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Bayer Leverkusen
"Hilbert und Bayer 04 – das kann weitergehen"

"Roberto Hilbert und Bayer 04 Leverkusen – das kann weitergehen"
Roberto Hilberts Vertrag läuft im Sommer aus, jetzt winkt ein neuer Kontrakt. FOTO: dpa, jew jai
Der Rechtsverteidiger der Werkself befindet sich in Vertragsgesprächen mit dem Verein. Im Interview erklärt der 30-Jährige, wie er sich seinen Platz zurückerkämpft hat und was er dem Team zutraut.

Herr Hilbert, haben Sie das 2:2 der Nationalelf gegen Australien gesehen? 

Roberto Hilbert Nö.

Gucken Sie gar nicht mehr bei der Nationalelf zu?

Hilbert Nein. Das hat aber nichts mit der Nationalmannschaft zu tun. Ich schaue allgemein sehr selten Fußball im Fernsehen. Das macht mir keinen Spaß, ich gucke lieber im Stadion und habe privat auch andere Prioritäten als fernzusehen.

Das heißt, Zeit mit Ihrer Frau und Ihren vier Kindern verbringen?

Hilbert Ja, genau. Ich hole meine Kinder von der Schule ab, die haben Fußballtraining und andere Aktivitäten, da bin ich nonstop unterwegs. Da bleibt nicht viel Zeit. Und irgendwann liegen sie im Bett und dann will ich mich etwas entspannen und nicht unbedingt Fußball gucken.

Heißt das, Sie haben auch den WM-Triumph verpasst?

Hilbert Nein, den habe ich schon gesehen. Da war ich zum Glück gerade in den USA, da konnte ich das mittags um Zwölf ganz entspannt gucken.

Kommen wir zu Ihnen und Bayer 04. Wie bewerten Sie die derzeitige Entwicklung? 

Hilbert Das Wichtigste ist, dass wir Resultate erzielen. Wir haben von den vergangenen sieben Spielen sechs gewonnen. Und sechsmal kein Tor bekommen. Das zeigt, dass die Mannschaft das System noch mehr verinnerlicht hat. Wir setzen es nahezu zu 100 Prozent um, haben in vielen Situationen jetzt mehr Ruhe und eine bessere Balance.

Sie tragen derzeit als fester Bestandteil der Defensive einen maßgeblichen Teil dazu bei. Macht das Stolz?

Hilbert Es ist nicht nur die letzte Linie. Das fängt vorne an. Die gesamte Mannschaft, vom ersten Angreifer bis zu Bernd [Leno, Anm. d. Red.] arbeitet defensiv sehr gut mit. Wir halten so den Ball weit weg von unserem Tor. Wenn das klappt, kassieren wir keine Treffer und jeder weiß, dass unsere Offensive immer für ein Tor gut ist. Wenn man jetzt Woche für Woche gewinnt, hat man vieles richtig gemacht.

Was ist passiert, dass das Team jetzt so stabil ist?

Hilbert Jeder hat sich Stück für Stück in seinem Aufgabenbereich in diesem neuen System verbessert. Wir haben das System noch stärker verinnerlicht, mussten aus einigen Spielen, in denen wir Punkte liegen gelassen haben, wie gegen Wolfsburg oder in Augsburg, die richtigen Lehren ziehen. Gerade nach dem 2:2 in Augsburg hat man gemerkt, dass die Mannschaft reifer geworden ist.

Sie haben Ruhe und Balance angesprochen. War das Team am Anfang zu hektisch?

Hilbert Was heißt hektisch? Für die meisten war das System einfach neu. Vielleicht hatten wir das Idealmaß zwischen Offensivpressing und Ballzirkulation noch nicht so gefunden. Das haben wir in den vergangenen Wochen jetzt umgesetzt und stehen deshalb jetzt auf Platz vier.

Was haben Sie am Anfang von dem neuen System von Roger Schmidt gedacht?

Hilbert Ich war etwas skeptisch, das habe ich dem Trainer auch gesagt.

Warum?

Hilbert Ich kannte es einfach nicht, es war neu für mich. Ich war skeptisch, habe aber damit nicht gesagt, dass es nicht funktionieren kann.

Und jetzt?

Hilbert Jetzt sieht man, dass es Hand und Fuß hat. Das System hat Zukunft. Der Trainer hat uns in diesem System verbessert. Es macht Spaß.

Jetzt haben Sie die Fitness Ihres Lebens bei den vielen Wegen, die Sie gehen müssen?

Hilbert Es ist nicht mehr als vorher. Aber es ist schneller. Man braucht eine andere Art Kraft. Es sind kürzere Wege, aber alles im Sprint. Daran muss man sich gewöhnen.

Welcher Trainertyp ist Roger Schmidt?

Hilbert Er ist sehr ehrgeizig, hat für sich, die Mannschaft und den Verein klare Ziele. Den Spielern gegenüber ist er sehr respektvoll und sehr ehrlich. Das macht ihn zu einem guten Trainer und zu einem guten Menschen.

Haben Sie ein besonders gutes Verhältnis zueinander? Haben Sie damit gerechnet, so häufig zu spielen?

Hilbert (lacht) Ich glaube, damit hat noch im Sommer keiner gerechnet. Aber wir hatten auch am Anfang der Saison, als es nicht so für mich lief, ein offenes und ehrliches Verhältnis. Die Gespräche liefen inhaltlich nicht so super für mich, aber ich bin immer positiv geblieben und habe jetzt gezeigt, was ich kann.

Frustriert es, wenn man merkt, dass man auch bei den Fans nicht den großen Rückhalt hat?

