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Bayer Leverkusen
Bayer-Trainer sorgt für Eklat

Zwayer unterbricht Spiel nach Streit mit Bayer-Trainer Schmidt
Zwayer unterbricht Spiel nach Streit mit Bayer-Trainer Schmidt FOTO: dpa, hak
Leverkusen. Schiedsrichter Felix Zwayer unterbricht das Spiel in Leverkusen für neun Minuten, weil sich Roger Schmidt weigert, auf die Tribüne zu gehen. Dortmund gewinnt die Begegnung mit 1:0. Von Stefanie Sandmeier

Rudi Völler war in Rage. Mit rotem Kopf redete er im Mittelkreis auf Felix Zwayer ein. Seine Hände gestikulierten wild. Leverkusens Sportdirektor konnte es nicht fassen. "Das Spiel zu unterbrechen und eine solche Hektik hineinzubringen, ist völlig unnötig. So zu tun, als sei etwas ganz Schlimmes passiert, ist völlig übertrieben", schimpfte Völler. Das 0:1 von Bayer Leverkusen im Topspiel gegen Borussia Dortmund geriet zur Nebensache, weil Trainer Roger Schmidt eine in der Bundesliga-Historie einmalige Szene provozierte, die wohl das Sportgericht beschäftigen wird.

64 Minuten lang war das Spiel von großer Langeweile geprägt. Dann sorgte der 48-jährige Coach für den Aufreger des Wochenendes. Er wurde vom Unparteiischen auf die Tribüne verwiesen. Doch Schmidt weigerte sich - eingeschnappt und trotzig und sorgte so für eine neunminütige Spielunterbrechung. Erst nachdem sich der Trainer bereit erklärt hatte, der Weisung Folge zu leisten, kamen die Mannschaften auf den Rasen zurück, und das Spiel wurde fortgesetzt. Völler schimpfte später: "Hier so eine Nummer draus zu machen... Die Spieler müssen reingehen, als wäre hier etwas Furchtbares passiert, das ist total übertrieben."

Dortmund gewann und hält mit diesem Sieg den Rückstand auf den FC Bayern bei acht Punkten. Die Leverkusener verpassten eine weitere Möglichkeit, im Rennen um die Champions-League-Qualifikation den nächsten Schritt zu gehen. Doch das trübte weit weniger die Stimmung als die Art des Zustandekommens.

Der Aufregung ging eine Fehlentscheidung Zwayers und der daraus resultierende Siegtreffer von Pierre-Emerick Aubameyang voraus. Dortmund bekam in der 64. Minute einen Freistoß in der eigenen Hälfte zugesprochen, dieser wurde von Matthias Ginter schnell ausgeführt. So weit, so regelkonform. Was Schmidt auf die Palme brachte: Der Ball lag knapp sechs Meter vom Ort des Fouls entfernt. Das monierte er sofort beim vierten Offiziellen und gratulierte ihm per Handschlag zur "Vorarbeit" des Treffers. Schmidt sah einen "klaren Vorteil, den sich die Dortmunder verschaffen, dass daraus dann das entscheidende Tor resultiert, ist bitter", sagte er.

Stefan Kießling hatte seinen Coach zuvor zweimal auf den Ernst der Lage hingewiesen, wurde vom Schiedsrichter gebeten, Schmidt Richtung Tribüne zu schicken, doch der blieb nach eigenen Aussagen "stur". "Der Schiedsrichter hat mir aus 45 Metern signalisiert, dass ich auf die Tribüne soll. Ich habe gefordert, dass ich dafür eine Begründung kriege. Der vierte Offizielle hat mir den Grund nicht gesagt, der Schiri wollte es auch nicht. Da habe ich etwas zu lange gezögert", erklärte Schmidt. Und später: "Das darf ich nicht, und das weiß ich auch. Ich habe da natürlich eine Vorbildfunktion und der bin ich heute nicht gerecht geworden. Es gibt aber auch Situationen in der Hektik so eines Spiels, in denen man über das Ziel hinausschießt."

Der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichterkommission, Herbert Fandel, stärkte Zwayer den Rücken. Dieser habe "in der Situation nach dem Dortmunder Treffer regeltechnisch richtig entschieden. Wenn sich ein Spieler oder eben der Trainer nach einem Platzverweis weigert, den Innenraum zu verlassen, ist die Spielunterbrechung und die Androhung eines Abbruchs die richtige Entscheidung", erklärte Fandel in einer DFB-Mitteilung.

Und der ehemalige Schiedsrichter Peter Gagelmann sagte bei Sky: "Ich finde es respektlos dem gesamten Fußball gegenüber. Wir haben am Sonntag tausende von Fußballspielen in der Kreisklasse, wo es häufig Spielabbrüche gibt. Wenn Trainer in der Bundesliga schon den Anweisungen der Schiedsrichter nicht folgen, dann finde ich das sehr traurig und schade." Schmidt, der den Rest des Spiels in der Kabine verfolgte, gab zu, sein Team mit dem Verhalten "bestraft zu haben". Damit spielte er auf das Handspiel von Sokratis an, das der Schiedsrichter nicht ahndete. "Wenn die Hand so weggestreckt ist, dann können wir uns nicht beschweren, wenn er ihn gibt", fand auch Mats Hummels.

Völler warf Zwayer in seiner Erregung vor, er habe Bayer nach der Spielfortsetzung gezielt benachteiligt. "Er hat sich ja revanchiert". Schmidt dachte ähnlich: "Es geht eigentlich nicht, diesen Handelfmeter nicht zu pfeifen. Es tut mir leid, vor allen Dingen für meine Mannschaft. Anscheinend hat das den Schiedsrichter für den Rest der Spielzeit noch einmal maßgeblich beeinflusst, weil sonst hätten wir wahrscheinlich unentschieden gespielt."

Quelle: RP
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