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Bayer Leverkusen
"Müssen auch auf Champions-League-Niveau ausbilden"

Bayer 04 Leverkusen will auch auf Champions-League-Niveau ausbilden
Helmut Jungheim hat große Ziele. FOTO: FVM
Leverkusen. Helmut Jungheim hat als Treffpunkt die BayArena vorgeschlagen. Seit 1. Januar ist der 58-Jährige der Chef von Bayers Nachwuchs-Leistungs-Zentrum. Ein Mann mit großen Zielen – ehrgeizig und geradeaus – das wird schnell deutlich. Er hat eine genaue Vorstellung, wie Nachwuchsförderung in Deutschland und speziell bei Bayer 04 aussehen sollte. Von Stefanie Sandmeier

"Der Verein spielt Champions League, also müssen wir auch auf Champions-League-Niveau ausbilden", sagt er. Die Durchlässigkeit der Nachwuchsspieler ist seit Jahren ein Thema. "Es ist im Grunde fatal. Leverkusen steht für junge Spieler. Sehr gut gescoutet, zu einem perfekten Zeitpunkt geholt, mit einer enormen Wertsteigerung – es waren aber zuletzt häufig nicht die eigenen, die durchkamen."

Die Qualität der Ausbildung zu verbessern und – damit einhergehend – mittelfristig wieder mehr Eigengewächse auf direktem Weg in den Profikader zu integrieren, hat sich der Klub auf seine Fahnen geschrieben. Jungheim soll das Projekt voranbringen. Die Nähe zu Bayer 04 ist seit Jahren gegeben. Jungheim war für die sportliche Leitung des Fußball-Verbandes Mittelrhein verantwortlich. Über die Auswahlteams kannte er viele Spieler. Er gilt als gut vernetzt – nicht zuletzt über die Trainerausbildung. So erwarben beispielsweise Frank Ditgens und Slawomir Czarniecki unter ihm seine Lizenz. Als Manager Jonas Boldt mit dem Vorhaben auf Jungheim zukam, die Nachwuchsarbeit zu optimieren, fand er eine offene Tür. "Ich wollte Strukturen ändern, den Leistungsbereich professioneller aufstellen", sagt Jungheim. Mit jedem Gespräch, reifte die Idee ein wenig mehr. "Mir war sehr wichtig, dass wir in eine Richtung gehen können, die es vielleicht so in Deutschland nicht gibt."

Mit Markus von Ahlen (45), Patrick Weiser (44) und Jan Hoepner (35) wurden drei Fußball-Lehrer mit langfristigen Verträgen ausgestattet. Sie sollen mit den U17-Trainern Markus Anfang und Tom Cichon, der sich schwerpunktmäßig um die Videoanalyse kümmert, die Leistungsbereiche U16 bis U19 verantworten. "In diesen Altersstufen machen die Jungen die entscheidenden Entwicklungsschritte – oder eben nicht", erklärt Jungheim, der deshalb fordert: "Wir müssen die Ausbildung verlängern. Für mich ist wichtig, dass wir den Nachwuchs über mehrere Altersklassen kontinuierlich fördern und fordern."

Heißt: Der Leistungsbereich wird jetzt vier Jahre begleitet. "Alle Trainer sitzen in einem Büro, alle haben den gleichen Kenntnisstand über die Spieler, damit sehen wir die Entwicklung besser. Wir bewerten schließlich auch Menschen."

Die Nähe wird durch den Umzug der U17 ins Stadion gewährleistet – der nicht nur als symbolischer Akt verstanden werden soll. Tatsächlich sollen Talente wie Kai Havertz und Atakan Akkaynak, denen man auf Sicht den Sprung zutraut, näher ranrücken, früh Profi-Luft schnuppern. Die Ernsthaftigkeit von Bayers Absichten wird auch bei Transfers wie dem von Sam Schreck deutlich – mit seinen 16 Jahren eines der größten deutschen Talente im offensiven Mittelfeld seines Jahrgangs und Teamkollege der U17-Nationalspieler Havertz und Akkaynak.

Die Bundesligafrauen ziehen im Gegenzug an den Kurtekotten. In der Arena entsteht in der Sommerpause im ehemaligen Gästebereich das gemeinsame Areal der U19 und U17 mit zwei Kabinen nebeneinander, einem Aufenthaltsraum und einem Behandlungsraum für die Physiotherapeuten. Der ehemalige Frauenbereich bietet Raum für Trainer und das weitere Funktionsteam. Außerdem entsteht ein Fitnessraum. Der Aufbaubereich wird im Grunde ähnlich strukturiert. In der D-/C-Jugend gibt es vier Trainer, die fest zugeordnet sind, mit einem nebenberuflichen Co-Trainer. Die Frauen bekommen am Kurtekotten die Doppelkabine der U17. Mit Ausnahme der Topduelle tragen sie ihre Spiele künftig auf Platz eins aus. Die Gästeteams sollen die Kabine der U14/U15 nutzen.

Zudem entstehen ein Schiedsrichterinnen-Raum und zwei Besprechungsräume. "Kurtekotten wird mitprofitieren", sagt Jungheim. Die Infrastruktur wird entlastet. "Sicher ist das dann kein durchgängiges NLZ mehr bis ganz oben, aber Kurtekotten hat einen Vorteil gegenüber einigen anderen NLZs: Es ist nicht steril. Unsere Stärke ist, dass wir an den Kindern und den Eltern nah dran sind." Im zunehmend rauer werdenden Geschäft, in dem sich mit den Träumen von Kindern und Jugendlichen viel Geld verdienen lässt, möchte man sich bei Bayer 04 treu bleiben.

Im Interview spricht Jungheim über Bayers Zugzwang im Wettstreit der Profiklubs um Talente, über Leverkusens Vorteil in diesem Konkurrenzkampf und über einen für ihn notwendigen Wertewandel im Verein, der auch vom Nachwuchs gelebt werden soll.

Quelle: RP
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