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Bayer Leverkusen
Brandt hat seine Unbekümmertheit zurück

Bayer Leverkusen: Brandt hat seine Unbekümmertheit zurück
So schön kann Toreschießen sein: Vladlen Yurchenko (links) nach seinem ersten Bundesligatreffer mit Julian Brandt. FOTO: ap
Leverkusen. Der 19-jährige offensive Mittelfeldspieler von Bayer 04 hat sein Tief überwunden. Sein Führungstreffer gegen Wolfsburg war der Türöffner auf dem Weg zum 3:0-Erfolg. Brandt profitiert derzeit von der leicht modifizierten Spielweise. Von Stefanie Sandmeier

Julian Brandt zuckt ein wenig mit den Schultern. Er lächelt. Ob was passiert ist? "Nein, es ist nichts besonderes passiert", entgegnet er. Es war der Versuch, eine Erklärung für die plötzliche Leistungsexplosion des 19-Jährigen zu bekommen, der seine Talsohle offenbar durchschritten hat.

Es ist noch gar nicht so lange her, da verließ Brandt mit mehr und weniger tiefhängenden Schultern den Rasen. Das Leistungstief des Offensivmannes warf Fragen auf, der in dieser Saison Probleme hat, seine Qualitäten erfolgbringend einzusetzen. Und es sorgte nicht zuletzt für Frust, der inzwischen aber wie weggeblasen scheint.

Einzelkritik: Note 1 für Brandt und Chicharito FOTO: ap

Nach dem 3:0-Erfolg über den VfL Wolfsburg näherte sich ein gut gelaunter Julian Brandt der Mannschaftskabine. Sein unwahrscheinlich großes Talent, seine Schnelligkeit, seine gute Ball- und Schusstechnik wie auch sein handlungsschnelles Denken konnte er ja auch kaum verlernt haben. Er konnte es bloß nicht zeigen.

Wie einfach Fußball plötzlich wieder sein kann, wenn Unbekümmertheit und Selbstbewusstsein zurückkehren, hat Brandt in den Duellen mit Wolfsburg und zuvor in Stuttgart demonstriert. "Versteht das nicht falsch", bat er mit einem Augenzwinkern. "Aber irgendwann muss man auch einfach mal auf alles schei..."

Fotos: Leverkusen - Wolfsburg FOTO: ap

Das 3:0 war der dritte Bundesliga-Sieg in Serie - eine Premiere für Bayer 04 in dieser Saison. Mit dem ernsten Blick auf die Dinge, bestätigte Brandt, dass der positive Trend seiner Mannschaft wie auch sein persönlicher Aufschwung durchaus in Zusammenhang stehen.

Der 19-Jährige sprach von einer "Entwicklung". "Das Wichtigste ist, dass wir zu Null spielen. Hamburg war in Ordnung, Stuttgart war gut, gegen Wolfsburg war es nochmal einen Tick besser."

Fotos: Yurchenko bejubelt erstes Bundesliga-Tor FOTO: dpa, gki soe

Brandt - und in letzter Konsequenz dem Team - kommen die etwas modifizierte Spielweise sehr entgegen. "Wir haben eine Abwechslung im Spiel, wir verteidigen immer noch hoch, aber nach der Führung haben wir uns ein bisschen fallen lassen, ein paar Meter tiefer gestanden und haben so die Kraft gespart, die man dann nach vorne einsetzen kann."

Die bessere Chancenverwertung ist eine Folge. Die Entstehung von Brandts Führungstreffer - ein Paradebeispiel, den er sich im Doppelpass mit Hakan Calhanoglu selbst vorbereitet. Es war der Türöffner auf dem Weg zum Erfolg. "Mir gelingt gerade sehr viel. Natürlich hat das mit Vertrauen und Selbstvertrauen zu tun", erklärte er. "Wichtig war, dass wir mit dieser Führung das Spiel an uns gerissen haben."

Sein Trainer Roger Schmidt teilte die Freude mit seinem Offensivmann. "Julian hatte einen kleinen Hänger, hat sich da aber herausgearbeitet. Er hat das Gespür und das Selbstvertrauen wieder, mit Talent ist er ja sowieso gesegnet", sagte er.

Schmidt war aber nicht nur verzückt von Brandts Auftritt, sondern vom großen Ganzen und den Begleiterscheinungen. Von der emotionalen Rückkehr Lars Benders zum Beispiel - und dem Debüt von Charles Aránguiz, der kurz vor Schluss eingewechselt wurde und nach seinem Achillessehnenriss sein erstes Pflichtspiel für Leverkusen machte (Schmidt: "Es war schön, ihn auf dem Platz zu sehen").

Dazu kamen die effizienten 35 Minuten von Chicharito, der nicht nur bei seinem 15. Bundesligator spielte wie einer, dem der Jetlag nichts auszumachen scheint. Und die 26 Minuten von Vladlen Yurchenko, der sein erstes Bundesligator erzielte und sich erneut für eine Vertragsverlängerung bewarb. Das lässt die Werkself die kommenden Aufgaben optimistischer angehen.

Als nächstes gilt es, die Leistung gegen den 1. FC Köln im Derby zu bestätigen. "Wir können mit breiter Brust nach Köln fahren. Wir haben noch eine Rechnung offen", will Lars Bender Revanche für die 1:2-Pleite in der Hinrunde. Auch Julian Brandt freut sich auf das Duell. In der vergangenen Spielzeit traf der 19-Jährige beim 1:1. Ganz nebenbei zählte dieses Spiel zu einer Serie von drei Partien, in denen Brandt jedesmal ein Tor erzielte. Das könnte ihm am Sonntag erneut gelingen. Das letzte Frühjahr hatte aber noch etwas Gutes. Mit einer Serie von zehn Bundesliga-Spielen ohne Niederlage brachten die Leverkusener letztlich die Champions-League-Qualifikation auf den Weg. Sport Seite

Quelle: RP
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