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Bayer Leverkusen
Ramalho will mit Bayer Geschichte schreiben

Porträt: Andre Ramalho - Brasilianer unter dem Bayer-Kreuz
Porträt: Andre Ramalho - Brasilianer unter dem Bayer-Kreuz FOTO: dpa
Leverkusen. André Ramalho ist der nächste Brasilianer bei Bayer 04. Leverkusens Zugang war – wenn man so will – der Red-Bull-Musterprofi, dem schließlich unter Roger Schmidt der Durchbruch in Salzburg gelang. Beim Werksklub will er das auch schaffen und große Ziele erreichen. Von Stefanie Sandmeier und Patrick Scherer

Ralf Rangnick hat vor knapp drei Jahren – kurz nach seinem Amtsantritt als Sportdirektor bei RB Salzburg und RB Leizpig – im Gespräch mit unserer Redaktion davon erzählt, wie in den Fußball-Klubs, die sich der Brause-Gigant leistet, Talente in Zukunft selbst ausgebildet werden sollen. Er sprach dabei von einer Fußballschule in Brasilien und einem Klub, der Talenten den Weg nach Europa ebnen soll.

Auch André Ramalho hatte diesen Traum. Als kleiner Junge wollte er wie so viele Profi werden. Die Red-Bull-Akademie in Jarinu nördlich von Sao Paulo war für Ramalho ein Glücksfall. Er las im Jahr 2009 von einer Talentsichtung, stellte sich wenig später als einer von knapp 5000 Fußballern den Experten vor – und behauptete sich im Konkurrenzkampf. Für Ramalho begann in diesem Moment eine spannende Reise, die ihn letztlich über Salzburg in die Bundesliga zu Bayer 04 führte. Wenn man so will, ist der Mann mit dem markanten Lockenkopf ein Musterbeispiel dafür, wie man sich beim Getränke-Hersteller das Nachwuchskonzept vorstellt. Ralf Rangnick, inzwischen Trainer in Leipzig, hat sich Ramalho und dessen Testspiel mit Bayer 04 in Großaspach am Sonntag angesehen, der über die U17 und U19 von Red Bull Brasil den Weg nach Europa schaffte. "Ich war einer der Glücklichen", sagt der 23-Jährige, der weiß: "Viele solcher Chancen bekommt man nicht. Vielleicht auch nur die eine. Meine Überzeugung ist: Du musst immer an dir arbeiten, und wenn der Anruf kommt, musst du bereit sein."

"Das war kurios"

In Ramalhos Fall gab's wenig Zeit zum Nachdenken. "Das war kurios", sagt er schmunzelnd. "Einen Tag nach der U19-Meisterschaft ruft mich der Sportdirektor an und sagt, dass ich übermorgen in Salzburg vorspielen darf. Wenn es gut läuft, kann ich direkt dort bleiben. Ich habe noch kurz meinen Eltern Bescheid gesagt und weg war ich."

Als erster Spieler überhaupt aus der hauseigenen brasilianischen Akademie wurde Ramalho in die Alpenrepublik transferiert. "Für mich der nächste logische Schritt in meiner Entwicklung."

Sein künftiger und zugleich ehemaliger Coach Roger Schmidt spielte dabei eine wesentliche Rolle. "Als junger Spieler braucht man einen Trainer, der einem das Vertrauen und eine Chance gibt. Bei mir war das Roger Schmidt", erklärt der 23-Jährige, der unter ihm in der Meistersaison mit Pokalsieg in 52 Pflichtspielen in der Startelf stand und dadurch auffiel, dass er als abgeklärter Abwehrspieler die Mehrheit seiner Partien auf konstant hohem Niveau absolvierte. Aber er betont auch: "Der Trainer ist nicht alles. Um ständig in der Startelf zu stehen, muss die Leistung stimmen. Da wird nicht nach Sympathie aufgestellt."

Beobachter bescheinigen Ramalho nicht nur, dass er sich spielerisch enorm entwickelt habe. Sein früher Abschied Richtung Europa habe ihn auch charakterlich stabil werden lassen. "Meine Familie vermisse ich trotzdem sehr", entgegnet der ehrgeizige Profi, der mit gutem Deutsch überrascht. In knapp vier Jahren in Österreich lernte er die Sprache ("Das ist mir wichtig, wenn man in einem fremden Land arbeitet und lebt"). Als das Angebot aus Leverkusen kam, habe er nicht lange nachdenken müssen. "Das ist wieder eine ganz neue Herausforderung. Bayer 04 ist ein Top-Klub in einer der besten Ligen der Welt. Dazu kann ich international spielen. Viele meiner Landsleute hatten eine erfolgreiche Zeit hier", erklärt Ramalho, der den Durchbruch auch in Deutschland schaffen möchte.

Schmidt kündigte den vielseitigen Brasilianer, der unter ihm meist Innenverteidiger war, mit viel Lob an. "André liest ein Spiel sehr gut. Daher kann er bestens vorwärts verteidigen. Er bringt sich früh in Position und fängt dadurch viele Bälle ab."

Ramalho will Titel gewinnen

Ramalho sieht sich am liebsten auf der Sechserposition. Dort hat er mit Christoph Kramer und Lars Bender große Konkurrenz. Die aktuellen Kandidaten in der Innenverteidigung sind Ömer Toprak, Kyriakos Papadopoulos, Tin Jedvaj und Nachwuchsmann Lukas Boeder. Schmidt plant ihn für beide Positionen ein. "Der Konkurrenzkampf ist groß. Wenn ich meine Chance bekomme, möchte ich voll da sein", verspricht Ramalho, der sich auch auf das Zusammenspiel mit Landsmann Wendell freut. "Ich merke, dass er gut integriert ist. Er macht immer Späße und fühlt sich wohl. Das bestätigt meinen positiven Eindruck, den ich bisher vom Team habe." Ramalhos Wunsch: mit Bayer 04 Titel zu gewinnen. "Titel holen will jeder Sportler, genau wie Geschichte schreiben. Ich bin sicher, dass wir das mit Leverkusen in den nächsten Jahren schaffen."

Quelle: RP
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