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Bayer Leverkusen
Wechsel-Posse um Son trübt blendende Leverkusener Stimmung

Einzelkritik: Bestnoten für Calhanoglu und Kießling
Einzelkritik: Bestnoten für Calhanoglu und Kießling FOTO: dpa, fg axs
Leverkusen. Bayer Leverkusen steht zum zehnten Mal in der Vereinsgeschichte in der Gruppenphase der Fußball-Champions-League. Zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren. Die Mannschaft von Trainer Roger Schmidt verdiente sich den Einzug in die Königsklasse mit einem überzeugenden 3:0 vor eigenem Publikum gegen Lazio Rom. Der bevorstehende Abschied von Heung-Min Son trübte den Abend. Von Stefanie Sandmeier

Die Spieler von Bayer Leverkusen lagen sich am Mittwochabend in den Armen und feierten mit den Fans. Der Brasilianer Wendell zierte sich zunächst noch, konnte sich den Rufen der eigenen Anhänger dann aber doch nicht verwehren. Der Abwehrspieler kletterte auf den Zaun und stimmte mit der Unterstützung von André Ramalho  die "uffta" an.  Die Erleichterung über den 3:0-Sieg gegen Lazio Rom war groß, der den Leverkusenern zum dritten Mal in Folge die Gruppenphase der Champions League sicherte.

Pressestimmen: "Die Bayer-Fans feiern ihre Gladiatoren" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Dort winken bei der Gruppen-Auslosung am Donnerstag Gegner wie Titelverteidiger FC Barcelona. Schon jetzt sind dem Verein Einnahmen von 20 Millionen Euro sicher. Diese können sich im Laufe des Wettbewerbs durch Ausschüttungen aus dem Marktpool, Prämien und Einnahmen aus dem Spielbetrieb noch erhöhen. Rudi Völler fügte allerdings an: "Natürlich ist das Weiterkommen lukrativ, aber für uns ist auch die sportliche Genugtuung wichtig. Uns haftete ja immer das Image an, im entscheidenden Moment zu versagen", erklärte Bayer-Sportdirektor, dessen erster Gang zu Roger Schmidt auf den Rasen führte. "Es war keine leichte Aufgabe, die die Mannschaft zu erfüllen hatte", sagte der Trainer.

Schwere Ausganglage, reife Mannschaftsleistung

Die Werkself feiert den Einzug in die Champions League FOTO: afp, agz

Die Ausgangslage war nicht berauschend. Bayer 04 musste eine Rückstand von 0:1 aus dem Hinspiel aufholen – wie sie das taten, beeindruckte indes. In einem leidenschaftlich und intensiv geführten Spiel war Bayer 04 von Beginn an bemüht, Dominanz zu zeigen und betrieb dabei physisch sehr hohen Aufwand. Die Italiener hingegen übten sich in Verteidigung und suchten immer wieder ihren schnellen Stürmer Keita, der den Sieg für Lazio im Hinspiel erzielt hatte. Die klareren Torchancen hatten aber stets die Leverkusener, die sich nach den Toren von Hakan Calhanoglu und Admir Mehmedi spätestens nach dem 2:0 spürbar dem Druck entledigen konnten. "Wie wir nach dem 2:0 gespielt haben, das war nahe der Perfektion. Wir haben das Spiel vom eigenen Tor ferngehalten und immer weiter nach vorne gespielt. Nach Ballverlusten haben wir ein super Pressing gespielt", lobte Schmidt.

Neben Calhanoglu, der von Beginn an enorm präsent war, war Stefan Kießling Mann des Spiels – auch wenn er selbst nicht mit einem Treffer belohnt wurde. Er ackerte über 90 Minuten, gewann unglaublich viele Zweikämpfe, war Ballverteiler und Vorlagengeber zum 1:0. "Ich bin richtig kaputt. Heute hat die ganze Mannschaft einen großen Kraftakt geleistet und alles in die Waagschale geworfen. Der Sieg hat eine verdammt hohe Bedeutung. Wir haben alle daran geglaubt", sagte der 31-Jährige. Karim Bellarabi räumte mit seinem 3:0 kurz vor Schluss auch die letzten Restzweifel.

Heung-Min Son trübt die Stimmungslage ein wenig

Calhanoglu staubt eiskalt zum 1:0 ab FOTO: dpa, fg axs

Die Wechselgerüchte um Heung-Min Son trübten allerdings ein wenig den gelungenen Abend. Kießling zeigte sich wie seine Mannschaftskameraden enttäuscht von dessen plötzlichem Abgang. "Er ist krank", hatte Geschäftsführer Michael Schade nach der Partie die Abwesenheit des Südkoreaners erklärt, der nicht im Kader gestanden hatte. Völler bestätigte anschließend, was sich tagsüber als Gerücht mehr und mehr an Fahrt aufnahm.

Nur wenige Stunden vor dem so wichtigen Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation wurde bekannt, dass Son womöglich vor dem Abflug in die Premier League steht.  "Ja, er war dort. Es ist aber noch nichts fix. Wir sind in Gesprächen, weil Sonny unbedingt weg will", sagte Rudi Völler. Auch Roger Schmidt entgegnete auf Nachfragen: "Sonny möchte anscheinend nicht mehr für Bayer 04 spielen." Was also ist dran am angeblichen Infekt von Heung-Min Son?

Sein Teamkollege Hakan Calhanoglu, Torschütze zum 1:0 und eine seiner Bezugspersonen in der Mannschaft, erklärte,  dass "Sonny wirklich zwei Tage krank war". Aber auch er konnte seine Enttäuschung nicht verbergen. "Als er um 9 Uhr nicht da war, haben wir ihm geschrieben, ob wir ihm seine Sachen rausbringen sollen, damit keiner merkt, dass er zu spät ist. Aber er hat nicht geantwortet und danach hat man uns erklärt, was los ist." Von offizieller Seite wollte das niemand bestätigen, aber an anderer Stelle sickerte durch, dass sich der 23-Jährige bereits in London befunden haben soll, um den Medizincheck zu absolvieren. "Es ist sehr schade. Ich habe versucht, ihn zu erreichen, aber er ist nicht drangegangen. Die ganze Mannschaft ist ziemlich enttäuscht. Es ist aber nicht seine Schuld, er ist ein feiner Kerl. Ich glaube, er wird schlecht beraten", meinte Calhanoglu, der anfügte: "Wenn man 23 ist, hat man sicher Respekt vor seinem Vater, aber man muss irgendwann auch mal seine eigenen Entscheidungen treffen."

Insbesondere der Vater des südkoreanischen Nationalspielers soll offenbar gewaltig Druck machen. Völler sprach nur von  "unglücklichen" Umständen. "Der Stand ist, dass er noch bei uns ist. Wenn es dazu kommt, dass er uns verlässt, dann aber nur so, wie wir wollen." Im Raum steht eine Ablösesumme von 30 Millionen Euro.

Quelle: RP
 
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