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Bayer Leverkusen
Bayer 04 und Drmic – das Ende einer Affäre

Porträt: Josip Drmic: Schafft er es noch bei Borussia?
Porträt: Josip Drmic: Schafft er es noch bei Borussia? FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach/Leverkusen. Die Werkself verkauft den Schweizer Nationalstürmer mit finanziellem Gewinn an Konkurrent Borussia Mönchengladbach und beendet damit eine Liaison, die keine Aussicht auf ein Happy End hatte. Von Patrick Scherer und Stefan Klüttermann

Der 29. November 2014 wird im Gedächtnis der Fans von Bayer 04 immer eng mit Josip Drmic verbunden bleiben. Es steht 1:1 im Derby gegen den 1. FC Köln, als der Schweizer nach der Halbzeit den glücklosen Stefan Kießling ablöst und mit zwei Toren und einer Vorlage beim 5:1 zum Held der Fankurve avanciert. Knapp sieben Monate später hält Drmic das Trikot eines anderen rheinischen Rivalen, Borussia Mönchengladbach, in der Hand – auf der Rückseite steht sein Name und die Nummer neun. Für etwa zehn Millionen Euro wechselt der 22-Jährige an den Niederrhein und sagt über seine Zeit in Leverkusen: "Es ist nicht in die Richtung gegangen, die ich mir vorgestellt hatte. Ich saß eigentlich fast nur auf der Bank, und das hat mich nicht so glücklich gemacht." Es ist das Ende einer kurzen Affäre, die keine Aussicht auf ein Happy End hatte.

Drmic kam vor der vergangenen Saison für etwas mehr als sechs Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg zu Bayer 04. Für die Mittelfranken hatte er in 33 Spielen 17 Tore erzielt. Nun sollte er das Angriffsspiel bei Bayer 04 variabler gestalten. Vor der Spielzeit gaben sich Kießling und Drmic auch zuversichtlich, dass sie ein gefährliches Duo bilden könnten, doch Trainer Roger Schmidt hatte andere Pläne. Bei ihm hieß es: entweder Kießling oder Drmic. Und der Schweizer musste sich meist mit der Herausfordererrolle begnügen.

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In der Hinrunde stand er in der Liga nur in Wolfsburg in der Startelf, wo er auch sein erstes Tor für Bayer 04 erzielte. Die Frage, wieso Drmic wettbewerbsübergreifend nur zehn Mal in der Anfangsformation stand, beschäftigt ihn nach eigener Aussage immer noch: "Wieso, weshalb, die Frage stelle ich mir auch. Ich denke, ich habe versucht, das Beste aus mir rauszuholen, damit ich in die Mannschaft passe, dass ich auch in Leverkusen Stammspieler werde. Es hat eine Zeit lang nicht funktioniert, in der Vorrunde habe ich ja fast gar nicht gespielt. In der Rückrunde lief es dann ja zunächst besser, die Presse hat ja schon geschrieben 'Drmic hat Kießling abgelöst'. Aber danach kam wieder ein Umbruch, und ich habe wieder nicht gespielt", sagt Drmic.

Die Erklärung dafür scheint simpel: Schmidt traute Drmic keine tragende Rolle in seinem System zu. Und dafür gab es auch gute Gründe. Im Gegensatz zu Kießling vernachlässigte Drmic seine defensiven Aufgaben beim Gegenpressing nach Ballverlust sträflich oft. Zudem ist die Spielanlage des Schweizers eher auf das Spiel in die Tiefe ausgelegt, Kießling ist als Anspielstation mit dem Rücken zum Tor noch wertvoller für das Team.

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Als Paradebeispiel für das fehlende Feuer im Kampf um einen Stammplatz könnte das letzte Champions-League-Gruppenspiel dienen. Drmic bekam bei Benfica Lissabon den Vorzug, spazierte im Estadio da Luz aber mehr als er rannte – der Anfang vom Ende. Zuletzt beklagte Drmic, dass Schmidt die Kommunikation mit ihm eingestellt hätte. Drmic drängte auf die Trennung, Bayer 04 stimmte zu. Jetzt wurde die Affäre beendet – die schöne Erinnerung an den 29. November 2014 aber bleibt.

Quelle: RP
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