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Trennung bestätigt
Bayer 04 und Korkut – Das Ende einer Zweckehe

Das ist Tayfun Korkut
Das ist Tayfun Korkut FOTO: afp, jd-jlu
Leverkusen. Kaum war der Klassenerhalt gesichert, verkündete Bayer Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade, dass die Zusammenarbeit mit Interimscoach Tayfun Korkut nach der Saison beendet wird. Das kommt nicht überraschend, aber zu einem überraschenden Zeitpunkt. Von Dorian Audersch

In den Katakomben der BayArena spielten sich nach dem Abpfiff des 60. Rhein-Derbys viele herzliche Szenen ab. Sportchef Rudi Völler drückte Stefan Kießling einen dicken Kuss auf die Wange, die Spieler der Werkself klatschten sich sichtlich befreit ab und es wurde viel gelacht – obwohl die sich nun dem Ende nähernde Spielzeit als völlig verkorkst gelten darf. Bayer 04 hat mit einem 2:2 gegen Köln den Klassenerhalt geschafft. Das absolute Minimalziel der vergangenen Wochen ist erreicht, aber dafür war ein Kraftakt gegen den Rivalen notwendig.

Auch Michael Schade wirkte nach dem Spiel gelöst. Endlich könne er wieder ruhiger schlafen, ließ der Geschäftsführer von Bayer 04 verlauten, verbunden mit der Aussage, dass er vor der Saison niemals damit gerechnet hätte, am 33. Spieltag Glückwünsche zum Klassenerhalt entgegennehmen zu dürfen. "Wir haben unsere Saisonziele verfehlt, das muss man ganz klar sagen", sagte Schade. Eine tiefgreifende Analyse werde es nach der Saison geben, "in aller Ruhe."

Eine nicht ganz unwesentliche Personalie wollte der 64-Jährige aber lieber direkt klären: die des Trainers. Die Zusammenarbeit mit Tayfun Korkut werde nach der Saison "natürlich" beendet, betonte er. "Fußball ist ein Erfolgssport, da kommt es auf die Ergebnisse an – und die haben wir leider nicht gehabt." Das ist keine überraschende Erkenntnis. Aus zehn Bundesligaspielen konnte der 43-jährige Trainer bislang nur acht Punkte holen. Das dürfte so gar nicht dem entsprechen, was sich die Verantwortlichen bei seiner Verpflichtung vorgestellt haben.

Dass er nicht über den Sommer hinaus Bayers Coach bleiben würde, galt schon im Vorfeld des Derbys als sicher, zumal Korkut nur Vertrag bis Saisonende hat. Ungewöhnlich ist indes der Zeitpunkt für die Verkündung – sowie die Art und Weise, die man zumindest als unglücklich bezeichnen kann. Immerhin steht noch eine Partie bei Hertha BSC Berlin an, ehe es in die tiefenanalytische Sommerpause geht. Sowohl Völler als auch Kießling reagierten überrascht, dass Schade derart vorgeprescht ist.

Auch der Betroffene selbst schien erst wenige Minuten später erfahren zu haben, dass der Klubchef bereits das Ende seiner Amtszeit verkündet hat. "Fakt ist, ich habe bis Ende der Saison unterschrieben", sagte Korkut. "Ich bin nicht derjenige, der darüber entscheidet, wie es weitergeht." Er habe die Information bekommen, dass es bereits bekanntgegeben wurde, aber es selber nicht gesehen, erklärte er auf Nachfrage. Ansonsten wolle er den Vorgang nicht kommentieren. Dafür seien die Verantwortlichen da.

Bayer 04 und Korkut – das schien ohnehin nicht sonderlich gut zu passen. Nach dem 2:6 in Dortmund am 23. Spieltag beerbte er Roger Schmidt als Trainer der Werkself. Der Coach konnte bislang nur einen Sieg beim Schlusslicht in Darmstadt feiern – zu wenig für die bei seiner Verpflichtung eigentlich angestrebte Aufholjagd Richtung Europa League. Und zu wenig für das Potenzial im Kader, der sich plötzlich im Abstiegskampf wiederfand.

"Unsere Situation war gefährlich", sagte Rudi Völler. "Bei einer Niederlage wären wir richtig unten reingerutscht." Umso lobenswerter sei die engagierte Leistung der Mannschaft trotz des zwischenzeitlichen 0:2-Rückstandes. Das sei auch Korkuts Verdienst. Dann gab es noch reichlich Lob für den Ex-Trainer in spe: "Er hat das mit viel Liebe, Leidenschaft und taktischer Finesse bei uns gemacht. Nur die Resultate haben nicht gestimmt. Das muss man korrekterweise sagen." 

Das hatte allerdings auch schon Michael Schade betont.

Quelle: RP
 
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