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Bayer Leverkusen
Zukunftsfragen auf Bayers rechter Seite

Porträt: Das ist Tin Jedvaj
Porträt: Das ist Tin Jedvaj FOTO: Bayer 04 Leverkusen
Leverkusen. Roberto Hilbert, Danny da Costa und Tin Jedvaj – drei Rechtsverteidiger, die in Leverkusen in der laufenden Saison nicht die Rolle spielen, die sie sich selbst wünschen. Das könnte im Winter zu Wechselgedanken führen. Von Stefanie Sandmeier

Der Bayer-Tross, der sich nach London zum Champions-League-Spiel gegen Tottenham Hotspur aufmachte, war stattlich. Neben der U19 der Werkself gehörten 20 Profis zur Reisegruppe aus Leverkusen, die - wenn nicht im Kader - zumindest als Bestandteil der Mannschaft auf der Tribüne einen großen Fußballabend erlebten.

Mit Roberto Hilbert saß allerdings ein gesunder Spieler zu Hause, dem an diesem Abend nur der Fernseher blieb. Der 32-Jährige fehlte in London ebenso wie zuvor in Wolfsburg. Überhaupt fristet der Rechtsverteidiger in dieser Saison bislang fast ausschließlich ein Zuschauer-Dasein. Dreimal erst, in den Pokalspielen gegen Hauenstein und Lotte sowie in der Liga gegen Mönchengladbach, gehörte er zum Kader. Auf dem Platz stand er nur in Lotte, wo er wie viele andere im Team allerdings keinen guten Tag erwischte.

Bayer - Darmstadt: Einzelkritik FOTO: dpa, mjh fpt

Der Rechtsverteidiger durchlebte unter Schmidt bisher in jeder Saison Höhen und Tiefen. In dessen erstem Trainer-Jahr galt Hilbert im Winter bereits als sicherer Wechselkandidat. Er kämpfte sich jedoch mit entsprechenden Leistungen nicht nur zurück aufs Feld, sondern auch zu einer Vertragsverlängerung. In der vergangenen Saison warf ihn enormes Verletzungspech sportlich weit zurück. Auch da bewies Hilbert Kämpferqualitäten, der längst noch nicht ans Aufhören denkt. "Ich bin nach wie vor überzeugt, dass ich mit meinen Qualitäten wichtig für die Mannschaft sein kann", sagt er.

Das wurde trotz seines schwachen Auftritts in Lotte deutlich – als es im Elfmeterschießen darum ging, Verantwortung zu übernehmen. Während sich andere wegduckten, trat Hilbert an. Und traf. Eine weitere Chance bekam der Rechtsverteidiger seitdem nicht mehr. Die aktuelle Spielzeit – so scheint es – ist die schwerste unter Schmidt für den Fußballer Roberto Hilbert, der trotz aller Unzufriedenheit über seine Situation seine Professionalität nicht verliert. "Wie er mit der Situation umgeht, ist vorbildlich", sagt Manager Jonas Boldt. "Er hängt sich im Training voll rein und lässt sich nie hängen. Davon können sich andere Profis eine Scheibe abschneiden." Und dennoch: Eine wirkliche Perspektive hat Hilbert im Moment nicht, der - wie er versichert - "weiter um seine Einsatzzeiten und eine neue Chance kämpft. Aber eines ist auch klar: Wenn sich an meiner Situation in den kommenden Wochen nichts ändert, werde ich mir sicher meine Gedanken machen müssen."

Das könnte bedeuten, dass Gespräche bereits im Winter geführt werden. Einem wie Hilbert, der sich stets in den Dienst der Mannschaft stellt, wird man wohl kaum Steine in den Weg legen. Zumal mit Danny da Costa oder Tin Jedvaj weitere Kandidaten für diese Position im Kader stehen. Auch Lars Bender ist eine Option. Was aber passiert, wenn auch da Costa oder Jedvaj ihre Zukunft in Leverkusen hinterfragen?

Die bemerkenswerte Entwicklung von Benjamin Henrichs, der in den vergangenen Monaten zur unverzichtbaren Größe im Team wurde, nimmt letztlich auch auf deren Perspektive Einfluss. Da Costa, das Eigengewächs, war nach seiner Rückkehr aus Ingolstadt als Konkurrent für die häufiger verletzten Hilbert und Jedvaj vorgesehen. Doch auf Bundesliga-Minuten brachte er es bislang ebenfalls nicht. Der 23-Jährige, der sich im Oktober 2014 einen Schienbeinbruch zuzog, musste sich Ende Juli einer Operation unterziehen. Dabei wurde ihm eine damals zur Stabilisierung eingesetzte Metallstange wieder entfernt. Inzwischen aber hat er den Rückstand aufgeholt - im Testspiel morgen gegen Viktoria Köln (16 Uhr, Ulrich-Haberland-Stadion) wird er wie Hilbert zum Einsatz kommen. In den Pflichtspielen indes wurde auch sein Sitzfleisch bisher strapaziert.

Dass Roger Schmidt beide entgegen aller Äußerungen ("Roberto spielt eine Rolle - genau wie Danny. Es sind teilweise sehr harte Entscheidungen, die ich treffen muss") nicht einsetzt, lässt den Schluss zu, dass er es ihnen derzeit offenkundig nicht zutraut, die Position adäquat zu besetzen.

Das galt zwischenzeitlich auch für Tin Jedvaj - den mit viel Talent, aber auch wechselhaften Launen ausgestatteten Kroaten, den Schmidt kürzlich sogar öffentlich dafür kritisierte, seinem Job nicht immer mit der notwendigen "Bereitschaft zur Entwicklung" nachzugehen. Die Reaktion im Spiel gegen Wolfsburg und sein Tor lassen auf einen gewissen Lerneffekt des 20-Jährigen hoffen, der sich allerdings viel lieber als Innenverteidiger sieht.

Dass er angesichts der Konkurrenz dort im Normalfall ebenso wenig erste Wahl ist, macht die Situation auch für ihn nicht schöner. Und könnte mittelfristig - weniger von Bayer 04 - als von Jedvaj selbst zum Thema gemacht werden.

Quelle: RP
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