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Bayer Leverkusen
Schmidts Entschuldigung zweiter Klasse

Diese Trainer wurden bestraft
Diese Trainer wurden bestraft FOTO: dpa, mjh fpt
Leverkusen. Leverkusens Trainer Roger Schmidt empfindet die Sperre von drei Bundesligaspielen als drastisch. Von Martin Beils

Ob er sich bei der Mannschaft entschuldigt hatte, wusste Roger Schmidt nicht mehr. "Habe ich mich entschuldigt?", fragte der Fußballtrainer von Bayer Leverkusen deshalb den neben ihm sitzenden Jonathan Tah. So ganz konnten (oder wollten) der Coach und der Abwehrspieler nicht klären, wie das beim Training am Montag gewesen war. Schmidt hatte mit der Mannschaft über die Vorfälle im Spiel am Sonntagnachmittag gegen Borussia Dortmund gesprochen. Vor allem über die Szene, als er Schiedsrichter Felix Zwayer zu sich bestellen wollte, um sich erklären zu lassen, warum der ihn auf die Tribüne hatte schicken lassen, hatten sie geredet. Da Schmidt nicht gehorcht hatte, unterbrach Zwayer die Begegnung für neun Minuten.

 

Der Deutsche Fußball-Bund sprach am Mittwoch die Strafe für dieses beispiellose Verhalten aus: drei Spiele Innenraumverbot für Schmidt, zwei weitere Spiele Sperre auf Bewährung bis Mitte 2017 und 20.000 Euro Geldstrafe. "Ich empfinde die Strafe als hart und nahe an der höchstmöglichen", sagte Schmidt. Der Mannschaft habe er erklärt, er bedauere, "dass es so gekommen ist. Das schadet unserer Gemeinschaft insgesamt. Den Schuh muss ich mir anziehen." Nach tiefer Reue klingt das nicht.

Und ein Gespräch mit Schiedsrichter Zwayer hält er nicht für notwendig. "Er hat mir am Sonntag unmissverständlich klar gemacht, dass er keinen Kontakt zu mir will", ätzte Schmidt. Zwayer hatte Kapitän Stefan Kießling als Boten an den Spielfeldrand beordert, um Schmidt auf die Tribüne schicken zu lassen. Besonders geschickt oder angemessen deeskalierend war das Vorgehen des Referees sicher nicht, wohl aber regelgerecht.

In den kommenden drei Begegnungen innerhalb von sechs Tagen – am Sonntag bei Mainz 05, danach gegen Werder Bremen und beim FC Augsburg – müssen die Leverkusener in der unmittelbaren Vorbereitung und während des Spiels ohne ihren Cheftrainer auskommen. Ohne seine spezielle Einstimmung auf die Partie, ohne seine taktischen Anweisungen und den Regeln nach ohne seinen Einfluss auf Ein- und Auswechslungen. Schmidts Fehlverhalten hat damit direkte Auswirkungen auf den Wettbewerb in der Bundesliga. Und der, so steht zu vermuten, wird bis zum letzten Spieltag unter den Anwärtern für die Champions-League-Ränge hinter Bayern München und Borussia Dortmund sehr eng bleiben.

Für Schmidt, dessen Vertrag bis 2019 läuft, und seine Mannschaft geht es in der Meisterschaft noch darum, ob die Spielzeit 2016/17 doch noch positiv zu bewerten ist. Im DFB-Pokal ist die Mannschaft im Viertelfinale kläglich am Abstiegskandidaten Werder Bremen gescheitert. In der Champions League blieb das nominell deutlich besser besetzte Leverkusener Team an der C-Elf des FC Barcelona hängen.

In der Europa League spielt Bayer unter Schmidt Leitung am Donnerstagabend gegen Sporting Lissabon (Hinspiel: 1:0 für Bayer, 19 Uhr/Live-Ticker). Die Vorgaben formulierte Jonathan Tah mit ein paar Floskeln: "Spielen wie im Hinspiel", "100 Prozent Gas geben", "Ist ein sehr starker Gegner". Die Partie steht eindeutig im Schatten der Causa Schmidt.

Rudi Völler hat der Sonntag auch etwas ärmer gemacht. Seine Tirade gegen Schiedsrichter Zwayer kostet den Sportdirektor 10.000 Euro.

Quelle: RP
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