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Bayer Leverkusen
Bayer 04 und Kießling - das passt zusammen

Bayer-Fans feiern Kießling
Bayer-Fans feiern Kießling FOTO: dpa, bt tmk
Leverkusen. Seit zehn Jahren spielt der 32-Jährige in Leverkusen. Längst ist der Stürmer zu einer Identifikationsfigur geworden. Nun hat er seinen Vertrag bis 2018 verlängert. Seine Unterschrift und Karim Bellarabis Bekenntnis zum Klub könnten Signalwirkung haben. Von Stefanie Sandmeier

Eilig hatte es Stefan Kießling am Dienstag nicht. Leverkusens Stürmer ließ sich viel Zeit beim Autogramme schreiben. Er ließ sich mit Fans fotografieren. Einige brachten ihm sogar Geschenke mit. Kießling hatte sichtlich Freude angesichts der vielen guten Wünsche. Die Nachricht hatte sich rasch verbreitet. Bayers Publikumsliebling verlängerte am Morgen seinen Vertrag vorzeitig bis 2018. Er plant damit nicht nur sein Karriereende beim Werksklub, sondern will möglicherweise auch noch einige Jahre länger dort bleiben. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass man in Leverkusen weiterhin als Spieler auf mich setzt und mir auch darüber hinaus Vertrauen schenkt", sagt Kies.

Kießling sieht sich nicht als Trainer

"Stefan gehört einfach zu Bayer", erklärt Geschäftsführer Michael Schade. "Er ist für uns, aber auch unsere Fans eine absolute Identifikationsfigur, die wir unbedingt halten wollten." Deswegen sei man übereingekommen, dass der 32-Jährige nach seiner aktiven Karriere "eine Funktion im Verein übernehmen wird". Welche, das ist noch nicht klar. Einen konkreten Vorschlag hat auch Kießling nicht, der sich vieles vorstellen kann. "Als Trainer sehe ich mich aber nicht", sagt er lächelnd. "Und ein Job im Anzug passt auch nicht zu mir."

Wie seine Zukunft nach dieser Spielzeit wohl ausgesehen hätte, wenn er tatsächlich im Winter zu Hannover 96 gewechselt wäre, das auf dem besten Weg ist, in die zweite Liga abzusteigen? Mit solchen Gedanken will sich Kießling gar nicht aufhalten. "Das ist müßig. Ich bin zum Glück in Leverkusen geblieben", entgegnet er.

Der Angreifer sagt das mit dem Brustton der Überzeugung. "Bayer 04 ist für mich ein besonderer Verein. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich schon so lange hier spiele und auch weiter spielen werde."

Fotos: Stefan Kießling – Franke, Torschützenkönig, verhinderter Nationalspieler FOTO: dpa, hei fux

Die Erleichterung ist herauszuhören. Noch vor wenigen Monaten dachte er daran, dem Klub den Rücken zuzukehren. In der Hinrunde war der ehemalige Nürnberger unter Trainer Roger Schmidt zeitweise nur Ergänzungsspieler. Kießling litt, spielte schlecht und machte sich sehr konkret Gedanken über einen vorzeitigen Abschied.

Bekanntlich sind die Dinge aber anders gekommen. Das Derby gegen Borussia Mönchengladbach (5:0), in dem er zwei Tore schoss und zwei weitere vorbereitete, trug dazu bei, dass der Fußballer Stefan Kießling wieder mehr Wertschätzung erfuhr, der sich wie kaum ein anderer mit Bayer 04 identifiziert. Die Verlängerung ist durchaus als Signal beider Seiten zu werten.

Seit 2006 bei Bayer 04

Am 12. August 2006 begann die Ära Stefan Kießling unterm Bayer-Kreuz. Seitdem war der gebürtige Franke an insgesamt 181 Leverkusener Treffern (126 Tore, 55 Vorlagen) in 312 Bundesliga-Spielen beteiligt. "Mit dieser Vertragsverlängerung haben wir ein klares Zeichen gesetzt", erklärt Rudi Völler. "Stefan hat in den vergangenen Jahren bei uns immer abgeliefert, und das soll und muss er auch weiterhin tun. Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, sowohl auf dem Platz als auch in der Kabine. Seine Führungsqualitäten und seine Erfahrung sind in einer jungen Mannschaft wie der unseren nicht hoch genug einzuschätzen."

In der Kabine wurde Kießling vor dem Training mit Applaus begrüßt. Am Tag davor bekannte sich bereits Karim Bellarabi zu Bayer 04, der - allen Offerten anderer Klubs zum Trotz - die Spekulationen um einen Wechsel selbst beendete. Indirekt lässt der Nationalspieler damit wissen, dass er sich und seine persönliche Entwicklung in Leverkusen gut aufgehoben fühlt. "Das ist ein super Zeichen für uns", findet Roger Schmidt, der überzeugt ist, "dass wir als Mannschaft noch eine gute Zeit vor uns haben". Geschäftsführer Michael Schade sagte unserer Redaktion: "Wir werden versuchen, alle unsere Leistungsträger bei uns zu halten."

Bellarabis Bekenntnis und Kießlings Unterschrift könnten Signalwirkung auf andere Spieler haben. Ob das auch bei Bernd Leno gelingt, der Wechselabsichten hegt, vermag noch niemand verlässlich zu beantworten. Schmidt glaubt aber fest daran: "Ich sehe die Chance als sehr groß, dass Bernd bleibt."

Bei allen anderen Spielern hat Bayer das Heft des Handelns selbst in der Hand. Ein Wechsel würde nur mit dem Einverständnis des Klubs möglich sein. Das gilt auch für den umworbenen Linksverteidiger Wendell. "Wenn man ihn beobachtet, hat man keine Sekunde das Gefühl, dass er uns verlassen will."

Was seinen Kader über die Saison angeht, gibt sich Schmidt entspannt. Der jüngste Erfolg hat Bayer sportlich wieder auf Kurs gebracht. Der 49-Jährige freut sich, mit Rückkehrer Levin Öztunali (Werder Bremen) ein weiteres "Riesentalent" im Sommer dazuzubekommen. Bei Vladlen Yurchenko, eine der positiven Erscheinungen der vergangenen Wochen, steht eine Vertragsverlängerung bevor. "Ganz ausschließen kann man es nie, dass uns nicht auch ein Leistungsträger verlässt", sagt der Trainer. "Zu mir hat aber noch keiner gesagt, dass er wechseln möchte."

Quelle: RP
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