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Bayer Leverkusen
Wiedersehen macht Freude

Porträt: Emir Spahic – HSV-Profi und Fußball-Rüpel
Porträt: Emir Spahic – HSV-Profi und Fußball-Rüpel FOTO: afp, agz
Leverkusen. Nach der Suspendierung von Emir Spahic trifft Bayer 04 am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) zum ersten Mal auf den Bosnier. Gegen den HSV muss die Werkself jedoch ohne Kapitän Lars Bender auskommen. Auch Kevin Kampl ist fraglich. Von Simon Janssen

Auf seine letzte Amtshandlung in Leverkusen hätte Emir Spahic im Nachhinein gerne verzichtet. Ein Faustschlag, ein Kopfstoß und sein Aus bei der Werkself war besiegelt. Nach der Niederlage gegen die Bayern Mitte April im DFB-Pokal-Viertelfinale hatte der Bosnier auf Ordner eingeprügelt, nachdem diese einigen Personen aus dem Spahic-Tross den Zugang zum Kabinentrakt verweigerten. Videoaufnahmen eines Fans belegten die Vorwürfe. Spahic zertrümmerte in jener Nacht nicht nur die Frontzähne eines Mannes, sondern auch sein hohes Ansehen im Verein.

Beim Hamburger SV, dem heutigen Gegner von Bayer 04, erhielt der Routinier vor der laufenden Saison die Chance auf einen Neuanfang. Schließlich ist der sportliche Wert des 34-Jährigen unumstritten. Spahic gilt als einer der solidesten Innenverteidiger der Bundesliga. Qualität, die dem HSV nach seinem wiederholten Fast-Abstieg gut zu Gesicht steht - eine klassische Win-Win-Situation. "Er hat damals einen schweren Fehler begangen und sich mit der Aktion sicher keinen Gefallen getan. Er präsentiert sich in Hamburg aber in einer guten Verfassung und nutzt die Möglichkeit, dort sein Image zu korrigieren", sagte Bayer-Trainer Roger Schmidt, der Spahic als "wertvollen" Spieler erlebt habe.

Bruno Labbadia dürfte das ähnlich sehen. Der HSV-Coach machte gestern keinen Hehl daraus, dass er sich bei seinem Abwehrchef den einen oder anderen Tipp über die Ex-Kollegen geholt habe. "Ich habe das Gespräch mit Emir gesucht. Das haben wir in der Vergangenheit zum Beispiel mit Matthias Ostrzolek vor einem Spiel gegen Augsburg auch so gemacht", verriet der ehemalige Trainer von Bayer 04. Manchmal wüssten die Ex-Spieler über Qualitäten Bescheid, die weder dem Trainerteam noch den Scouts auf den ersten Blick aufgefallen seien.

Roger Schmidt plagen derweil ganz andere Sorgen. Zwar könnten Tin Jedvaj und Ömer Toprak nach ihren langwierigen Verletzungen erstmals wieder zum Aufgebot gehören, der 48-Jährige muss die Mission Auswärtssieg aber ohne seinen Kapitän angehen. Neben den beiden Außenverteidigern Roberto Hilbert, der nach seiner Knie-Operation die gesamte Hinrunde fehlen wird, und dem gelbgesperrten Wendell muss auch Lars Bender gegen die Hanseaten passen. Er zog sich Anfang der Woche im Training eine Kapselverletzung im Sprunggelenk zu. "Er ist umgeknickt und kann im Moment nicht mal locker laufen", sagte Schmidt. Auch hinter einem Einsatz am kommenden Dienstag in der Champions League gegen den AS Rom (20.45 Uhr) stünde ein Fragezeichen, "sein Fehlen tut uns weh, weil Lars einer ist, der immer vorneweg marschiert."

Schmidt ließ sich zwar nicht in die Karten schauen, wer anstelle des 26-jährigen Mittelfeldakteurs auflaufen wird, nannte jedoch einige Optionen: "André Ramalho kann das sicher auch spielen. Vielleicht gibt es auch noch die ein oder andere Möglichkeit im Kader."

Die wahrscheinlichere Variante ist, dass Hakan Calhanoglu neben Christoph Kramer auf der "Doppelsechs" spielen wird. "Hakan kann auch aus der Tiefe das Spiel gestalten, ist sehr laufstark und fleißig", lobte Schmidt. Die Flexibilität des 21-Jährigen, der in der türkischen Nationalmannschaft zuletzt als Stürmer spielte, sei äußerst wertvoll für die Mannschaft.

Als wertvoll erwies sich bislang auch Kevin Kampl. Der Slowene hat sich jedoch eine Mandelentzündung eingehandelt, die bereits seinen Einsatz im Länderspiel verhinderte. Das Fieber sei nach Angaben des Vereins zwar inzwischen zurückgegangen, "aber Kevin wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ausfallen", sagte Schmidt, der somit auf eine weitere Option fürs zentrale Mittelfeld verzichten muss.

Trotz Personalsorgen und einer pikanten Statistik - nur gegen Bayern München kassierte Bayer 04 in der Bundesliga mehr Niederlagen - scheint der HSV Schmidt jedoch keine Sorgenfalten auf die Stirn zu treiben: "Wir sind nach einem Viertel der Saison in einem Zustand, der uns in die Lage bringt, in jedem Spiel als Sieger vom Platz zu gehen."

Quelle: RP
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