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Bayer Leverkusen
Mit der Werkself zehnmal um die Welt

Bayer Leverkusen: Mit der Werkself zehnmal um die Welt
Ein Geschenk zum Abschied: Nach seiner letzten Tour mit der Werkself gab es ein Modell seines Busses mit den Unterschriften aller Spieler. FOTO: MISERIUS
Leverkusen. Dieter Schick hat die Fußballer von Bayer 04 durch Deutschland und Europa gefahren. Mehr als 400.000 Kilometer stehen auf dem Tacho. Von Dorian Audersch

An seine erste Tour mit dem Bus der Werkself kann sich Dieter Schick noch genau erinnern. 2003 saß er hinter dem Steuer des tonnenschweren Vehikels, das Spieler, Trainer, Ärzte, Betreuer und Zeugwarte zum Auswärtsspiel nach Hamburg brachte - als designierter Nachfolger von Günther Thiel, der den Bayer-Tross einst kutschierte. Weil er seinen Job gut machte, folgte beim Auswärtsspiel in Nürnberg eine Fortsetzung. Einige Monate später war die Sache geritzt: Thiel ging in Ruhestand und Schick wurde der neue Chauffeur der Bayer-Stars. "Eigentlich war es ein Zufall, dass ich den Job bekommen habe", erzählt der gebürtige Schlebuscher. Klaus Zöller, seines Zeichens Zeugwart bei Bayer 04, habe ihn am Rande eines Freundschaftsspiels der Werkslef in Rheindorf gefragt, ob er sich diese spezielle Aufgabe vorstellen könne. Die beiden kannten sich, weil sie früher Arbeitskollegen waren. Wie Zöller hat auch Schick einst in seiner Jugend als KfZ-Mechaniker angefangen. Während es seinen ehemaligen Kollegen ebenfalls durch einen Zufall zu Bayer 04 verschlug, wechselte auch er das Fach und wurde vom KfZ-Mechaniker zum Fahrer bei der Wupsi. Über 20 Jahre steuerte er Linienbusse für den Verkehrsbetrieb, ehe die verlockende Frage von Zöller aufkam. "Er wollte wissen, ob ich vielleicht Interesse hätte, den Bus zu fahren, wenn Günther Thiel aufhört", sagt Schick. "Da ich von klein auf Fan der Werkself bin, habe ich natürlich nicht lange überlegt." Seine erste Tour nach Hamburg, damals noch an der Seite von Thiel, ist mittlerweile rund 14 Jahre her. Seitdem hat er weit mehr als 400.000 Kilometer am Steuer der etwa 500 PS starken Maschine hinter sich. Zum Vergleich: Die Distanz zum Mond beträgt 384.000 und der Erdumfang etwa 40.000 Kilometer.

Wenn man an die Marktwerte der Spieler denke, werde schnell die Verantwortung des Berufs klar, sagt Schick. "Mir war immer wichtig, dass ich alle heil von A nach B bringe", fasst er seine Arbeitseinstellung zusammen. Zudem war er auch dafür zuständig, dass das Gepäck ankommt - immerhin bis zu 50 Kisten mit Trikots, Ausrüstung und medizinischem Equipment. Sein Job war eine Mischung aus Fahrer und Zeugwart. Zum Ende der vergangenen Saison ging der 64-Jährige in Ruhestand und machte Platz für einen jüngeren Kollegen. Entlassen worden sei er nicht, betont er.

Der 64-Jährige erlebte alle Trainer seit Klaus Toppmöller mit, sah Spieler kommen und gehen und war so nah an der Mannschaft, wie es nur wenige sein können. Einen sehr guten Eindruck hat Jupp Heynckes hinterlassen, der von 2009 bis 2011 die Werkself trainierte. "Ein besonderer Mensch", sei der gebürtige Mönchengladbacher gewesen. "Er hat jeden immer korrekt und auf Augenhöhe behandelt - und er hatte Stil sowie eine spezielle Aura. Das ist einer von der alten Schule." Gern erinnert er sich an eine Anekdote aus der Kabine, als der damalige Bayer-Coach Heynckes Arturo Vidal mit seinen Sprachkenntnissen überraschte. Der Chilene war damals aus irgendeinem Grund außer sich und fluchte wie ein Rohrspatz. Entsprechend verdutzt fiel die Reaktion aus, als Heynckes in fließendem Spanisch antwortete und Vidal die Leviten las. Danach habe der Südamerikaner eine Leistungssteigerung hingelegt, die ihn zu einem der großen Fußballstars werden ließ. Aber auch mit den anderen Coaches der Werkself hatte Schick nie Probleme. "Ich bin mit allen gut klargekommen", betont der Busfahrer a.D. Auch die Spieler seien stets freundlich gewesen. Mit Stefan Kießling, Simon Rolfes, Gonzalo Castro und Wendell habe er sich unter anderem gut verstanden - obwohl letzterer kaum Deutsch spreche. "Man kann sich schon verständigen, wenn man will", sagt Schick, der früher unter anderem für den SV Schlebusch und VfL Leverkusen seine Fußballschuhe schnürte. Als Trainer war er später in der Landesliga aktiv.

Ebenfalls in guter Erinnerung hat er die Auswärtsfahrten quer durch Europa behalten. Die Touren nach Lissabon, Barcelona oder Madrid seien besonders schön gewesen. Auch das Spalier der Fans vor dem Derby gegen Köln im Mai dieses Jahres sei etwas Besonderes gewesen - auch, wenn die sportliche Ausgangslage schwierig war. Allerdings gab es auch unschöne Erlebnisse. Auf einer Rückfahrt aus Bremen vor einigen Jahren sei der Bus ausgebremst worden. Beinahe wäre es zu einem Crash gekommen. Abgesehen davon sei er in seiner gesamten Laufbahn bei der Wupsi und Bayer 04 unfallfrei geblieben, sagt der Ruheständler.

Das Gefährt, dass er zuletzt im Dienste des Fußballs steuerte, war ein Premium-Bus der Marke Setra - mit allen Extras und eigens umgebaut. Mehrere 19-Zoll-Bildschirme, Küche, W-Lan und allerlei anderen Luxus gibt es in dem Mannschaftsbus, der alle drei bis vier Jahre durch ein neues Modell ersetzt wird.

Nun ist Schick nicht mehr Chauffeur, sondern wieder Fan der Werkself. Mit der aktuellen Saison ist er mehr als zufrieden: "Anfangs gab es ein paar Probleme, aber jetzt läuft es ganz gut." Die Auswärtsfahrten lasse er sich aber nach wie vor nicht nehmen , sagt er - und fügt hinzu: "hoffentlich dann bald auch wieder international."

Quelle: RP
 
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