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Bayer Leverkusen
Schmidt setzt auf Rotation

Fotos: Das ist Roger Schmidt
Fotos: Das ist Roger Schmidt FOTO: afp, pbe/iw
Leverkusen. Aufgrund des vollen Spielplans in Bundesliga, Pokal und Champions League und in Folge von Verletzungen verteilt Bayers Trainer die Belastung auf viele Schultern. Bisher kamen 20 verschiedene Spieler zum Einsatz. Die Rotation trifft derzeit Stürmer Kießling. Von Simon Janssen

Mit klitschnassen Haaren und Grashalmen im Gesicht sprintet Stefan Kießling über den Trainingsplatz. Eine Flanke nach der nächsten bringt der Stürmer im Kasten unter. Mal ins lange Eck, mal ins kurze, mal ein zentraler Flugkopfball. Wenige Meter entfernt beobachtet Roger Schmidt die Vorstellung des 31-Jährigen. Überrascht wirkt der Coach nicht, schließlich weiß er um die Abschlussqualitäten seines erfahrenen Offensiv-Akteurs.

Beweisen muss Kießling ohnehin niemandem mehr etwas. Auch nicht in der Länderspielpause, in der sein Sturmkonkurrent Chicharito für die mexikanische Nationalelf auf Torejagd geht. "Ich muss die Pause nicht nutzen, um mich anzubieten. Dafür bin ich zu lange dabei", sagt Kießling. Er weiß, dass er gebraucht wird.

Der Spielplan ist voll. Die Belastung groß. Schmidt sieht sich aufgrund der Dreifachbelastung in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League gezwungen, die eng getakteten Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. Eine in Stein gemeißelte Elf gebe es für ihn sowieso nicht, betonte der 48-Jährige zuletzt immer wieder und bewies das auch in seinen Aufstellungen. 20 Spieler setzte der Coach in dieser Saison bereits ein. Darunter Jungstars wie Stürmer Benjamin Henrichs, der gegen Borussia Dortmund (0:3) sein Bundesligadebüt feierte.

Besonders in der Offensive zeigte sich der Trainer bislang rotationsfreudig. War es zu Beginn der Saison noch Kießling, der als einziger Stürmer auflief, folgten Versuche mit Admir Mehmedi als Doppelspitze. Gegen den BVB ließ Schmidt das Duo Kießling und Chicharito auflaufen. Das Experiment misslang und Kießling musste zur Halbzeit raus. Gegen Bate Borissow erwies sich die Konstellation Chicharito und Kevin Kampl als gute Wahl. Bayers großzügig ausgestattete Offensivabteilung gibt dem Coach viele Variationsmöglichkeiten. Dass gegen Augsburg zuletzt mit 23,6 Jahren Altersschnitt das jüngste Bundesliga-Team der Saison auf dem Rasen stand, lag auch daran, dass erneut Chicharito (27) den Vorzug vor Kießling erhielt. Schmidt wechselte in der 75. Minute. Kießling kam - allerdings nicht neben, sondern für den Mexikaner. "Wir haben bislang noch nicht oft zusammen trainiert und hatten noch nicht viele Möglichkeiten, uns einzuspielen", sagt Kießling zu einem Einsatz an der Seite des Mexikaners. Schmidt schloss zuletzt weitere Versuche dieser Art nicht aus. Es werde Partien geben, in denen Kießling und Chicharito gemeinsam spielen, kündigte Schmidt an. "Wir sind nicht festgenagelt auf Positionen."

Auch in der Defensive probierte Schmidt mehrere Varianten, was insbesondere mit den Verletzungen von Ömer Toprak und Tin Jedvaj zu tun hatte. So spielte Sebastian Boenisch beispielsweise für den noch nicht überzeugenden Linksverteidiger Wendell oder André Ramalho für Kyriakos Papadopoulos. Auf rechts spielte Giulio Donati für den verletzten Roberto Hilbert. Einzig Jonathan Tah absolvierte bisher alle 13 Pflichtspiele über 90 Minuten. Durch die bevorstehende Rückkehr Jedvajs winkt dem Trainer wieder eine Option mehr. Auch Toprak arbeitet am Comeback. In der Länderspielpause gilt es daher, vor den Spielen gegen den Hamburger SV und den AS Rom die Akkus ein wenig aufzuladen.

Kießling hat in der Pause Kraft getankt, doch derzeit einen schweren Stand. In den letzten sechs Spielen saß er vier Mal von Beginn an auf der Bank. Der Stürmer müsste lügen, wenn er sagt, dass er mit einem Joker-Dasein wie gegen Mainz, Augsburg, Borissow, und Barcelona glücklich ist. "Jeder weiß, dass ich kein Einwechselspieler bin", entgegnet er. Im System Schmidt ist Kießling nicht mehr der typische Mittelstürmer, sondern findet sich auch in der Rolle des Ballverteilers wieder. Die Zweikampfwerte sprechen für ihn, in der vergangenen Saison traf er jedoch erstmals seit 2010/2011 nicht zweistellig. In der laufenden Spielzeit kommt er auf zwei Tore. Kießling hat jedoch schon viele Konkurrenten kommen und gehen sehen - bisher hat er sich stets behauptet.

Quelle: RP
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