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Dortmund seit sieben Spielen sieglos
Bayers Heimserie hält gegen BVB auch in Unterzahl

Bayer - BVB: Bilder des Spiels
Bayer - BVB: Bilder des Spiels FOTO: ap, mm
Leverkusen. Gegen kriselnde Dortmunder holt Bayer Leverkusen zu Hause ein 1:1. Die Werkself spielt lange in Unterzahl, der BVB kann das aber kaum ausnutzen. Was das Remis für BVB-Trainer Peter Bosz bedeutet, wird sich zeigen. Von Dorian Audersch

Die Partie gegen Dortmund war für Bayers Trainer Heiko Herrlich freilich eine besondere. Neun Jahre trug er einst als Spieler das Trikot des BVB, gewann mit dem Klub die Champions League und wurde deutscher Meister. Auf das sportliche Geschehen hatte die alte Verbundenheit indes keinen Einfluss. Die Werkself behält nach dem 1:1 (1:0) zumindest einen Punkt in Leverkusen.

Herrlich stellte seine Mannschaft im Vergleich zum 1:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt auf vier Positionen um: Wendell rückte nach abgesessener Gelbsperre wieder in die Startelf. Auch Sven Bender, Benjanim Henrichs und Leon Bailey kehrten in die Anfangsformation zurück. Auf der Bank blieben dafür Lukas Alario, Admir Mehmedi und Panagiotis Retsos. Dominik Kohr musste nach seiner fünften Gelben Karte aus dem Frankfurt-Spiel passen.

Einzelkritik: Volland weiter treffsicher - Lars Bender überzeugt kämpferisch FOTO: ap, mm

Das Duell der Europa-Cup-Aspiranten begann ohne langes Abtasten. Beide Teams attackierten früh und mit viel Vorwärtsdrang. Dortmunds Christian Pulisic traf zwar den Außenpfosten, aber der Ball war vorab ohnehin hinter der Torauslinie (3.). Beinahe im direkten Gegenzug stand Kevin Volland frei vor Roman Bürki – aber auch knapp im Abseits.

Maximilian Philipp verletzt sich am Knie

Überschattet wurde die Anfangsphase von Maximilian Philipps früher Verletzung. Nach einem Zweikampf mit Jonathan Tah fasste er sich sofort ans rechte Knie und zeigte an, ausgewechselt werden zu müssen (9.). So kam es dann auch, begleitet von aufmunterndem Beifall von den Rängen.

Kurz nach der längeren Behandlungspause war es Sven Bender, der um ein Haar die Führung für die Werkself markierte, doch Bürki parierte seinen Kopfball nach einem Freistoß von Bailey (11.). Julian Brandt versuchte es im direkten Anschluss ansatzlos aus der Distanz. Erneut war beim Schweizer Schlussmann Endstation. Dortmund kam seinerseits zu einer bestenfalls halben Chance: Andrej Jarmolenkos Schüsschen stellte keine Gefahr für Bernd Leno dar (17.).

Rote Karte nach Videobeweis für Bayers Wendell FOTO: dpa, bt nic

Deutlich brisanter war der Kopfball von Kai Havertz, der die perfekte Flanke von Bailey an den Querbalken des Dortmunder Tors setzte (20.). Lars Benders Versuch einer Direktabnahme landete nur auf dem Netz (23.). Leverkusen bestimmte in der ersten halben Stunde klar das Geschehen. Der BVB wirkte hingegen über weite Strecken gehemmt und ideenlos. Ersteres ist sicher durch die anhaltende Krise zu erklären, letzteres hingegen ließ den oft kritisierten Peter Bosz mit verschränkten Armen weitgehend ratlos an der Seitenlinie verharren.

Und so war es nur folgerichtig, dass Kevin Volland das überfällige 1:0 erzielte. In der 30. Minute legte er einen Pass von Havertz geschickt am heranstürmenden Bürki vorbei und lief auf den leeren Kasten zu, wo er keine Mühe damit hatte, den Ball unterzubringen. Weil das kongeniale Zuspiel gegen geradezu waghalsig hochstehende Dortmunder aus der eigenen Hälfte kam, war es kein Abseits – da brachten auch die Reklamationen der Dortmunder nichts mehr.

Bailey verpasste nur zwei Minuten später, nachzulegen. Sein Schuss aus halblinker Position wurde geblockt. Auch Charles Aránguiz verpasste das 2:0, weil Bürki seinen Schuss parierte (38.).

Es folgte der unrühmliche Auftritt von Wendell, der den Ex-Leverkusener Gonzalo Castro derart böse mit gestreckten Bein am Sprunggelenk traf, dass der Dortmunder nicht weitermachen konnte. Der Ball war zu dem Zeitpunkt nicht mehr in Reichweite. Schiedsrichter Robert Hartmann sah sich die Szene auf dem Monitor erneut an – und korrigierte seine Entscheidung von Gelb zu Rot. Die folgenden wütenden Angriffe des BVB fanden aber bei der sicheren Defensive der Werkself ihr Ende.

Nach der Halbzeit ging es zunächst etwas gemächlicher weiter, ehe ein ausbleibender Pfiff des Schiedsrichters im rappelvollen Gästeblock für Furore sorgte. Vorangegangen war ein Zweikampf zwischen Jarmolenko und dem zur Halbzeit für Henrichs eingewechselten Griechen Panagiotis Retsos im Leverkusener Strafraum. Die Zeitlupe belegte jedoch einwandfrei: Schwalbe. Gelb. Aufregung umsonst (53.).

Peter Bosz steht teilnahmslos an der Seitenlinie

Die bis dahin beste Chance zum Ausgleich für die Gäste vergab kurz danach Weltmeister André Schürrle, der einen Tick zu egoistisch aus spitzem Winkel abzog – und nur den Außenpfosten traf (56.). Die Chance wirkte wie ein Weckruf. Dortmund übernahm daraufhin zunehmend das Kommando, vorerst jedoch ohne wirklich zwingend zu sein. Dennoch gelangen kaum noch Entlastungsangriffe gegen drückende Dortmunder in Überzahl. Mehr als Pulisics Schuss aus rund 18 Metern der deutlich über Lenos Tor ging, kam dabei indes nicht heraus (69.).

Auf der Gegenseite vergab Volland frei vor Bürki die Riesenchance auf das 2:0, doch sein etwas zu unplatzierten Versuch vom halblinken Strafraumrand prallte am Schlussmann ab (72.). Besser machte es Jarmolenko auf der Gegenseite, der einen Pass von Schürrle an Leno vorbei ins rechte untere Eck schob (73.), nachdem er sich im Strafraum den Ball vergleichsweise ungestört auf den rechten Fuß legen konnte. Sein Trainer Peter Bosz nahm den Ausgleich weitgehend teilnahmslos zur Kenntnis. Mit verschränkten Armen.

Sein Pendant auf der Leverkusener Bank reagierte auf das Gegentor mit der Hereinnahme von Karim Bellarabi, der einst das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte gegen den BVB schoss, für Kevin Volland. Offensivmann für Offensivmann. Mutig. Mit Zählbarem wurde das Wagnis aber nicht belohnt. Baileys Freistoß lenkte Bürki zur Ecke (88.). Auch Jonathan Tahs Kopfball nach Bellarabi-Flanke ging am Tor vorbei (90.). So blieb es bei einem Remis, mit dem beide Teams wohl leben können. Bayers Heimserie hält also weiter an, Dortmund ist nun seit sieben Bundesligaspielen ohne Sieg.

 
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