| 16.30 Uhr

Bayer Leverkusen
Tah bewirbt sich bei Löw

Porträt : Jonathan Tah: Das deutsche Abwehrtalent
Porträt : Jonathan Tah: Das deutsche Abwehrtalent FOTO: Twitter Bayer Leverkusen
Leverkusen. Beim 0:0 gegen Bayern München bot der Leverkusener Abwehrspieler eine starke Partie. Nach der Verletzung von Jerome Boateng könnte der 19-Jährige, der in der vergangenen Saison noch in der 2. Liga bei Fortuna Düsseldorf gespielt hat, in den Fokus der Nationalmannschaft rücken. Von Martin Beils und Stefanie Sandmeier

Der Sprachartist Roger Schmidt drechselte ein neues Wort. Eine "große Rettermentalität" hatte der Trainer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen im torlosen Treffen mit Bayern München bei seinen Innenverteidigern beobachtet. "Unsere letzte Linie hat hervorragend agiert." Schmidt meinte Jonathan Tah und Ömer Toprak.

Selbst Guardiola lobt Abwehr-Duo

In der über weite Strecken von "extremster Taktik geprägten" (Leverkusens Sportchef Völler) und für das Publikum mäßig unterhaltsamen Begegnung waren neben der Aggressivität im Mittelfeld die Stabilität und die Umsicht in der hintersten Reihe Bayers Stärke. "Die Qualität von Tah und Toprak, das ist der Wahnsinn", meinte Münchens Trainer Pep Guardiola.

Bundestrainer Joachim Löw hatte seinen Assistenten Thomas Schneider zur Visite nach Leverkusen geschickt. Toprak kommt für eine Berufung ins deutsche Team nach seinen Einsätzen für die Türkei nicht in Betracht, wohl aber Tah. Der 19-jährige Abwehrspieler, der in dieser Saison keine Sekunde in einem Leverkusener Pflichtspiel versäumt hat, gilt als Kandidat für den EM-Kader. "Er hat heute seine Reifeprüfung bestanden", sagte Schmidt. Dass Tah über kurz oder lang in Deutschlands erster Auswahl aufläuft, ist für ihn ausgemachte Sache. Wenn nicht schon bei der Europameisterschaft, dann eben etwas später. "Er hat sich in dem halben Jahr hier unheimlich entwickelt", lobte Schmidt.

Jonathan Tah hat Champions-League-Erfahrung

An Innenverteidigern mit internationaler Erfahrung, wie sie Tah in der Champions League sammeln durfte, ist bei Löw immer Bedarf. Nach Per Mertesackers Abschied aus der Nationalmannschaft ist eine Planstelle im Aufgebot frei. Zudem ist fraglich, ob die verletzten Jerome Boateng (München) und Benedikt Höwedes (Schalke) rechtzeitig zum Turnier in Frankreich gesund werden und ihre Form erlangen.

Bleiben im derzeitigen Kader der Dortmunder Mats Hummels und Shkodran Mustafi als auf höchstem Niveau erprobte Innenverteidiger. Hinzu kommen Matthias Ginter (Dortmund) und Antonio Rüdiger (AS Rom) als Kandidaten für die Posten im Abwehrzentrum, vielleicht Robert Huth, WM-Teilnehmer von 2006 (siehe 4. Sportseite).

Wie ein erfahrener Top-Verteidiger

Körperlich bringt Tah beste Voraussetzungen mit. 1,92 Meter groß, trotzdem flink auf den Füßen, gutes Stellungsspiel, konsequent in den Zweikämpfen, meist Sieger in der Luft und mit einer für einen 19-Jährigen erstaunlichen Ruhe gesegnet. Bis auf einen Stockfehler kurz vor Schluss, als er über den Ball trat und Robert Lewandowski doch noch eine Chance ermöglichte, präsentierte sich der Innenverteidiger gegen die Bayern wie einer, der sich seit Jahren auf Topniveau bewegt.

Das ist bemerkenswert, weil er in der vergangenen Saison noch als Leihgabe des Hamburger SV in Düsseldorf spielte. Bayer-Manager Jonas Boldt beobachtete ihn viele Male bei Fortuna. Er war bald davon überzeugt, dass die etwas mehr als acht Millionen Euro Ablöse für Tah gut angelegt sind.

Auch Holger Badstuber meldet sich zurück

Wie Tah so empfahl sich auch der Münchner Holger Badstuber, der sich 2010 in Südafrika bewährte, danach aber unter vielen schweren Verletzungen litt. Die drei Rückrundenspiele hat er komplett bestritten. "Jeder Einsatz, jedes Spiel tut mir gut, das spüre ich", sagte er, "ich erhole mich gut, fühle mich immer besser und kann meine individuelle Arbeit weiter fortführen."

Auf der 31 Spieler umfassenden Kandidatenliste für die EM, die der DFB vor zwei Wochen veröffentlichte, steht weder Tah noch Badstuber. Doch diese Liste hat keinen bindenden Charakter. Das endgültige Aufgebot gibt Bundestrainer Joachim Löw am 31. Mai bekannt, zehn Tage vor dem Turnierstart.

Quelle: RP
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