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Bayer Leverkusen
Plötzlich Krisenmanager

Fotos: Das ist Roger Schmidt
Fotos: Das ist Roger Schmidt FOTO: afp, pbe/iw
Leverkusen. Nach dem 1:2 in Berlin ist der Leverkusener Trainer Roger Schmidt gefordert. Mittlerweile scheint es bei Bayer 04 fest im Matchplan verankert zu sein, die erste halbe Stunde zu verschlafen. Von Simon Janssen

Wenn es um sich selbst geht, neigt Roger Schmidt zum Realismus. "Dass wir nicht von der ersten Minute an da sind, ist nicht akzeptabel. Ich bin der Trainer und dafür verantwortlich - anscheinend ist mir das nicht gelungen", sagte der Trainer von Bayer Leverkusen in der TV-Sendung "Doppelpass" selbstkritisch.

Gegen Hertha BSC (1:2) durfte Schmidt eine konstante Leistung seiner Mannschaft beäugen - eine Art von Konstanz, die den 48-Jährigen jedoch nicht erfreuen dürfte. Schließlich scheint es mittlerweile fest im Matchplan verankert zu sein, die erste halbe Stunde zu verschlafen. "So haben wir es nicht verdient, zu gewinnen", resümierte Mittelfeld-Spieler Christoph Kramer die Leistung in Berlin. In der siebten Minute musste Torhüter Leno bereits hinter sich greifen. Vladimir Darida traf für die "alte Dame", ehe der Mexikaner Chicharito nach einer knappen halben Stunde den Ausgleich erzielte. Das Kopfball-Tor von John Anthony Brooks (60.) sicherte schließlich den Sieg für die Berliner.

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Bereits nach 20 Minuten hatte Linksverteidiger Sebastian Boenisch nach einem Einsteigen gegen Yanni Regäsel die Rote Karte gesehen. Dass Schiedsrichter Robert Hartmann in dieser Situation eine überharte Entscheidung traf, war bei Bayer 04 anschließend Hauptthema. Sportdirektor Rudi Völler bezeichnete die Aktion als "Pipifax-Foul".

Auch Schmidt nahm seine Mannschaft - wie üblich - in Schutz. "Wir haben im Sommer in Simon Rolfes, Emir Spahic, Gonzalo Castro und Stefan Reinartz Spieler verloren, die ein gewisses Gerüst der Mannschaft gebildet haben", sagte der Trainer. Derzeit fehle es an Spielern, an denen sich die Jungen orientieren könnten. Eigentlich habe man sich jedoch gewappnet gesehen, die fehlende Erfahrung kompensieren zu können.

Die Zwischenbilanz - 21 Punkte und Platz acht in der Tabelle - beweist jedoch das Gegenteil. Auch gegen Berlin brachte die Werkself nicht das komplexe Spielsystem ihres Trainers auf den Platz. In der Liga wird Bayer 04 seit Wochen den eigenen Ansprüchen nicht gerecht. In der Champions League wird am Mittwoch gegen den FC Barcelona ein mittelschweres Fußballwunder von Nöten sein, um noch Chancen auf das erklärte Ziel Achtelfinale zu haben. Keine guten Voraussetzungen für eine besinnliche Weihnachtszeit bei den Leverkusenern. Zumal die nächste Aufgabe in der Liga - Borussia Mönchengladbach - wohl nicht weniger Probleme bereiten wird als die Berliner.

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Vor den Spielen gegen Schalke 04 (1:1) und Hertha wurden Trainer, Spieler und die Chefetage nicht müde zu betonen, dass man vor Weihachten eine Serie starten müsse. Die Serie, die vor der Winterpause noch möglich ist, schrumpft jedoch von Spieltag zu Spieltag.

Schmidt verteidigt seine Mannschaft in diesen Wochen zwar besser als selbige gegnerische Angriffe, der Trainer hat jedoch - wenn auch wenige - Kritikpunkte ausgemacht: "Uns fehlt die totale Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen", sagte Schmidt, um direkt wieder zur obligatorischen Lobeshymne überzugehen: "Die Mannschaft hat grundsätzlich eine sehr gute Mentalität." Es stimme nicht nur die Moral, sondern auch die Qualität und das Konzept. Nur warum bringt die Mannschaft diese Eigenschaften nicht auf den Platz? Urteile von außen wiegelt Schmidt - wie üblich - ab. "Ich kann das anders deuten, als jemand, der ein Spiel an sich vorbeilaufen lässt und dann sagt ,das war zu wenig'. So einfach ist es nicht". Um das zu verstehen, müsse man tiefer in die Analyse einsteigen.

Das tat Rudi Völler im "Aktuellen Sportstudio" und nannte unter anderem die Formschwäche der Offensivspieler Hakan Calhanoglu und Karim Bellarabi als Gründe für die bislang nicht zufriedenstellende Saison. Gegen Barcelona hofft Völler trotzdem auf das scheinbar Unmögliche: "Wir brauchen ein bisschen Glück, dann haben wir eine kleine Chance."

Quelle: RP
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