| 11.53 Uhr

Bayer 04 Leverkusen
Die Hoffnung stirbt bei Bayer zuletzt

Toprak sieht in Rom Rot und verschuldet Elfmeter
Toprak sieht in Rom Rot und verschuldet Elfmeter FOTO: afp, mlm
Rom. Durch ein 2:3 (0:2) beim AS Rom sind die Chancen von Bayer Leverkusen auf das Achtelfinale in der Champions League auf ein Minimum gesunken.

Rudi Völler stand in den Katakomben des Olympiastadions und klammerte sich nach einer neuerlichen Achterbahnfahrt relativ gefasst an den letzten Strohhalm, sein Trainer Roger Schmidt versuchte seine Harakiri-Taktik zu rechtfertigen. Mit hanebüchenen Personal- und Taktik-Entscheidungen hatte der 48-Jährige Bayer Leverkusen beim vorentscheidenden Gruppenspiel in der Champions League beim AS Rom ins Verderben geschickt. Er verschuldete somit maßgeblich die 2:3 (0:2)-Pleite beim italienischen Vizemeister, durch die das Achtelfinale in weite Ferne gerückt ist.

Davon wollten aber weder Schmidt noch Völler etwas wissen. "Der Trainer hat auf alle Eventualitäten hingewiesen und vor den Stärken der Römer gewarnt", sagte Sportchef Völler und verteidigte seinen Coach. Und Schmidt selbst antwortete auf die Frage, ob er möglicherweise selbst mit seinen Vorgaben zu einer unterirdischen Vorstellung seiner Elf in der ersten Halbzeit beigetragen habe, mit einem deutlichen "Nein".

Dabei verschloss Schmidt aber die Augen vor den Tatsachen. Denn angesichts der komfortablen Ausgangslage in der Gruppe E verordnete er seiner Mannschaft eine viel zu offensive Ausrichtung, wodurch Bayer ins offene Messer lief. Nachdem sowohl Völler als auch Schmidt vor dem Match einen Punkt als das primäre Ziel in der Ewigen Stadt ausgerufen hatten, stürmte Bayer vom Start weg mit den drei Angreifern Stefan Kießling, Javier Hernandenz und Admir Mehmedi ohne Rücksicht auf Verluste und vernachlässigte die Defensive.

Gegen Leverkusens Offensivkräfte, die sich selbst im Weg standen, hatte die Abwehr der Roma leichtes Spiel und nutzte ihrerseits die Einladungen zu Kontern, bei denen die Bayer-Viererkette nach Belieben ausgehebelt wurde. Vor allem Kyriakos Papadopoulos stand bei den frühen Gegentreffern von Mohamed Salah (2.) und dem früheren Wolfsburger Edin Dzeko (29.) neben den Schuhen.

Zur Pause korrigierte Schmidt zumindest einen Teil seiner Fehler, wobei vor allem die Einwechslung von Karim Bellarabi einen positiven Effekt hatte. Innerhalb von sieben Minuten glichen die Gäste durch Mehmedi (45.) und Hernandez (51.) aus. Doch Kapitän Ömer Toprak wurde noch zur tragischen Figur, als er in der 79. Minute wegen einer Notbremse im eigenen Strafraum Rot sah, ehe Daniele De Rossi den fälligen Elfmeter in einem ähnlich spektakulären Match wie zwei Wochen zuvor (4:4) zum K.o.-Schlag nutzte.

"Wenn ich richtig gerechnet habe, können wir immer noch aus eigener Kraft das Achtelfinale erreichen, wenn wir unsere letzten beiden Spiele gewinnen", sagte Schmidt anschließend trotzig, und auch Völler glaubt noch an ein Wunder: "Wir müssen bei BATE Borissow gewinnen, dann haben wir gegen den FC Barcelona zu Hause ein echtes Finale."

Auch Bellarabi verbreitete drei Tage vor dem rheinischen Liga-Derby gegen den 1. FC Köln Zuversicht. "Wir haben die zweite Hälfe gezeigt, was wir können. Wir müssen unsere Qualitäten auf den Platz bringen, dann haben wir noch eine Chance."

Dann darf sich Bayer aber weder in drei Wochen in Weißrussland ohne die gesperrten Toprak und Papadopoulos noch am 9. Dezember gegen den Top-Favoriten Barca so haarsträubende Fehler wie in Rom leisten. "Die erste Halbzeit war wirklich schlecht, da müssen wir froh sein, dass Rom uns am Leben gelassen hat", gab Torwart Bernd Leno immerhin zu. Auch Kevin Kampl war selbstkritisch: "So eine erste Hälfte dürfen wir uns nicht noch einmal erlauben." Aber auch er machte deutlich: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

(can/sid)
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