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Bayer Leverkusen
Minimalistisch ins Achtelfinale

Bayer Leverkusen: Minimalistisch ins Achtelfinale
Kevin Volland erzielte für Bayer das zwischenzeitliche 1:0 in Moskau. FOTO: ap, AZ
Moskau. Mit dem siebten Einzug ins Achtelfinale der Champions League im Gepäck trat Bayer Leverkusen noch in der Nacht zu Mittwoch die Heimreise an. Der Erfolg soll dem Team Auftrieb geben, am Samstag geht es nach München. Die zweite Hälfte in Moskau warf aber erneut Fragen auf. Von Stefanie Sandmeier

Über den Wolken genoss Bayer Leverkusen auf dem nächtlichen Rückflug erleichtert und erlöst die Schwerelosigkeit des Erfolgs. "So ein Erfolgserlebnis tut uns gut", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler nach der Landung am frühen Mittwochmorgen in Köln-Bonn müde aber gut gelaunt über den vorzeitigen Achtelfinaleinzug in der Königsklasse. Ein mühsames 1:1 beim russischen Meister ZSKA Moskau reichte, weil Tottenham Hotspur beim AS Monaco verlor und damit als Gruppendritter nicht mehr an Bayer 04 vorbeiziehen kann.

Die Nachricht von der fürstlichen Schützenhilfe hatte den bereits im Flugzeug sitzenden Bayer-Tross unmittelbar vor dem Abflug aus Russland noch erreicht und Jubel unter den Spielern ausgelöst. "Es war nicht alles super glänzend in der Champions League", befand Völler selbstkritisch. "Zwischendurch war es auch etwas holprig", aber am Ende hätte es sich seine Mannschaft nach vier Unentschieden und dem wertvollen 1:0-Erfolg in Wembley "verdient weiterzukommen". Dass dies schon am vorletzten Spieltag passieren könnte, hatte er nach dem Start mit drei Remis nicht erwartet. "Ich habe immer gesagt, der Kampf wird bis zum letzten Spieltag dauern", sagte Völler. Deshalb hätte er vor vier Wochen "noch mit Blut unterschrieben", wenn dies eher möglich wäre.

"So ein Tor gibt mir Rückenwind, da bin ich ganz sicher"

In Völlers Worten schwang die Freude und Erleichterung über das Weiterkommen mit. Vollends zufrieden klang der 56-Jährige indes nicht. Dazu bot Leverkusens Leistung in Moskau auch nur bedingt Anlass. Der Auftritt bei eisiger Kälte hatte nicht viel Erwärmendes und war ein Spiegelbild der vergangenen Wochen. Die Werkself gab nach gutem Beginn das Spiel wie so oft noch aus der Hand. Torhüter Bernd Leno verhinderte nach einem Fehler von Ömer Toprak zunächst den frühen Rückstand. Anschließend waren es dann die Leverkusener, die dank Kevin Vollands erstem Champions-League-Tor in Führung gingen (16.). Nach Vorlage von Kevin Kampl behielt der ehemalige Hoffenheimer gegen Igor Akinfeev die Nerven und erzielte das 1:0.

"Das erste Tor in jedem Wettbewerb ist ein ganz besonderes", konstatierte der Offensivmann, der in Leverkusen bisher noch nicht die erhofften Leistungen abrufen konnte. Umso mehr hofft Volland darauf, dass der Knoten aufgegangen ist. "So ein Tor gibt mir Rückenwind, da bin ich ganz sicher." In der Folge schien seine Mannschaft die Partie im Griff zu haben. Bayer hatte deutlich mehr Spielanteile, wurde nach der Pause aber zunehmend passiver. Die logische Konsequenz war der Ausgleich durch einen Foulelfmeter durch Bebars Natcho (77.), dem sogar weitere Gegentore hätten folgen können.

Ein Phänomen, das sich inzwischen wie ein roter Faden durch die Hinrunde der Leverkusener zieht. Nicht nur, dass sie zum fünften Mal schon in dieser Spielzeit eine Führung nicht siegreich ins Ziel brachten, sie fingen sich auch in diesem Spiel nach überlegenem Beginn in der Schlussphase ein Tor. Es war das bereits neunte Gegentor nach der 65. Minute. Leno hielt sein Team im Spiel. Er konterte damit die Kritik von Trainer Roger Schmidt nach der 2:3-Niederlage gegen RB Leipzig, bei der er einen Treffer mitverschuldet hatte. "Das hat ihn angestachelt", vermutete Völler, "er war hellwach und hat sehr stark gehalten."

Jetzt gilt es, in der Bundesliga in die Spur zu kommen

Nachdem die Königsklasse vorerst abgehakt und das Gruppenfinale am 7. Dezember gegen AS Monaco ohne Bedeutung ist, gilt es nun, in der Bundesliga in die Spur zu kommen. Ob dies dem Liga-Neunten aber gerade im Topspiel am Samstag beim von der Tabellenspitze gestürzten FC Bayern gelingt? "In München wird es schwierig. Wir werden uns aber mit Haut und Haaren wehren", kündigte Völler an. Bis Weihnachten wolle man den Abstand nach vorn verkürzen. Vom Spitzenreiter RB Leipzig liegt Bayer elf Punkte entfernt, von München acht und von Dortmund fünf. "Da wird es richtig krachen", sagte Kampl vor dem Gastspiel an der Isar.

Deshalb kam der Champions-League-Zwischenerfolg zur rechten Zeit. "Das nimmt den Druck und hilft uns, weil wir ein ultraschweres Spiel vor der Brust haben", sagte Bayer-Boss Michael Schade. "Ich glaube, dass die Bayern richtig motiviert sind." Trotz erneuter Sperre nach dem Hoffenheim-Spiel und der bisher "verkorksten" Bundesliga-Hinrunde lässt die Bayer-Führungsriege keinen Zweifel am Vertrauen zu Trainer Roger Schmidt aufkommen. "Ich habe immer gesagt, dass ich zu diesem Trainer stehe, weil ich von ihm überzeugt war und bin", betonte Schade. "Mit ihm können wir noch das eine oder andere erreichen." Damit äußerte er sich ähnlich wie Völler, der ein Ende der Zusammenarbeit noch lange nicht sieht.

Mit Agenturmaterial von der DPA

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