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Bayer Leverkusen
Nicht nur auf den Außen drückt der Schuh

Fotos: Boenisch fliegt nach Grätsche vom Platz
Fotos: Boenisch fliegt nach Grätsche vom Platz FOTO: dpa, jhe
Leverkusen. Die Verteidiger Giulio Donati und Sebastian Boenisch setzten ihren Negativlauf auch gegen Hertha BSC fort. Der Verein könnte im Winter nachbessern - doch der Markt ist hart umkämpft. Zumal die Situation im Mittelfeld nicht einfacher ist. Von Simon Janssen

Eigentlich war die pädagogische Maßnahme noch gar nicht beendet. Zum zweiten Mal hintereinander musste Linksverteidiger Wendell am Samstag auf der kalten Ersatzbank Platz nehmen. Schon gegen Schalke 04 verzichtete Trainer Roger Schmidt in der Startelf auf den technisch versierten Brasilianer, der zwei Tage vor dem Spiel gegen Königsblau ohne gültigen Führerschein nachts von der Kölner Polizei erwischt worden war und nun mit einer Strafe rechnen muss.

Die Rote Karte gegen Sebastian Boenisch zerriss aber schließlich Roger Schmidts angedachten Denkzettel. Bereits nach 20 Minuten sah sich der 48-Jährige gezwungen, Wendell für Julian Brandt ins Spiel zu bringen. "Wir haben nach dem Platzverweis besser gespielt als davor", stellte Mittelfeldspieler Christoph Kramer überrascht fest. Die Leistungssteigerung fußte vor allem auf der Hereinnahme von Wendell, der seine Sache wesentlich besser erledigte als Boenisch.

Gegen Hertha BSC wurde wieder einmal eine der größten Schwachstellen von Bayer 04 in dieser Saison deutlich - auf den Außenverteidigerpositionen ist die Werkself zu dünn besetzt. Wenn Spieler wie Roberto Hilbert, Wendell oder Tin Jedvaj ausfallen, muss Schmidt in Donati und Boenisch auf Personal zurückgreifen, das nicht seinem Anforderungsprofil entspricht. Gegen Hertha erwischten Donati und Boenisch nicht zum ersten Mal einen unglücklichen Tag. Sinnbildlich, wie der Italiener kurz nach dem 1:2 einen Ball blind nach vorne schlug und zum wiederholten Mal keinen Abnehmer fand. Schmidt stand nur wenige Meter entfernt und mahnte Donati per eindringlicher Handgeste, nicht so überhastet zu spielen.

Die Schwäche der Außenverteidiger hat weitreichende Konsequenzen. Schließlich leben schnelle Außenbahnspieler wie Karim Bellarabi oder Admir Mehmedi davon, gute Bälle in den Lauf zu bekommen und mit ihrem Hintermann zu kombinieren. Angesichts der Leistung des einst fast nach Darmstadt transferierten Donati dürfte Schmidt froh sein, wieder auf Roberto Hilbert zurückgreifen zu können, der in Berlin 20 Minuten spielte. "Klar freue ich mich über mein Comeback", sagte Hilbert, dessen Freude ob des unbefriedigenden Ergebnisses jedoch getrübt war.

Als weiteres Sorgenkind hat sich in den vergangenen Wochen das zentrale Mittelfeld herauskristallisiert. Die Leistungen von Christoph Kramer haben sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zwar stabilisiert, dennoch fehlt es dem Weltmeister an Konstanz. Sein Nebenmann Kevin Kampl - zweifelsfrei ein Gewinn für das Team - interpretiert seine Rolle offensiver als der am Sprunggelenk verletzte Kapitän Lars Bender, von dem man hofft, dass er schnell wieder fit ist. Das birgt Probleme, wenn der Ball verloren geht und Lücken entstehen.

Das Problem: Im Verein weiß man um den Handlungsbedarf. Gute Außenverteidiger und zentrale Mittelfeldspieler sind jedoch rar gesät - erst recht im Winter. "Wir halten auf allen Positionen die Augen offen", schließt Manager Jonas Boldt Transfers nicht aus.

Von Sebastian Rode haben sich die Augen wohl wieder abgewendet. "Rode ist ein super Spieler, der sicherlich sehr gut zu uns passen würde, aber nicht realisierbar ist im Winter", sagte Schmidt gestern im "Doppelpass".

Wenn Bayer 04 im Winter einen Spieler verpflichtet, muss er dem Team sofort weiterhelfen können - das würde entsprechend viel Geld kosten. Leistet man sich einen Top-Transfer, steht Schmidt nach der Rückkehr von Bender und Charles Aránguiz allerdings vor der Herausforderung, womöglich mehrere zentrale Mittelfeldspieler mit Einsatzzeiten zufriedenstellen zu müssen. Pädagogische Maßnahmen könnte er dann konsequenter durchziehen. Sport Seite

Quelle: RP
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