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Bayer 04 Leverkusen
Mission "Suchen und Finden"

Das Team um Bayers Chefscout Norbert Ziegler beobachtet und bewertet Talente auf dem globalen Spielermarkt. Unserer Redaktion gewährte der Opladener einen Einblick in Philosophie und Erfolgsgeschichten aus über 20 Berufsjahren. Von Stefan Klüttermann

Norbert Ziegler sitzt in seinem Büro in der Westfront der BayArena. An der Wand hängen Bilder von Spielern die auf seine Empfehlung hin zu Bayer wechselten: Emerson, Lucio, Paulo Rink. Ziegler nimmt sich eine Menge Zeit. Wenn er schon erzähle, welche Philosophie die Scouting-Abteilung von Bayer 04 verfolge, müsse das auch Tiefgang haben, sagt er.

Der ehemalige Bundesliga-Profi (137 Spiele für Leverkusen) fing 1987 bei Bayer mit dem Scouting von Jugendspielern an, als viele im Fußballgeschäft bei dem Begriff Scout noch an Trapper und Indianer dachten. Schon früh habe er eine systematische Erfassung der Beobachtungsergebnisse per EDV veranlasst, sagt Ziegler. Von dieser Pionierarbeit profitieren er und sein Team noch heute. Einem Leitgedanken ist der 56-Jährige dabei über all die Jahre treu geblieben.

"Wenn ein Spieler im Pflichtfeld ,Persönlichkeit' unserer Bewertungsbögen nicht Höchstwerte erzielt, wird er von uns nicht für eine Verpflichtung vorgeschlagen", sagt Ziegler. Die entscheidenden Kriterien im Bayer-Konzept, die alle fußballspezifischen Punkte letztlich ausstechen, heißen Willen, Ausstrahlung und Disziplin. Nach den gleichen Gesichtspunkten sucht Ziegler auch seine Mitarbeiter aus. "Nur, wer Charakter hat, kann Charakter erkennen", sagt er zur Begründung.

Neben der Einheitlichkeit des Bewertungssystems gibt es einen weiteren Eckpfeiler in der Vorgehensweise der Leverkusener Scouts. Er ist ein global vorhandenes, gepflegtes und wachsendes Netzwerk aus Kontaktpersonen und externen Zulieferern, die Informationen über Spieler verschaffen. "Das können Trainer, Ex-Spieler, Anwälte, Ärzte, Eltern oder auch Taxifahrer sein", sagt Ziegler. Sie alle tragen dazu bei, sich ein Gesamtbild des Spielers zu machen, das sich in einer Akte in der Bayer-04-Datenbank vervollständigt. "Agieren statt reagieren", lautet das Motto.

Wer scoute, arbeite langfristig, entwickle Visionen, sagt Ziegler. "Ich habe einmal gesagt, ich will vier Nationalmannschaftskapitäne hervorbringen." Dreimal hat das im Fall Brasilien schon geklappt, in Person von Jorginho, Emerson und Lucio. Der vierte wird 2014 Renato Augusto sein – so will es der Ausblick. Bayer beobachtet Spieler über lange Zeiträume.

In Deutschland ist ein Mitarbeiter für einen Jahrgang zuständig, sieht Spieler von der U 16 bis in den Herbst der Karriere. Als Sami Hyypiä 2009 im Ideenpool der Scoutingabteilung auftauchte, hatten Ziegler und Co. noch Beobachtungswerte aus seiner Zeit 1999 bei Wilhelm II Tilburg. Derdiyok, Bender, Schwaab – alles Vorschläge der "Findungsexperten" an Rudi Völler und Wolfgang Holzhäuser. Die Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer müsse auf Augenhöhe stattfinden, sagt Ziegler. "Und die mit Jupp Heynckes ist sehr angenehm."

Langfristigkeit ist aber nur eine Seite der Medaille. Parallel dazu führen die Bayer-Scouts einen permanent aktualisierten, "positionsbezogenen Leistungsspiegel". Wenn sich also ein Profi der Werkself verletzt, haben Ziegler und Co. sofort Ideen für einen Ersatz. "Es ist ein gedanklicher Fulltime-Job", sagt Ziegler. Man mag es glauben.

Quelle: RP
 
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