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Bayer Leverkusen
Bayers stiller "Krieger" meldet sich zum Dienst

Porträt: Charles Aranguiz: Bayer 04 Leverkusens neuer Vidal
Porträt: Charles Aranguiz: Bayer 04 Leverkusens neuer Vidal FOTO: ap
Leverkusen. Charles Aránguiz war Bayers Top-Transfer. Ein Achillessehnenriss zwang ihn zu einer monatelangen Pause. Der 26-Jährige feierte gegen Wolfsburg sein Debüt, Roger Schmidt traut ihm gegen Frankfurt einen Startelfeinsatz zu. Von Stefanie Sandmeier

Sportlich war die Partie gegen Wolfsburg beim 3:0 längst entschieden, als sich nicht wenige Anhänger der Werkself von ihren Sitzen erhoben. Auf der Auswechseltafel leuchtete in der 89. Spielminute die Nummer 20 auf. Das Zeichen für Charles Aránguiz, der in diesem Moment erstmals Bundesliga-Rasen betrat. Leverkusens Top-Transfer des Sommers, von dem sich Verein und Trainer auf dem Weg zu großen Zielen so viel versprechen, feierte Premiere im Bayer-Trikot: am 28. Spieltag!

Lange hatte der chilenische Nationalspieler auf diesen Moment warten müssen, dessen persönliche Leidensgeschichte sich nahtlos einreiht in die Serie von Beispielen für eine Leverkusener Saison mit Höhen, Tiefen und überraschenden Wendungen. Lange hatte sich der Werksklub - in vorderster Front Jonas Boldt - um den 26-Jährigen bemüht. Bayers Manager pflegt bekanntermaßen gute Kontakte nach Südamerika. Er holte nicht nur Arturo Vidal nach Leverkusen und bewies bei Chicharito ein gutes Gespür - er brachte nach intensiven Verhandlungen schließlich auch den Transfer mit Aránguiz zum Abschluss. Obwohl mit Leicester City, dem möglichen nächsten englischen Meister, ein finanzkräftiger Konkurrent mit im Rennen war. Aránguiz aber, der Chile 2015 als einer der Leistungsträger neben Vidal zum Sieg der Copa America verhalf, entschied sich für das Paket Bayer 04 und die Champions League. Auf der europäischen Bühne war der 26-Jährige aber aufgrund eines Achillessehnenrisses bisher nicht zu sehen. "Das war ein harter Schlag in meiner Karriere", erklärte Aránguiz in einem Interview, der monatelange Reha hinter sich hat.

Seit gut vier Wochen ist er wieder im Mannschaftstraining - und offenkundig auf einem guten Weg. Zum Kurzeinsatz gegen Wolfsburg kamen 17 Minuten in Köln. Ein wirkliches Bild konnte man sich damit zwar noch nicht vom 1,72-Meter-Mann machen. Dass ihn Roger Schmidt dennoch stets hinzuzählte, wenn es darum ging, auf das Fehlen von Leistungsträgern hinzuweisen, ist zumindest ein Fingerzeig auf sein Potenzial.

Jonas Boldt lobte ihn im Zuge der Verpflichtung als "extremen Mannschaftsspieler" mit enormer Vielseitigkeit. Privat ein eher stiller Vertreter, bringt er auf dem Platz umso mehr Aggressivität und strategische Fähigkeiten im Aufbauspiel mit. Manch einer fühlt sich ein kleinwenig an den "Krieger" Vidal erinnert, vielleicht mit weniger Torgefahr, aber belastbar, laufstark und kämpferisch. Aránguiz stellte sich mit den Worten vor: "Ich kann auch ein Krieger sein." Gegen Köln stimmte zwar noch nicht immer das Timing. "Was aber bereits auffällt, ist die Klarheit in seinen Aktionen", findet Roger Schmidt. "Man braucht in einer Mannschaft Spieler, die wenig Fehler machen, die immer anspielbar sind und trotzdem Lösungen nach vorne suchen. Man sieht schon jetzt, dass uns Charles in den Bereichen besser macht."

Der Trainer sieht in ihm einen Sechser, der in Bestform den teaminternen Konkurrenzkampf im Zentrum mit Lars Bender und Christoph Kramer auf eine neue Stufe anheben könnte. Es ist davon auszugehen, dass Aránguiz auch am Samstag im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt Einsatzzeit bekommt. Ob er erstmals in der Startelf steht, ließ Schmidt offen. Aber er traut es ihm nach dem Derby zu. "Charles konnte die Dynamik des Spiels gut mitgehen. Das ist ein gutes Zeichen. Auf mich wirkte er schon bereit", sagte der 49-Jährige. "Wir sollten aber die Trainingswoche abwarten und dann sehen, zu was es reicht. Ein Spiel ist etwas anderes als Training."

Quelle: RP
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