| 19.40 Uhr

Wut-Interview bei Sky
Schiri und Moderator bringen Vulkan Völler zum Brodeln

Twitter-Reaktionen: "Das Biest in Rudi Völler ist nicht zähmbar"
Twitter-Reaktionen: "Das Biest in Rudi Völler ist nicht zähmbar"
Leverkusen. Nach der 0:1-Niederlage von Bayer Leverkusen, bei der Leverkusens Trainer Roger Schmidt für einen kuriosen Eklat gesorgt hatte, gab Sportdirektor Rudi Völler seine Einschätzung ab. Zu Beginn noch um Ruhe bemüht, lief Völler im Laufe des Gesprächs mit Sky-Moderator Sebastian Hellmann zur Hochform auf.  Von Antje Rehse

"Der Schiedsrichter meinte, das Spiel ein bisschen spannender machen zu müssen", sagte Völler zunächst süffisant, aber gefasst. "Natürlich kann man darüber diskutieren, ob der Trainer auf die Tribüne muss, das liegt im Ermessen des Schiedsrichters, aber das kann man ihm auch vernünftig erklären", sagte der Weltmeister von 1990. "Das Spiel zu unterbrechen und eine solche Hektik hineinzubringen ist völlig unnötig." 

Bayer-Trainer Schmidt hatte nach dem 0:1 durch Pierre-Emerick Aubameyang (64.) eine irreguläre Ausführung des vorausgegangenen Freistoßes beklagt. "Das war halt eine Fehlentscheidung, aber das kann passieren", sagte Völler gnädig zu der Szene. Schmidt hatte sich trotz Anweisung Zwayers geweigert, den Innenraum zu verlassen. Zwayer ging daraufhin in die Kabine und beriet sich mit seinen Assistenten. Die Mannschaften folgten ihm und kamen neun Minuten später wieder auf den Platz, das Spiel wurde unter Pfiffen der Zuschauer fortgesetzt. Schmidt setzte sich dann doch auf die Tribüne.

"Der Impuls wäre GANZ wichtig gewesen!"

Als Hellmann Völler fragte, ob Schmidt sich anstatt des Lamentierens nach dem Rückstand nicht lieber darauf hätte konzentrieren sollen, seiner Mannschaft neue Impulse zu geben, nahm das Interview langsam Fahrt auf. "Wissen Sie, wer dem Spiel neue Impulse hätte geben können?", fragte Völler – nun sichtlich erregt – um die Antwort gleich mitzuliefern. "Der Schiedsrichter und der Linienrichter, wenn der nämlich Handelfmeter gepfiffen hätte. Dann hätte er einen super Impuls geben können! Das war ein 1000-prozentiger Eflmeter. Der Impuls wäre GANZ wichtig gewesen!" Hellmann schaltete auf Kuschelkurs: "Das ist eine andere Szene, aber da gebe ich Ihnen 100-prozentig Recht", worauf Völler mit scharfem Ton entgegnete: "Dann ist ja in Ordnung!" In der Tat hätte Zwayer beim Handspiel des Dortmunders Sokratis zwingend auf Strafstoß entscheiden müssen.

Fotos: Zwayer verweigert Leverkusen gegen BVB klaren Handelfmeter FOTO: dpa, mb hak

Danach beruhigte sich das Gespräch kurzzeitig wieder. Völler verteidigte, nun wieder gefasst, das impulsive Auftreten seines Trainers in einem hektischen Spiel. "Das machen andere Trainer genauso." Natürlich könne man Schmidt auf die Tribüne schicken, aber man solle es ihm halt vernünftig erklären, betonte Völler noch einmal.

Die Spielunterbrechung hieß er nicht gut. "Da so eine Nummer draus zu machen und so zu tun, als sei etwas ganz Schlimmes passiert, ist völlig übertrieben", sagte Völler. "Auch das muss Zwayer so machen", erklärte ihm Hellmann, berief sich auf das Regelwerk und brachte damit den Völler-Vulkan wieder zum Ausbruch. "Ja dann geh doch hin zum Trainer!", erboste sich Völler. Die folgende Regelkunde des Sky-Moderators quittierte er mit einem ungeduldigen "Ja, ja, ja". Schließlich hatte Völler noch etwas wichtiges über Zwayer zu sagen. "Aber er hat sich ja revanchiert, deshalb hat er den Elfmeter nicht gepfiffen!", brüllte der Bayer-Sportdirektor in sein Mikrofon.

Hellmann bezeichnete das als "steile These", wollte von Völler nochmals wissen, ob es nicht ein Fehler von Schmidt gewesen sei, nicht sofort auf die Tribüne zu gehen. "Es hätte Elfmeter geben müssen. Was haben Sie denn jetzt mit Roger Schmidt?", fragte Völler fassungslos, ganz so, als sei sein Gesprächspartner eine Art Außerirdischer. "Das hat doch nichts mit dem Resultat zu tun", sagte er über die Weigerung des Trainers, der Anweisung von Zwayer zu folgen. "Das ist doch viel wichtiger, dass der keinen Elfmeter gepfiffen hat, oder finden Sie nicht?"

Hellmann ließ nicht locker. Schmidt habe der Mannschaft mit seiner Aktion nicht geholfen. "Wer hat uns denn mehr geschadet? Roger Schmidt oder der Schiedsrichter? Sagen Sie doch mal ganz ehrlich jetzt", fiel Völler ihm ins Wort. "Der Schiedsrichter ist neutral", startete Hellmann seine Erklärung. "Ach, der Schiedsrichter ist neutral?", fragte Völler. Eine Suggestivfrage, die dem DFB kaum gefallen dürfte. Es folgte eine kleiner Exkurs in die Semantik. "Der Schiedsrichter ist neutral, er hat Ihnen nicht geschadet, er hat falsch entschieden", sagte Hellmann. "Gut, aus Vereinssicht sage ich, er hat uns geschadet", antwortete Völler. 

Das Interview endete damit, dass Hellmann und Völler sich erneut über die Rolle von Schmidt nicht einig werden konnten. "Vielleicht hat er den Fehler gemacht, nicht hochzugehen. Aber das muss man jetzt doch nicht so aufpumpen die Nummer. Man muss die Mannschaften doch nicht reinschicken. Geh doch hin und sag, Herr Schmidt, Sie müssen auf die Tribüne, weil Sie zu laut waren beim vierten Offiziellen. Warum hat er das nicht gemacht?", sagte Völler. "Wir werden Herrn Zwayer fragen", versprach Hellmann. "Ja dann fragt ihn mal", sagte Völler, woraufhin sich beide mit einem "Ciao" verabschiedeten.

Hier lesen Sie das Interview im Worlaut.

Für viele Fans war das heißblütig geführte Interview der Höhepunkt eines kuriosen Sonntagsspiels. "Ein kleines Stück Fernsehgeschichte", hieß es bei Twitter. Und natürlich wurden Erinnerungen wach an ein anderes Wut-Interview von Völler, damals noch als Teamchef der Nationalmannschaft. "The Rising of Wut-Rudi! Und irgendwo lacht sich Waldemar Hartmann ins Weißbier", twitterte ein User. Damals war Völler nach einem 0:0 in Island im Interview mit Waldemar Hartmann ausgeflippt und warf dem Interview-Partner vor, bereits drei Weizenbier getrunken zu haben. Wenig später entschuldigt sich Völler bei Hartmann – allerdings nur für den Satz mit dem Weizenbier.

(areh)
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