| 13.41 Uhr

Leverkusen siegt in Gladbach
Wie die Werkself den Knoten löste

Borussia - Bayer 04: die Werkself in der Einzelkritik
Borussia - Bayer 04: die Werkself in der Einzelkritik FOTO: dpa, mb gfh
Die notorische Wankelmütigkeit der Werkself wurde selten innerhalb eines Spiels so deutlich wie beim 5:1-Derbysieg in Mönchengladbach. Einer Halbzeit zum Gruseln folgte eine Gala, die vor allem mit einer Person verbunden ist: Julian Brandt. Von Dorian Audersch, Mönchengladbach

Als die Fans der Werkself im Borussia-Park "Oh, wie ist das schön…" anstimmten und sich nach dem Schlusspfiff auch die Spieler von Bayer 04 dazugesellten, um vor dem Gästeblock zu tanzen, wurde auch dem letzten Beobachter bewusst, dass etwas Besonderes passiert war. Der erste Auswärtssieg der Bundesligasaison hat geradezu erlösenden Charakter für Leverkusen. Endlich konnte sich das Team von Trainer Heiko Herrlich für eine gute Leistung auch entsprechend belohnen. Fast hätte man angesichts der schwarz-roten Jubelarie die ersten 45 Minuten vergessen können – aber nur fast.

Zur Wahrheit gehört, dass Bayer 04 bis zum Pausenpfiff eine der schwächsten Saisonleistungen zeigte und mit einem äußerst schmeichelhaften 0:1-Rückstand in die Kabine ging. Defensiv anfällig und offensiv fahrlässig – so in etwa lässt sich die Schattenseite der Werkself beschreiben. Was genau in der Halbzeit passierte, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass Herrlich den völlig wirkungslosen Lucas Alario aus dem Spiel nahm und für den Argentinier Julian Brandt einwechselte. Ein paar deutliche Worte wird der 45-Jährige wohl auch gefunden haben. Und plötzlich wurde die Sonnenseite sichtbar.

Dazu stellte der Coach das System um. Das Pressing im Mittelfeld war plötzlich griffig, die Spieler agierten bissig und die Konter wurden konsequent zu Ende gespielt. Nach dem 1:1 durch Sven Bender (48.) klappte plötzlich alles. Die Gäste spielten sich regelrecht in einen Rausch und Mönchengladbach wirkte zunehmend hilflos angesichts der Leverkusener Druckwellen. So nahm das Derbyspektakel seinen Lauf.

"Mental ein wichtiger Schritt"

"Auf die zweite Halbzeit können wir stolz sein, über die erste müssen wir nochmal reden", sagte Brandt, der nach Baileys Tor zum 2:1 (59.) das wichtige 3:1 (61.) erzielte und das 5:1 durch Joel Pohjanpalo auflegte (81.). Kevin Volland markierte vorab noch das 4:1 (69.), das den Auswärtssieg endgültig besiegelte. "Das war mental ein wichtiger Schritt für uns", ist Brandt überzeugt. "Die Leichtigkeit war heute definitiv gegeben." Allerdings erst nach der Halbzeit. Das gilt auch für Kai Havertz, der mit drei Vorlagen neben dem seit Wochen gut aufgelegten Bailey und Brandt einer der Erfolgsgaranten in Mönchengladbach war.

Zwei Knackpunkte machte der 21-Jährige aus: Die Großtat von Bernd Leno gegen Thorgan Hazard (16.), das Glück, mit nur einem Tor Rückstand in die Pause zu gehen – und das schnelle 1:1 nach der Halbzeit. "Da ist auf jeden Fall ein Knoten geplatzt" sagt Brandt nicht nur mit Blick auf die zuletzt hapernde Chancenverwertung. "Wir haben viel Selbstbewusstsein gesammelt und auch für die Tabelle war das wichtig." Mit nun zwölf Punkten kann Bayer 04 wieder einen Blick auf die internationalen Plätze werfen. Seit vier Spielen ist das Team jetzt ungeschlagen. Bei einer Niederlage hätte man sich dennoch nach unten orientieren müssen.

Matchwinner Brandt bleibt trotz der verspäteten Gala selbstkritisch. "Was uns noch abgeht ist, dass wenn wir nicht ins Spiel kommen, schneller darauf reagieren und eigenständig etwas umstellen. Wenn das 0:2 fällt, bricht das unser Genick." Es sei besser, wenn das Team nicht erst bis zur Halbzeit warte, ehe es etwas verändere in kritischen Spielsituationen. "Wir sind die Spieler und können beurteilen, wie es auf dem Feld ist – und müssen darauf dementsprechend besser reagieren. Da ist auf jeden Fall noch Entwicklungsbedarf."

 
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