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Bayer Leverkusen
Völlers Maßgabe der kleinen Schritte

Einzelkritik: Bestnote für Leno
Einzelkritik: Bestnote für Leno FOTO: dpa, gki hak
Leverkusen. Bayers Sportdirektor dämpft nach dem 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV die Erwartungen. Bevor von der Champions League die Rede ist, müssten erst die Europa-League-Ränge erreicht werden. Von Stefanie Sandmeier

Bernd Leno schimpfte wie ein Rohrspatz. Die Nachspielzeit in der BayArena hatte bereits begonnen, als Schiedsrichter Christian Dingert noch einmal auf Freistoß entschied. Wieder sah Bayers Keeper einen Ball auf sein Tor zufliegen - wie an diesem Tag so häufig - weil die Gäste aus Hamburg nach dem Rückstand (Eigentor Ekdal) alles in die Waagschale warfen und auf den Ausgleich drängten.

Dass es für die Leverkusener nach 98 Minuten einen 1:0-Erfolg zu feiern gab, war in erster Linie Lenos Verdienst. Der hielt jeden Schuss, der ihm entgegenkam und war erleichtert, egal wie, drei Punkte gewonnen zu haben. "Den Druck haben alle gespürt. Umso wichtiger war es, dass wir drei Punkte geholt haben. Jetzt haben wir den Anschluss wieder hergestellt", sagte der 24-Jährige. Bayer 04 rutscht durch den Sieg in der Tabelle wieder einen Platz nach vorne (Rang sieben) und hat nur noch drei Punkte Rückstand auf Platz vier, der zur Qualifikation an der Champions League berechtigt.

Pressestimmen: "Ganz große Geste" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Ein Ziel, von dem unterm Bayer-Kreuz aber derzeit niemand spricht. "Wir tun gut daran, dass wir kleine Schritte gehen und erst einmal wieder an die Europa-League-Plätze rankommen. Das ist ja schwer genug in diesem Jahr", entgegnete Rudi Völler. Nichtsdestotrotz sehnt der Sportdirektor die Länderspielpause herbei. "Für uns war es die fünfte englische Woche hintereinander. Das hat sonst nur noch Borussia Dortmund. Wir haben jetzt nochmal Donnerstag gegen Villarreal und dann Sonntag in Stuttgart. Dann können wir mal ein bisschen durchatmen." Für Bayer, das gegen den HSV mit dem jüngsten Team seit Liga-Zugehörigkeit (Schnitt: 23 Jahre) angetreten war, war es das elfte Spiel im Drei-Tages-Rhythmus. "Wir standen mit dem Rücken zur Wand, aber die Mannschaft hat Mentalität gezeigt und gekämpft", sagte Leno zum erkennbaren Aufbäumen drei Tage nach dem 0:2 im Achtelfinale der Europa League beim FC Villarreal.

Für den Torhüter, der hofft, auf den EM-Zug aufspringen zu können, ist das Weiterkommen am Donnerstag gegen die starken Spanier keineswegs abgehakt. "Ich hoffe, dass der Sieg ein Befreiungsschlag war. Vielleicht brauchten wir einfach mal wieder ein Erfolgserlebnis, das die Wende einleiten kann. Das gibt Rückenwind für das Rückspiel."

Leverkusen - Hamburg FOTO: dpa, gki hak

Wann und wo immer es gefährlich wurde, war der Torhüter zur Stelle. Schon in der vierten Minute tauchte Rudnevs nach einem Fehler von Tah alleine vor Leno auf. In der 57. Minute kam er nach toller Vorarbeit von Hunt erneut zum Schuss. 14 Minuten später folgte der dritte Versuch: Nach einer Flanke von der rechten brachte Rudnevs beinahe artistisch den Ball im hohen Bogen aufs Tor, der sich erst kurz vorher senkte. Der Schlussmann aber hielt erneut glänzend. Doch Rudnevs biss sich auch ein viertes Mal die Zähne an dem Keeper aus (81.). Nach einem Freistoß von Hunt kam er aus zehn Metern zum Schuss. Leno riss reflexartig die Hände nach oben und klärte.

Julian Brandt wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte. "Bernd ist der Held des Nachmittags. Er hat uns echt den Arsch gerettet", sagte der offensive Mittelfeldspieler.

Ekdals Eigentor sorgt für Bayer-Sieg FOTO: Screenshot Sky

Roger Schmidt freute sich über einen "schönen" 49. Geburtstag. "Wir haben uns den Sieg durch große Leidenschaft und eine große Willensleistung verdient", sagte er. Zu diesem Zeitpunkt war sein Ärger über die Gelb-Rote Karte von Tin Jedvaj wieder ein wenig verraucht. Der Kroate hatte wegen Zeitspiels die erste Verwarnung kassiert. Weil er sich danach mehrfach mit der Hand gegen den Kopf patschte und dem Schiedsrichter dadurch unsportliches Verhalten signalisierte, zeigte dieser ihm die zweite Gelbe Karte.

Darüber echauffierte sich Schmidt, der die erste Entscheidung bereits für überzogen hielt. "Wenn er Zeitspiel anzeigt, kann er auch die 20 Sekunden eben nachspielen lassen. Die zweite Karte ergibt sich dann nicht."

Damit fehlt Jedvaj an diesem Donnerstag im Europa-League-Rückspiel gegen Villarreal und am Sonntag in Stuttgart.

Quelle: RP
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