| 13.28 Uhr

Bayer Leverkusen
Bayers Spiel mit dem Risiko

Noten: Nur Leno und Bellarabi überzeugen
Noten: Nur Leno und Bellarabi überzeugen FOTO: afp
Leverkusen. Die 1:2-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach zeigte, dass noch nicht alles passt im Gefüge der Werkself. In der Defensive gab es sichtbare Abstimmungsprobleme. Gefährlich wurde es nach Ballverlusten - und eigenen Torchancen. Von Dorian Audersch

Für Bernd Leno ist die Sache klar: "Wenn drei von uns hingehen, aber keiner richtig, ist ein Gladbacher der lachende Vierte", sagte der Torwart von Bayer 04. Gemeint ist die Szene vor dem 1:2 durch Lars Stindl, in der es kurz nicht passte in Leverkusens Defensive. Es war die Entscheidung im Topspiel des ersten Spieltages. Probleme bei der Abstimmung seien in dieser frühen Phase der Saison normal, betont Leno, "aber es war vielleicht das eine oder andere Mal zu viel."

Er hat die Niederlage nicht zu verantworten - im Gegenteil: Der Schlussmann parierte mehrmals stark, einmal gar mit dem Gesicht. Der Schuss von Oscar Wendt (21.) war mit so viel Wucht versehen, dass Leno kurzzeitig K.o. ging und behandelt werden musste. Es war eine der Szenen des Spiels. Der Keeper konnte dennoch weitermachen und blieb bärenstark. Kaum acht Minuten später parierte er einen weiteren Schuss von André Hahn. In der 44. Minute bekam Leno einen weiteren Schuss an den Kopf, der aber nicht so hart geschossen war. Kurz danach folgte das 0:1.

Dass er auch danach noch einige Male rettend eingreifen musste, war der offensiven Spielweise beider Mannschaften geschuldet. Mit aggressivem Pressing versuchte Bayer 04, das Spiel zu kontrollieren. Das Mittelfeld wurde verdichtet, um den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Gegen technisch schwächere Teams ist das ein probates Mittel, aber gegen annähernd gleichstarke Gegner mit hohem Risiko verbunden. Das wurde am Samstagabend immer wieder deutlich. Mönchengladbach hatte mehrere hochkarätige Chancen, die meist aus Ballverlusten der Werkself resultierten. Auf das blitzschnelle Umschaltspiel der Borussia hatte Bayer 04 nicht immer eine passende Antwort.

Entsprechend fielen die Reaktionen aus. Geschäftsführer Michael Schade schaute ebenso ernst drein, wie Manager Jonas Boldt, der sich auf einem Bildschirm in den Katakomben des Borussia-Parks die Szene vor Lars Stindls Treffer zum 1:2 genau anschaute und mit der minimalen Abseitsstellung des Gladbacher Kapitäns haderte.

Trainer Roger Schmidt sah nach eigenem Bekunden ein "gutes und intensives Fußballspiel", in dem beide Mannschaften mit offenem Visier gespielt hätten. "Letztendlich entscheiden Kleinigkeiten. Wir haben noch nicht perfekt gespielt, aber insgesamt bin ich mit dem Auftritt der Mannschaft zufrieden." Mit einem 1:1, betonte er, hätte das Spiel ein gerechteres Ergebnis gefunden.

Das ist eine Einschätzung, die angesichts der mit hohem Tempo herausgespielten Chancen auf beiden Seiten durchaus zutrifft. Dann aber bleibt die Frage, warum Schmidt nach dem Ausgleich durch den kurz vorher eingewechselten Joel Pohjanpalo weiterhin auf nahezu bedingungslose Offensive setzte - und damit einer konterstarken Mannschaft wie Mönchengladbach in die Karten spielte. Gerade wenn am Anfang der Saison noch nicht alle Rädchen perfekt ineinander greifen, ist das riskant. Es passt aber zum Stil von Schmidt, der von seiner Vorstellung von Offensivfußball überzeugt ist - obwohl die beste Phase der Werkself in der vergangenen Saison begann, als er etwas kontrollierter spielen ließ. Hakan Calhanoglu ärgerte sich indes, dass die Werkself den schnell ausgeführten Freistoß von Christoph Kramer, der das 0:1 einleitete, "verpennt" habe. Kevin Kampl, der lieber diskutierte, anstatt die Lücke zu schließen, gab sich selbstkritisch: "Die Situation vorab hat mich total aufgeregt. Ich war ein bisschen sauer, aber ich hätte mich vor den Ball stellen müssen." Dennoch sei in dem Spiel nicht alles schlecht gewesen: "Wir haben viel richtig gemacht."

Gute Nachrichten gab es von Charles Aránguiz. Der Chilene zog sich nur eine Prellung des Schienbeinkopfes zu und wird zur Nationalmannschaft reisen können. Auch bei Ömer Toprak scheint die Blessur nicht schlimm zu sein. Er wird in den nächsten Tagen wieder ins Training einsteigen. Der K.o. von Leno hat ebenfalls keine nachhaltigen Folgen.

Roger Schmidt steht nun in der Länderspielpause nur eine Rumpftruppe zur Verfügung. Zeit also, um das Auftaktspiel zu analysieren - und Schlüsse zu ziehen. Danach nimmt die Saison dann richtig Fahrt auf.

 

Quelle: RP
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