| 11.33 Uhr

Bayer Leverkusen
Wilder Fußball-Westen

Bayer gelingt wilde Aufholjagd
Bayer gelingt wilde Aufholjagd FOTO: dpa, fg gfh
Leverkusen. Wer ins Leverkusener Stadion geht, der kann was erleben: Nach dem 4:4 gegen Rom gab es ein 4:3 gegen Stuttgart. Von Stefanie Sandmeier

Bisher war man von Admir Mehmedi Ausbrüche dieser Art nicht gewohnt. Der besonnene Schweizer, von dem man glaubte, dass sein Puls so schnell nicht aus dem Takt gerät, riss sich nach seinem Tor zum 4:3 das Trikot vom Leib - und rannte los. Seinen letzten Sprint in diesem erneut verrückten Fußballspiel vollzog er mit nacktem Oberkörper in Richtung Fan-Kurve, wo er sich verdientermaßen feiern ließ für seine Leistung - die er mit seiner Vorlage zum 3:3 und dem siegbringenden 4:3 krönte, das kaum noch jemand für möglich gehalten hatte.

Einzelkritik: Bestnoten für Kampl und Mehmedi FOTO: dpa, fg hak

Doch zum zweiten Mal in vier Tagen drehte die Werkself ein verloren geglaubtes Spiel, zum zweiten Mal einen Zwei-Tore-Rückstand. Und erneut boten sie dabei reichlich Spektakel. Nach einer fulminanten Aufholjagd beim 4:4 in der Champions League gegen Rom folgte gegen den VfB Stuttgart ein turbulenter 4:3-Heimsieg mit nicht minder großem Unterhaltungswert, der die Leverkusener nach zuletzt vier Pflichtspielen ohne Sieg ins obere Tabellendrittel zurückführt.

Sportdirektor Rudi Völler wirkte etwas mitgenommen. "Wenn man gewinnt", sagte er augenzwinkernd, "sind solche Spiele aber auszuhalten. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Bayer-Team in den letzten Jahren in so kurzer Zeit zweimal solche Spiele gedreht hat. Das zeugt von toller Moral."

Die Partie hatte etwas von wildem Westen, weil sich zwei Mannschaften gegenüberstanden, die "volle Attacke" spielten (Völler), bei allem Offensivdrang aber vergaßen, dass es auch eine Abwehr gibt.

Leverkusen - Stuttgart FOTO: dpa, fg hak

Die Tatsache jedenfalls, dass Bayer 04 in zwei Partien sieben Gegentreffer kassierte, könnten eine Erklärung dafür sein, warum Roger Schmidt unmittelbar nach dem Abpfiff etwas mit den Emotionen rang. Die Freude des Trainers wirkte jedenfalls ein wenig verhalten, seine Analyse sehr sachlich. "Ich bin vor anderthalb Jahren hier angetreten, um ein bisschen anders zu spielen", erklärte der 48-Jährige. "Ein 4:3 ist mir allemal lieber als ein 1:0, wenn man sich hinten reinstellt und einen Konter abschließt." Aber Schmidt konstatierte bei aller "Freude über die Mentalität der Mannschaft" eben auch, "dass ich sehe, dass wir noch nicht perfekt sind".

Auch gegen die Schwaben wurde offensichtlich, dass Bayer 04 etwas die Balance zwischen Offensive und Defensive abhanden gekommen ist. Das Torkonto in Kombination mit den Spielverläufen verdeutlicht, was Schmidt bereits nach dem Rom-Spiel kritisierte: dass es ihm derzeit an der (Abwehr)-Bereitschaft fehlt. Die haarsträubenden Fehler und missglückten Abwehrversuche bei den Gegentoren waren sinnbildlich für eine schlechte erste Hälfte. Auch deshalb standen für Stuttgart nach den Treffern von Martin Harnik (50.) und dem von Leverkusen umworbenen Daniel Didavi (54.) die Zeichen lange auf Sieg. Erst die Einwechslung von Karim Bellarabi in der 57. Minute leitete die Wende ein. Nach nur 38 Sekunden markierte er das 1:2, bereitete dann ein weiteres Tor vor und sorgte im Verbund mit Kevin Kampl im zentralen Mittelfeld für reichlich Durcheinander in der Stuttgarter Defensive. Die schaffte es erneut nicht, selbst die folgende 3:1-Führung durch Lukas Rupp (60.) über die Zeit zu bringen, was ihren Trainer Alexander Zorniger auf die Palme brachte. "Das ist immer das gleiche Kino, der gleiche Film", sagte er.

Sebastian Boenisch (70.) und Javier Hernandez (71.) glichen aus, ehe Mehmedis große Stunde schlug. Der hatte schon gegen Rom das 4:4 erzielt - und bewarb sich um einen Stammplatz.

Quelle: RP
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