| 15.07 Uhr

Bayer Leverkusen
Rucksack ist zu schwer für die Werkself

Wendell sieht Rot, Pizarro trifft vom Punkt
Wendell sieht Rot, Pizarro trifft vom Punkt FOTO: dpa, jhe hpl
Leverkusen. Frust ist ein bekanntes Gefühl in Leverkusen. Die Fußballer von Bayer 04 schaffen es, in regelmäßigen, nicht allzu langen Abständen, dieses bei ihren Anhängern auszulösen. In diesem Fall war es wieder einmal der DFB-Pokal. Und wieder einmal war es das Viertelfinale dieses Wettbewerbs. Von Patrick Scherer

Gegen Werder Bremen prangte nach etwas mehr als 90 Minuten Pokalkampf ein 1:3 auf der Videowand. Und auch das ist bekannt in Leverkusen: Die Verantwortlichen ärgerten sich hernach in Maßen, suchten mit Contenance nach Erklärungen, fanden aber kaum überzeugende. Stefan Kießling war die Ausnahme. Der Stürmer stellte sich vor die Medienvertreter und atmete ein Mal schwer, dann brach es aus ihm heraus: "Das war gar nichts von uns. Und das ist in so einer Situation scheiße", sagte der 32-Jährige zu Beginn seiner an weiteren klaren Worten nicht sparenden Rede – wohlwissend, dass diese Pokalspielzeit vielleicht die letzte Chance auf einen Titel in seiner aktiven Karriere war.

Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Michael Schade äußerten sich mit finsterer Miene ebenfalls frustriert, aber gemäßigter. Trainer Roger Schmidt verlieh seiner Enttäuschung zwar auch Ausdruck, ließ die Möglichkeit zu einer gerechtfertigten öffentlichen Standpauke aber verstreichen. Sein Team sei "nicht über 90 Minuten im Pokalmodus" gewesen und sei "dafür bestraft worden, dass wir uns zu sicher gefühlt haben", sagte Schmidt.

Ein harmloses Urteil dafür, dass der DFB-Pokal auch in dieser Saison von den handelnden Personen in Leverkusen als Primärziel für einen Titel ausgelobt worden war. Nicht nur das. Auch die Warnsignale vor der Partie hätten heller nicht leuchten können. Fünf Mal trat Bayer vorher gegen Werder im Pokal an. Fünf Mal hieß der Sieger Bremen. Zudem war es das dritte Mal in Folge, dass Leverkusen ein Heimspiel im Pokal-Viertelfinale zugelost bekam. 2014, ausgeschieden gegen Zweitligist Kaiserslautern. 2015, ausgeschieden gegen Bayern München. Dennoch ging die Werkself mit einer erstaunlichen Leichtfertigkeit in die Partie. Dass sie zuvor wettbewerbsübergreifend sieben Spiele ohne Niederlage verbucht und gegen den FC Bayern drei Tage zuvor ein beachtetes 0:0 erkämpft hatte, schien zu der von Schmidt angesprochenen zu großen Sicherheit geführt zu haben. "Ich hatte das Gefühl, dass jeder einen Rucksack von 50 Kilo auf dem Rücken hat. Und im Pokal kannst du solche Niederlagen leider nicht mehr geradebiegen", analysierte Kießling.

Trainer Schmidt schützte sein Team und rechtfertigte seine Auswechslungen. Für den verletzten Chicharito, der mit einem Muskelfaserriss in der Gesäßmuskulatur zumindest für das Bundesliga-Spiel in Darmstadt am Samstag ausfällt, brachte er in Kyriakos Papadopoulos nach André Ramalho einen weiteren Defensivspieler. Die offensiven Optionen Julian Brandt (kam erst für die letzte Viertelstunde) oder Admir Mehmedi (blieb ohne Einsatz) wurden ignoriert. Das sei "taktisch gut aufgegangen", behauptete der 48-Jährige – obwohl sein Team sich kaum Chancen herausspielte.

Damit reduziert sich der Traum vom ersten Titel seit 1993 (DFB-Pokal) in dieser Saison auf die Europa League. Dort trifft Leverkusen im Sechzehntelfinale in der kommenden Woche auf Sporting Lissabon. "Wir haben die Chance, Außergewöhnliches zu leisten", sagte Schmidt.

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