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Bayer Leverkusen
Havertz' Spagat zwischen Schule und Champions League

Leverkusen. Beim Stand von 0:1 in Wolfsburg war der 17-Jährige erste Option, als es für Bayer 04 darum ging, das Spiel zu drehen. Das Talent überraschte mit seiner Präsenz - und könnte in Tottenham weitere Einsatzminuten bekommen. Von Stefanie Sandmeier

Samstags um 11 Uhr, wie zuletzt gegen Borussia Dortmund, oder sonntagvormittags - das sind die Termine, die Kai Havertz bislang als Anstoßzeiten kannte. Die Bundesliga-Duelle von Bayers U19 finden überwiegend morgens statt. Vor kleiner Kulisse. Kein Vergleich zu dem, was sich in den Stadien der Profiklubs abspielt.

Irgendwann einmal Teil des großen Bundesligazirkus zu sein, es zum Profi zu schaffen - das hatte sich auch Kai Havertz zum Ziel gesetzt. Und so wechselte er von Alemannia Mariendorf über Alemannia Aachen auch deshalb 2010 ins Nachwuchs-Leistungs-Zentrum von Bayer 04. Wie schnell es das Talent aber in den Profikader schaffte, überrascht dann doch. In Bremen feierte er unlängst mit 17 Jahren und 126 Tagen als jüngster Bayer-Spieler sein Bundesliga-Debüt. Es folgte ein Kurzeinsatz im DFB-Pokal in Lotte - der reichte, um beim desaströsen Auftritt zu den Lichtblicken im Leverkusener Team zu gehören.

Was dabei imponierte: mit welcher Abgeklärtheit und welchem Selbstbewusstsein der Mittelfeldmann seinen Dienst verrichtete. Nach 101 Minuten eingewechselt, war es Havertz, der sich im Elfmeterschießen mit dem Ball unterm Arm zum Punkt traute und verwandelte, während arrivierten Kräften die Nerven flatterten.

Am Samstag in Wolfsburg spielte er sich erneut in den Vordergrund. Beim Stand von 0:1 war der 17-Jährige erste Option, als es darum ging, das Spiel zu drehen. Ein deutliches Zeichen auch an die Konkurrenz. Havertz kam nach 70 Minuten mit unglaublicher Präsenz auf den Platz, gewann wichtige Zweikämpfe und beeinflusste den Spielverlauf auf der rechten Außenbahn positiv.

Er tat das in einer Selbstverständlichkeit, die manchen staunen ließ. Intern ist man von Havertz' Auftritten indes nicht wirklich überrascht. Diese Entwicklung, sagt U19-Trainer Markus von Ahlen, habe sich in den letzten Monaten abgezeichnet. "Wir sind in ständigem Austausch mit der Lizenzabteilung. Die Rückmeldungen waren sehr positiv."

Havertz bringe für den Offensivfußball von Roger Schmidt alle Voraussetzungen mit. "Neben physischen und athletischen, sind das vor allem herausragende technische Fähigkeiten", erklärt von Ahlen. "Ihm klebt buchstäblich der Ball am Fuß. Da können zwei oder drei Spieler um ihn herum sein, doch er ist fast nicht vom Ball zu trennen. Kai besitzt eine enorme Ballsicherheit und hat ein gutes Gefühl dafür, was in der jeweiligen Situation zu tun ist." Abgesehen von seinen sportlichen Qualitäten, sei Havertz "ein bodenständiger Junge, bei dem wir das totale Vertrauen haben, dass er die Dinge richtig einordnen kann. Das ist für die jungen Spieler eine ganz wichtige Eigenschaft und macht ihn über das Fußballerische hinaus auch so beliebt".

Nach Benjamin Henrichs, der eine fulminante Entwicklung zum Stammspieler nahm, ist Havertz der Nächste aus der U 19, dem Schmidt eine Chance gibt. Das ist in der schwierigen sportlichen Situation keine Selbstverständlichkeit. Der vielseitig einsetzbare 17-Jährige, so scheint es, ist gewillt, die Formschwächen der Kollegen zu nutzen. Gegen Dortmund stand er erstmals im Profi-Kader. "Ich traue ihm zu, bei uns zu spielen", sagte Schmidt damals. Und: "Wir haben die Hoffnung, dass er ein vollwertiger Spieler bei uns wird." Wie alle anderen Talente soll Havertz behutsam herangeführt werden. "Bei allen Zielen des Vereins, sehe ich es als Pflicht, diese Spieler zu entwickeln und zuzusehen, dass wieder mehr A-Jugendliche den Sprung in die erste Mannschaft schaffen", so Schmidt.

Für Havertz ist es momentan ein spannender Spagat zwischen Schule und Champions League. An normalen Tagen drückt der Zwölftklässler erst einmal die Schulbank im Landrat-Lucas-Gymnasium, ehe er zum Training kommt. Nächstes Frühjahr will er Abitur machen. An "nicht normalen" Tagen wie heute, sitzt er womöglich im Flieger nach London, wo Bayer morgen bei Tottenham Hotspur zu Gast ist. Nicht ausgeschlossen, dass Havertz auch dort seine Einsatzzeit bekommt.

Quelle: RP
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