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Bayer Leverkusen
Brandt liebäugelt mit der EM

Porträt: Das ist Julian Brandt
Porträt: Das ist Julian Brandt FOTO: afp, pst-jlu
Leverkusen. Der Leverkusener spielt in Topform. Die Olympia-Teilnahme gilt als sicher. Vielleicht fährt er aber nach Frankreich . Von Stefanie Sandmeier

Es ist noch nicht lange her, da sprach Julian Brandt in einem Interview über Chicharito und die Dinge, die er von Leverkusens Topstürmer lernen kann. "Er weiß, wie der Fußball funktioniert", sagte er. "Wie eiskalt und überlegt er seine Tore schießt, ist beeindruckend." Es klang nach riesengroßem Respekt. Der 19-Jährige schaute auf zum Mexikaner, der bereits 26 Pflichtspieltore erzielt hat. Er verband seine Worte mit der Hoffnung, dass es auch bei ihm bald wieder besser laufen würde. Die durchwachsene Hinserie der Werkself war auch für Brandt eine schwierige. Das einstige "Wunderkind" des deutschen Fußballs gab Rätsel auf. Brandt stand selten in der Startelf, manchmal nicht einmal im Kader. Und wenn er spielte, sah es nach Verunsicherung aus.

Ende April sieht die Welt anders aus: Mit sechs Siegen in Serie stürmte Leverkusen auf Rang drei. Dass die Mannschaft morgen den entscheidenden Schritt Richtung Champions League gehen kann, hat sie in hohem Maß Julian Brandt zu verdanken. "Das haben uns sicher nicht viele zugetraut", sagt der gebürtige Bremer, "aber wir haben uns rechtzeitig zusammengerauft."

Aus dem Mund des Offensivmanns klingt das sehr selbstbewusst. Brandt steht sinnbildlich für den Aufschwung in einer Saison, die bereits verkorkst schien. In fünf Spielen hat er vier Treffer vorbereitet und fünf auf spektakuläre Weise geschossen. "Der Knoten ist nicht nur bei mir geplatzt", sagt er.

Fußballerisch bringt er vieles mit, was im modernen Fußball gefragt ist: Er hat eine hohe Auffassungsgabe und ist schnell mit den Beinen, technisch versiert und hat die nötige Durchsetzungskraft auf dem Weg zum Tor. "Julian spielt stabil auf höchstem Niveau, was für einen so jungen Spieler sehr außergewöhnlich ist", sagt Roger Schmidt. "Er trifft gute Entscheidungen am Ball. Dazu hat er auf dem Platz auch ein gutes Gefühl für seine Mitspieler."

Sein Trainer traut ihm den nächsten Schritt zu. "Es gibt nicht ganz viele von seiner Qualität. Julian hat eine sehr gute Physis. Er arbeitet extrem für die Mannschaft - und er ist überhaupt nicht abgehoben, sondern demütig und bescheiden geblieben." Schon jetzt ist klar: Die Verpflichtung des Jugendspielers vom VfL Wolfsburg im Jahr 2014 war ein Glücksgriff, der Bayer 04 irgendwann viel Geld bescheren wird.

Brandt weiß um die Erwartungshaltung. Und er registriert, welche Chance sich womöglich gerade auftut. Im Sommer stehen zwei Großereignisse an. Für Olympia gilt er als gesetzt. Doch womöglich hätte Joachim Löw ihn als Überraschungs-Element sogar gerne in der A-Nationalmannschaft dabei. Brandt bleibt gelassen: "Ball flach halten", sagt er. "Ich plane nicht mit der EM, aber ich würde mich natürlich freuen."

Egal für welches Turnier: Brandt will sich in den letzten drei Spielen empfehlen. Morgen heißt der Gegner Hertha BSC. Dann wird er wieder mit Chicharito stürmen - über den er auch sagte: Von ihm lerne ich, dass man sein Ding machen soll."

Quelle: RP
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