| 17.07 Uhr

Bayer Leverkusen
Huch, Bayer ist Dritter

Brandt stochert Bayer zum Sieg in Darmstadt
Brandt stochert Bayer zum Sieg in Darmstadt FOTO: ap
Darmstadt. Leverkusen rückt nach dem 2:1 in Darmstadt auf Platz drei vor. Von Stefanie Sandmeier

Es zeichnet den Charme des Böllenfalltors aus, dass alles doch sehr ursprünglich ist. Es gehört dazu, dass bei strömendem Regen auf dem Platz Rasenstücke durch die Luft fliegen. Dass die Stadionbesucher zum Teil durch den Matsch zu ihren Plätzen laufen, und auch im Inneren alles etwas kleiner, enger und gemütlicher ist als in den großen Arenen. "Ich war in den 80er Jahren schon mal hier. Da sah es genauso aus", sagte Rudi Völler, der bei seinem Gang durch die Katakomben ein wenig in Erinnerungen schwelgte.

Die Gästekabine grenzt direkt an den Presseraum. Wer genau hinhört, bekommt mit, was gesprochen wird. Dass Roger Schmidt in der Halbzeit deutliche Worte für das bis dahin einfallslose Spiel seiner Leverkusener gefunden haben muss - das war aus der Nähe jedenfalls zu hören. Nicht nur, dass die Werkself nach dem Treffer von Sandro Wagner zurücklag, die Mannschaft tat sich schwer und ließ sich von spielerisch limitierten, aber leidenschaftlich kämpfenden Gastgebern den Schneid abkaufen. "Der Trainer hat gesagt, dass wir endlich aufwachen sollen, dass wir mehr zweite Bälle gewinnen müssen", berichtete Julian Brandt, der nach dem 2:1-Erfolg froh war, dass sein Team diese Partie unbeschadet überstanden hatte ("Wir haben nach dem Pokal-Aus die richtige Reaktion gezeigt").

Einzelkritk: Keiner ragt aus durchschnittlicher Werkself hinaus FOTO: dpa, fve jai

Spion vor der Kabinentür

Dass währenddessen jemand versuchte, an der Tür zu lauschen, bekam die Mannschaft nicht mit. Dass Rudi Völler - im ersten Moment noch amüsiert von diesem "Lauschangriff" ("Sie brauchen nicht ihr Ohr an die Tür zu legen, ich nehme sie mit in die Kabine") - dann doch zunehmend verärgert reagierte, ebenfalls nicht. Die Lilien teilten mit, es habe sich "um einen ehrenamtlichen Helfer" gehandelt, der "selbstverständlich" keine Informationen beschaffen sollte.

Völler nahm es gestern schon wieder mit Humor, was sicher daran lag, dass sich Leverkusens Gastspiel doch zum Guten wendete. Nach 45 Minuten Anlauf ("Mit fußballerischer Genialität kannst du hier nicht glänzen") nahmen die Bayer-Profis den Kampf an und bewiesen, dass sie die besseren Fußballer haben. Beim glücklichen 1:1 half noch Darmstadts Kapitän Sulu mit einem Eigentor. Danach aber drängte Bayer auf den Siegtreffer, das mit Debütant Marlon Frey für den erkrankten Christoph Kramer und zunächst ohne Hakan Calhanoglu spielte. Nach einem Konter über Kampl und Kießling traf Julian Brandt aus fünf Metern. Die Lilien waren geschlagen, die nur noch dadurch auffielen, weil sie sich in den Schlussminuten sechs Gelbe Karten einhandelten. "Es war klar, dass wir den Kampf annehmen müssen, sonst bestehen wir hier nicht. Solche Spiele entscheidet dann auch mal ein Dreckstor", sagte Kevin Kampl, der sich über die Momentaufnahme Platz drei freut: "Das hat uns nach dieser Vorrunde keiner zugetraut."

Das sechste Spiel ohne Niederlage brachte die Leverkusener in den Zielkorridor zurück, wo sie nach der Saison stehen wollen. Die erneute Champions-League-Teilnahme soll gelingen. "Dieser Platz ist schön, und wir freuen uns", sagte Rudi Völler, aber er warnte auch: "Wir dürfen uns davon nicht blenden lassen."

Mit einer realistischen Sicht auf die Dinge verweist er auf die Situation in der Liga. Dass die Werkself trotz ihrer durchwachsenen und bei weitem nicht spitzenteamreifen Hinserie nun auf Platz drei steht, liegt vor allem an der Konkurrenz, die im Wettstreit um die internationalen Plätze ebenso konstant Punkte liegen lässt. Das Duell mit Borussia Dortmund am Sonntag wird dahingehend der nächste Gradmesser. Zuvor steht am Donnerstag das Hinspiel im Sechzehntelfinale der Europa League bei Sporting Lissabon an. Nach dem Pokalaus möchte Bayer hier weit kommen. Im "Doppelpass" kündigte Völler an, es weiter zu versuchen, Titel zu gewinnen.

Darmstadt - Leverkusen FOTO: afp
Quelle: RP
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