nicht hinaus. Gegen Schalke stand er nicht einmal im Kader. Der schweizer Nationalspieler ist unzufrieden. Sein Vertrag läuft bis 2019. Entsprechende Angebote für den 25-Jährigen würde man sich im Verein sicher anhören.

Gestern bestätigte der Verein den Rückkauf der Eigengewächse Jonas Meffert und Danny da Costa. Außenverteidiger da Costa etablierte sich in dieser Saison beim FC Ingolstadt ebenso wie Mittelfeldspieler Meffert beim Zweitligisten Karlsruher SC. Dazu kommen die Rückkehrer Levin Öztunali und Joel Pohjanpalo. Nicht alle wird der Klub mit in die nächste Saison nehmen. Aber vielleicht dann in die übernächste.

Quelle: RP
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