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Bayer Leverkusen
Fußball-Weihnachten im Hause Aranguiz

Bayer Leverkusen: Fußball-Weihnachten im Hause Aranguiz
Vorfreude auf besinnliche Tage: Charles Aránguiz feiert Weihnachten mit seiner Familie in Chile. FOTO: Matzerath
Leverkusen. Charles Aranguiz Engagement bei Bayer 04 begann mit einem Riss der Achillessehne. Doch die schwere Verletzung hat der 26-Jährige längst abgehakt und freut sich aufs neue Jahr. Das Weihnachtsfest verbringt er bei seiner Familie in Chile. Von Simon Janssen

Der Wunschzettel von Charles Aranguiz ist übersichtlich in diesem Jahr. Der 26-Jährige möchte lediglich einen Moment innehalten, das vergangene Jahr Revue passieren lassen und seine Liebsten bei sich haben. Um sich seinen Wunsch zu erfüllen, weilt Aranguiz daheim in Chile bei seiner Mutter Mariana, wo er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und den beiden Kindern Maithe (6) und Renato (2) Weihnachten feiert.

Fotos: Bayer-Profis grüßen verletzten Aranguiz FOTO: afp, agz

Am Heiligabend wird es zugehen wie immer - seit seiner Kindheit sind die Rituale dieselben. "Es ist jedes Jahr das gleiche, wir feiern sehr traditionell", sagt der Mittelfeldspieler. Und so wird seine Mutter auch in diesem Jahr verschiedene Süßigkeiten auf dem Tisch verteilen - auch eine Schüssel mit Linsen und Reis darf traditionsgemäß nicht fehlen.

Ein turbulentes Jahr liegt hinter Aranguiz, den sie in seiner Heimat nur den "Prinzen" nennen, weil er schon als Jugendlicher in seiner Heimatstadt Calama, wo er für den SC Cobreloa kickte, besonders viele weibliche Fans hatte - nicht wegen Prince Charles, auch wenn die Vermutung aufgrund seines Vornamens naheliegt. In den vergangenen Monaten folgte auf den Höhepunkt seiner Karriere der Tiefpunkt: Im Sommer gewann er zunächst mit der chilenischen Nationalmannschaft im eigenen Land die Copa America, absolvierte alle Spiele von Beginn an und erzielte im Turnier zwei Tore und gab eine Vorlage. Im Finale gegen Argentinien, das Chile mit 4:1 nach Elfmeterschießen gewann, verwandelte der Mittelfeldspieler den dritten Strafstoß. Aranguiz, damals noch in Reihen des brasilianischen Erstligisten Internacional Porto Alegre, spielte während des Turniers so stark, dass Bayer 04 sich um ihn bemühte und es trotz namhafter Konkurrenz schaffte, ihn im Sommer an den Rhein zu holen. Doch noch bevor Aranguiz seinen ersten Einsatz im Dress der Werkself feiern konnte, verletzte er sich schwer - während einer Trainingseinheit riss die linke Achillessehne. Die Hinrunde war gelaufen. "Ein sehr unangenehmes Gefühl", fasst er den Schock-Moment nüchtern zusammen.

Porträt: Charles Aranguiz: Bayer 04 Leverkusens neuer Vidal FOTO: ap

Einen festen Zeitpunkt, wann er zum ersten Mal die Fäden in Bayers Mittelfeld ziehen wird, gibt es nach derzeitigem Stand noch nicht. Doch damit dies möglichst schnell geschieht, arbeitet er hart. An sechs Tagen pro Woche stehen je sechs Stunden Reha auf dem Programm. Doch der Frust über die Verletzung ist längst verflogen. Was bleibt ist die Vorfreude, seinem neuen Team bald endlich weiterhelfen zu können. Noch gut erinnert er sich an das Gefühl während des 1:1-Unentschiedens gegen den FC Barcelona, in dem der Werkself nur ein Tor fehlte, um das Achtelfinale zu erreichen. "Ich wäre am liebsten aufs Spielfeld gesprungen und hätte mitgespielt", sagt er.

Auch in der schweren Zeit nach der Verletzung hat sich Aranguiz nie allein gefühlt. Lebte er zu Beginn noch im Hotel, hat er nun ein eigenes Haus - und auch seine Familie, die zunächst in Chile geblieben war, hat er seit einigen Wochen bei sich. Zwar verstehe er sich mit seinen neuen Teamkollegen sehr gut, privat habe er jedoch noch nichts mit ihnen unternehmen können. Dafür seien die Tagesabläufe aufgrund seiner Reha schlichtweg zu unterschiedlich. Die Kommunikation sollte hingegen kein Hindernis bilden - der Deutschunterricht läuft nach Plan. Nicht nur "danke" und "bitte" sind bereits fest im Jargon verankert, auch wenn es abseits der BayArena für ihn schwierig ist an seinen Sprachkenntnissen zu feilen. "Zuhause spreche ich mit meiner Familie nur Spanisch und gucke Chilenisches oder spanisches Fernsehen", sagt Chiles Fußballer des Jahres 2012.

Auch wenn er daheim bei seiner Mutter ist, wird über das runde Leder gesprochen. Schließlich ist sie Fußballtrainerin und hat ihrem Sohn als Steppke sozusagen in die Stollenschuhe geholfen. Taktiktipps und kritische Anmerkungen muss der "Prinz" während des Weihnachtsessens aber nicht befürchten. "Sie kritisiert sehr wenig, sondern versucht mich immer zu unterstützen und mich hochzuziehen, wenn ich am Boden bin - typisch Mutter eben", sagt Aranguiz, der nach eigenen Angaben nicht viel braucht, um glücklich zu sein - das erklärt wohl auch seinen überschaubaren Wunschzettel.

Quelle: RP
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