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Patrick Helmes
Der doppelte Derbyheld

Patrick Helmes: Der doppelte Derbyheld
Patrick Helmes spielte in seiner Karriere für Bayer Leverkusen. FOTO: Patrick Helmes
Leverkusen. Patrick Helmes stürmte für Bayer Leverkusen und den 1. FC Köln. Seine ehemaligen Klubs treffen Sonntag aufeinander. Von Dorian Audersch

An den 21. September 2005 erinnert sich Patrick Helmes noch sehr genau. Es ist ein Tag, der sich in sein Gedächtnis eingebrannt hat. Der damals 21-jährige Angreifer des 1. FC Köln wird beim Stand von 0:2 gegen Bayer Leverkusen eingewechselt und trifft wenige Minuten später zum 1:2. Es ist sein erstes Tor in der Bundesliga. "So etwas prägt", sagt der ehemalige Profi, der seine Karriere nach einer längeren Verletzungsmisere 2015 beenden musste. "Bis heute habe ich die Szene genau vor Augen." Auch wenn sein Tor nichts mehr an der Niederlage geändert habe, sei es etwas Besonderes gewesen.

Das liegt auch daran, dass sein Premierentreffer auf eine für ihn sehr ungewöhnliche Art und Weise zustande kam: per Kopfball. Wie oft ihm das in seiner Laufbahn gelungen sei, könne man an einer Hand abzählen, erzählt Helmes. Deutlich erfolgreicher war er indes mit den Füßen: 47 Tore gelangen ihm in 95 Spielen für seinen Ausbildungsverein Köln. Den Großteil bestritt er in der 2. Bundesliga. 2008 wagte der Stürmer den Wechsel zum wenige Kilometer entfernten Rivalen Bayer Leverkusen, wo er in 72 Pflichtspielen 38 Tore erzielte. Wenn am Sonntag ab 15.30 Uhr die beiden Ex-Klubs aufeinandertreffen, schlagen zwei Herzen in seiner Brust. Einerseits ist Köln seine Geburtsstadt und sportliche Heimat, andererseits feierte er in der Nachbarstadt Erfolge wie das Finale des DFB-Pokals 2009 oder die Vizemeisterschaft 2011 - und seine ersten Einsätze im Europacup. "Man kann die Vereine nicht miteinander vergleichen", sagt er. "Auf der einen Seite ist der FC mit seiner wahnsinnigen Tradition, dem Umfeld und der Millionenstadt im Rücken - und auf der anderen Seite das vergleichsweise beschauliche Bayer 04, das seit Jahrzehnten erfolgreicher ist, aber nicht die ganz großen Emotionen ausstrahlt."

Patrick Helmes machte jedoch auch einige Saisons eine gute Figur im Trikot der Kölner. FOTO: Thomas Faehnrich

Zwangsläufig traf er mit Bayer irgendwann auf seine alte Liebe. "Das erste Derby gegen Köln war sehr komisch für mich", sagt der heute 34-Jährige. Er habe nicht gut gespielt und sei torlos ausgewechselt worden. Deutlich lebendiger sind seine Erinnerungen an das Rückspiel, in dem ausgerechnet er vor dem Kölner Publikum für Leverkusen zum Elfmeter antrat. Sein Treffer zum 2:0 besiegelte im April 2009 Bayers Sieg gegen den Erzrivalen.

Die Zuschauer meinten es nicht gut mit dem vermeintlichen "Judas" und pfiffen ihn gnadenlos aus. "Wie laut es in einem Stadion werden kann, ist schon krass", erinnert sich Helmes. Es sei vorher klar gewesen, dass er der Schütze im Elfmeterfall sei. "Ich wollte diese Verantwortung nicht abgeben und unbedingt noch mein Tor machen. Außerdem hatte ich nach den ganzen Pfiffen einfach Bock darauf."

Derzeit arbeitet der 13-fache Nationalspieler als Co-Trainer beim insolventen Drittligisten Rot-Weiß Erfurt. Der Ex-Profi gab - unter dem Eindruck des Herzinfarkts, den sein Assistenztrainer Uwe Fecht in seiner Anwesenheit erlitt und Wochen später daran verstarb - das Engagement bei der U 21 des FC im September 2017 vorläufig auf. Im Sommer will er aber nach Köln zurückkehren und den Fußballlehrer-Schein machen.

Seinen damaligen Wechsel aus der Dom- in die Farbenstadt bereut er bis heute nicht. Die Voraussetzungen in Leverkusen seien schlicht besser. "Ich wollte in der Region bleiben, aber mich trotzdem weiterentwickeln", so beschreibt Helmes seine Beweggründe. "Leverkusen war und ist sportlich gesehen weiter als der FC. Dort wird seit vielen Jahren gute und nachhaltige Arbeit geleistet. Nicht umsonst sind sie fast immer im Europapokal."

Das stimmt damals wie heute. Die Entwicklung in Köln war in den vergangenen Jahren freilich positiv, doch die laufende Saison ist ein herber Rückschlag, der aller Voraussicht nach mit dem Abstieg endet. Als Tabellenletzter empfängt Köln den Champions-League-Aspiranten aus Leverkusen. Eine Prognose wagt Helmes nicht: "Das wird ein Fight mit vielen Emotionen. Für den FC wird es brutal schwer zu punkten, aber es ist nicht unmöglich."

Quelle: RP
 
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