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Bayer Leverkusen
Völler wütet in Wolfsburg

Fotos: Bendtner trifft nach klarer Abseitsstellung von Vieirinha
Fotos: Bendtner trifft nach klarer Abseitsstellung von Vieirinha FOTO: afp, tob/iw
Wolfsburg. Bayer Leverkusens Sportdirektor sprintet nach einer falschen Schiedsrichterentscheidung von der Tribüne an den Spielfeldrand. Sein Team verliert beim VfL Wolfsburg. Von Stefanie Sandmeier

Einen wütenden Rudi Völler aufzuhalten, den nach einem irregulären Wolfsburger Führungstor nichts mehr auf seinem Sitz hielt, das trauten sich selbst die Gastgeber im eigenen Stadion nicht. Lauthals tobend eilte er von der Tribüne hinunter zur Seitenlinie. Dass Schiedsrichter Manuel Gräfe beim 1:0 von Nicklas Bendtner in Folge eines unübersichtlichen Zweikampfes zwischen Kevin Kampl und André Schürrle eine Abseitsposition ungeahndet ließ und sogar seinen Linienrichter überstimmte, brachte Bayers Sportdirektor auf die Palme.

Der redete wild gestikulierend auf den vierten Offiziellen ein, der alle Mühe hatte, den 55-Jährigen zu beruhigen. Die Fernsehbilder zeigten: Völler hatte in der Sache recht. Gräfe beeinflusste mit seinem Fehler das für beide Teams so wichtige Spiel im Kampf um Platz drei maßgeblich mit und leitete damit womöglich die 1:2-Niederlage der Werkself ein.

Noch lange nach Spielschluss war die Szene in der 34. Minute das alles überstrahlende Thema. Gräfe selbst entschuldigte sich und stieß die Debatte um technische Hilfen neu an. "Ich nehme den Fehler auf meine Kappe. Die Leverkusener können zu Recht sauer sein", sagte der 42-Jährige. "Der Videobeweis hätte in dieser Szene geholfen." Gräfe sah das Abseits von Wolfsburgs Vieirinha bei dessen Vorlage zwar, glaubte aber, dass der Ball von Kampl kam. Die Hintertorkamera wies indes eindeutig Schürrle als Passgeber aus. "Ich habe beide befragt", sagte Gräfe. "Beide waren sich nicht sicher, wer den Ball spielte. Die Partie war noch nicht angepfiffen. Wäre eine Hilfe gekommen, hätte ich die Entscheidung zurückgenommen." So aber blieb es beim Tor, weil Gräfe seinen Assistenten überstimmte ("Ich war mir einfach ziemlich sicher").

Mit etwas Abstand zu den Dingen hatte sich auch Rudi Völler wieder beruhigt. Von seiner Meinung jedoch rückte er nicht ab. "Das ist eine riesengroße Ungerechtigkeit. Warum Gräfe dieses Risiko eingeht, seinen Linienrichter zu überstimmen, verstehe ich nicht. Da musst Du dir 100 Prozent sicher sein", sagte der 55-Jährige, der in der Pause mit Gräfe lange diskutiert hatte. Roger Schmidt sprach sich ebenfalls für den Videobeweis aus. "Ich finde, dass mittlerweile zu viele Spiele durch falsche Entscheidungen beeinflusst werden. Da muss sich was ändern, auch um die Schiedsrichter zu entlasten", forderte der Coach.

Gräfe gab allerdings zu bedenken, dass technische Hilfsmittel nicht das "Allheilmittel" seien. Das zumindest habe die zweite strittige Szene gezeigt: ein nicht gegebener Elfmeter für den VfL in der zweiten Hälfte. Leverkusens Torhüter Bernd Leno hatte Daniel Caligiuri im Strafraum zu Fall gebracht, der Pfiff blieb aus - obwohl Leno zugab, "dass ich ihn berührt habe. Ob das aber ausreicht für einen Strafstoß, weiß ich nicht." Statt über den Schiedsrichter zu diskutieren, sagte der Keeper, "sollten wir lieber auf uns schauen".

Bayer 04, das zwischenzeitlich durch Chicharito ausglich (40.), verlor trotz einer vor allem überzeugenden ersten Hälfte und trotz nicht gegebenem Elfmeter für den VfL durch das Tor des eingewechselten Julian Draxler mit 1:2. Wolfsburg ist damit Dritter - während es Bayer 04 vor dem wichtigen Champions-League-Spiel am Mittwoch in Rom verpasste, in der Liga den Anschluss an das Spitzentrio herzustellen.

(can/RP)
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