Hilbert Wenn es mich frustrieren würde, würde ich jetzt wahrscheinlich nicht hier sitzen und über unsere starken Leistungen sprechen und positiv in die Zukunft schauen. Es ist nicht immer schön, wenn man in der Kritik steht, das ist doch klar - aber für mich ist immer entscheidend, dass der Verein, das Team und meine Familie hinter mir stehen. Und das war und ist so.

Hat Roger Schmidt Ihnen gesagt, dass Ihre Chance irgendwann kommt?

Hilbert Er hat mir immer offen und ehrlich gesagt, wie der Stand ist. Die ersten acht Wochen saß ich auf der Tribüne. Das war ein neues Gefühl für mich. Aber der Trainer hat mir immer das Gefühl gegeben, dass meine Zeit irgendwann kommt. Und dann kam sie und ich habe sie genutzt.

Was ist das Wichtigste in der Zeit als Profi, wenn es nicht läuft?

Hilbert Ich habe ja schon einiges erlebt. In Istanbul war es auch nicht einfach am Anfang. Da habe ich mich durchgesetzt, hier auch wieder. Man muss es nehmen wie es ist und einen klaren Kopf bewahren.

War mal der Gedanke da, zu sagen: ,Dann sitze ich halt meine Zeit hier ab und verschwinde nach der Saison'?

Hilbert Niemals. Ich hätte den Verein ja auch im Sommer oder im Winter verlassen können.

Hat Ihnen der Verein das nahe gelegt?

Hilbert Sie hätten mir im Sommer mit Sicherheit keine Steine in den Weg gelegt, hätte ich weggewollt. Im Winter hatte ich wieder Anfragen, die hat der Verein abgeblockt. Ich habe aber auch immer gesagt, das ist kein Thema für mich, ich werde hundertprozentig diese Saison in Leverkusen zu Ende spielen und auch im Training Gas geben, um die Qualität hoch zu halten. Ich tue alles, damit die Mannschaft erfolgreich ist. Und diese positive Einstellung bekommt man dann irgendwann eben zurück. Nun ist die Situation eine andere.

Sie verhandeln mit Bayer 04 über einen Verbleib. Wie ist der Stand? 

Hilbert Wir sind in sehr guten Gesprächen momentan. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns in der goldenen Mitte treffen und die Geschichte zwischen Roberto Hilbert und Bayer Leverkusen weitergehen kann.

Was ist Ihnen wichtig bei den Verhandlungen?

Hilbert Es gibt Details, die noch geklärt werden müssen. Da sind wir aber auf einem sehr guten Weg.

Geht es noch um die Laufzeit? Wollen Sie mehr als ein Jahr?

Hilbert (lacht) Das bespreche ich nur mit meinen Berater und dem Verein.

Ist es Ihnen wichtig, dass die Gespräche möglichst bald zu einem Ende kommen?

Hilbert Ich sehe das ganz entspannt. Ich habe das schon zweimal hinter mir. Ich weiß, wie gut mein Berater ist. ich weiß, welche Optionen wir haben und uns erschaffen können. Für mich ist es keine Drucksituation. Ich bin in einer sehr guten Position, will sehr gerne hier bleiben.

Ist das Ausland noch mal ein Thema?

Hilbert Ich war ja bereits in der Türkei, aber es ist immer ein Thema. Meine Familie ist sehr anpassungsfähig, das ist ein Vorteil. Aber unser Ziel ist es, bei Bayer 04 zu bleiben.

Welche Ziele für Ihre aktive Karriere haben Sie noch auf dem Zettel?

Hilbert Ich habe gar keinen Zettel. Gesund bleiben, ist der größte Wunsch. Und natürlich sind Titel ein Ziel. Dieses Jahr können wir noch den DFB-Pokal holen.

Da geht es gegen den übermächtig anmutenden FC Bayern. Wie sind die Chancen?

Hilbert Wir spielen zu Hause. Wir wollen gewinnen. Zwei Spiele noch bis zum Finale. Wenn man da hin will, muss man alle schlagen, die kommen.

Was trauen Sie denn Bayer 04 mittel- und langfristig zu?

Hilbert Sehr viel. Gerade in der Konstellation mit dem Trainer und dem Team. Es sind sehr viele junge Spieler – auch Leistungsträger wie Hakan [Calhanoglu, Anm .d. Red.] oder Karim [Bellarabi, Anm. d. Red.]. Die können noch einiges dazulernen, wie man auch beim Ausscheiden aus der Champions League in Madrid gesehen hat. Das beziehe ich nicht auf die Elfmeter, sondern auf das Spiel generell. Die jungen Spieler sammeln jetzt auf ganz hohem Niveau wichtige Erfahrungen. Wenn man die Mischung aus Talent und Erfahrung qualitativ noch verbessern kann, dann ist hier sehr viel möglich.

Nach sechs verursachten Elfmetern in der Vorsaison: Wie groß war die Erleichterung, dass der Schiedsrichter auf Schalke nicht auf den Punkt gezeigt hatte, als der Ball im Strafraum an Ihre Hand sprang?

Hilbert Nicht groß, da es aus meiner Sicht kein Elfmeter war. Das hat ja auch Markus Merk so gesehen.

Aber der Ball war an der Hand. Peter Gagelmann hätte pfeifen können...

Hilbert (lacht) Hätte, hätte, Fahrradkette... Ich habe allerdings Verständnis, dass vor allem die Schalker das anders sehen. 

Stefanie Sandmeier und Patrick Scherer führten das Gespräch.

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