| 21.09 Uhr
Reinartz: Leverkusen fehlt ein klares Image
"Eingekeilt zwischen Köln, Gladbach und Düsseldorf"
Leverkusen. Den 24-Jährigen stört der Mangel an Wertschätzung von Bayer 04 in der Öffentlichkeit. Er plädiert dafür, sich ein "Gallier-Image" zuzulegen. Von Stefan Klüttermann Aus Zell Am See

Bayer 04 und der Mangel an Wertschätzung in der Öffentlichkeit – was mancher als Einzelmeinung im ein oder anderen Interview abgetan haben mag, ist einigen Protagonisten der Werkself ein nachhaltiger Dorn im Auge. Einer von ihnen ist Stefan Reinartz. Der Nationalspieler ist jemand, der nicht aufhört, über den eigenen Beruf nachzudenken, wenn er nach getaner Arbeit den Wagen in der Tiefgarage der BayArena besteigt. "Unser Verein ist nicht gut darin, sich selbst zu feiern", hat Reinartz festgestellt. Das, so sagt er, störe ihn. Und hier, im Trainingslager in Zell am See, hat ein Spieler abseits der Einheiten ausreichend Zeit, Gedanken, die einen stören, nachzuhängen.

"Es ist immer ein bisschen doof, sich auf die eigene Schulter zu klopfen, aber wenn es gut läuft, darf man sich als Verein auch ruhig selbst loben, finde ich. Denn darauf zu warten, dass es jemand anders macht, zieht in unserem Fall ja anscheinend nicht", sagt Reinartz. Er – genauso wie Kapitän Simon Rolfes – bemängelt vehement, dass im Prinzip kaum jemand Notiz davon genommen hat, dass Bayer 04 in der vergangenen Spielzeit a) als Dritter richtig erfolgreich war und b) zudem richtig attraktiven Fußball gespielt hat. "Weiß eigentlich einer, dass wir zehn Punkte vor Schalke lagen, oder wissen alle nur, dass wir 26 hinter den Bayern waren?", fragt Reinartz rhetorisch. Kaum jemand dürfte des weiteren wohl parat haben, dass der BVB am Ende nur einen Zähler vor Leverkusen lag.

Für die Öffentlichkeit wenig greifbar

Doch wo soll und kann man anpacken, um solch einen Mangel an Resonanz und Wertschätzung zu beheben? Die Lösung könne letztlich vielleicht in einer Initiative liegen, die aus dem Verein selbst heraus kommt, sagt Reinartz. "Ich weiß nämlich gar nicht so genau, wie der Verein gesehen werden will", sagt der 24-Jährige. Während Dortmund sich im Kampf mit den Bayern als das Gute im Kampf gegen das Böse stilisiert und mit Begriffen wie Leidenschaft operiert, während Schalke die Heimatverbundenheit herausstellt und sich in diesem Sommer das Image verleiht, auf junge Spieler zu setzen, während Bremen lange Jahre dafür stand, mit geringen Mitteln attraktiven Fußball und den Bayern Paroli bieten zu können, ist das Image der Leverkusener offenbar für die Öffentlichkeit wenig greifbar.

Den Begriff der "Werkself" für sich zu gewinnen und erfolgreich damit zu spielen, war so ein Ansatz. Doch es gibt noch mehr. "Meiner Meinung nach würde uns eine Art Gallier-Image gut stehen. Wir sind eingekeilt zwischen Köln, Gladbach, Düsseldorf, Schalke und Dortmund, haben dadurch ein kleines und brutal umkämpftes Einzugsgebiet – und trotzdem haben wir in Leverkusen eine gute Jugendarbeit, trotzdem stehen wir regelmäßig unter den ersten Fünf. Es müsste mehr in Richtung ,Wir gegen den Rest der Welt' gehen. Dann darfst du auch ruhig mal gegen Wolfsburg oder Schalke schießen und fragen, wo die denn mit größeren finanziellen Mitteln geblieben sind", sagt Reinartz.

Ballack, Vidal, Schürrle

Ist nicht Leverkusen der Verein, der jungen Spielern eine Plattform zur Entwicklung bietet, von der aus sie sich für die ganz großen Clubs empfehlen können? Michael Ballack, Arturo Vidal oder aktuell Dani Carvajal und Andre Schürrle würden dies wohl bestätigen. Jede Imagekampagne, jedes Eigenlob steht und fällt dabei natürlich mit dem Erfolg. Das ist auch Reinartz klar. "Aber da haben wir ja mit den Plätzen vier, zwei, fünf und drei in den vergangen vier Jahren durchaus etwas vorzuweisen", sagt er. Genug aus seiner Sicht in jedem Fall für mehr eigene Schulterklopfer.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar