| 14.25 Uhr

Bayer Leverkusen
Völler sendet mit Streicheleinheit ein fragwürdiges Signal

Tätscheleinheit im Sky-Studio: "Es gibt nur einen Rudi Völler. Das ist auch gut so."
Tätscheleinheit im Sky-Studio: "Es gibt nur einen Rudi Völler. Das ist auch gut so."
Meinung | Leverkusen. Man kann es nur so zusammenfassen: Am Samstag sind im Sky-Studio in der BayArena zwei verschiedene Welten aufeinander geprallt. Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler verlor nach dem Derby gegen den 1. FC Köln auch das Duell mit Moderatorin Jessica Kastrop – weil er sie sexistisch abkanzelte und weil die Journalistin des Pay-TV-Senders gar nicht den Schlagabtausch gesucht, sondern schlichtweg ihre Arbeit erledigt hatte. Von Jannik Sorgatz

Was war passiert? "Inwieweit muss man ab einem gewissen Punkt auch Roger Schmidt einen Vorwurf machen?", wollte Kastrop nach dem 1:2 der Leverkusener wissen, die erneut Gegentore nach Standards hinnehmen mussten. Völler reagierte irritiert. "Gar nicht. Wieso?", fragte der 55-Jährige. "Aufgrund der Tatsache, dass die vielen Gegentore in den vergangenen Wochen auch einer wirklich mangelnden Stabilität in der Defensive zuzuordnen sind", entgegnete Kastrop nüchtern und sachlich, während sich bei Völler die ohnehin erhöhte Betriebstemperatur weiter dem Siedepunkt näherte: "Sie meinen, das liegt am Trainer?" Daraufhin Kastrop: "Nein, ich meine nur, ob es an der Stelle dann einen Kritikpunkt gibt."

In schlechtester Thomas-Gottschalk-Manier streichelte Völler der Moderatorin zu seiner Linken den Unterarm und sagte: "Okay, alles klar." Anschließend drehte er sich demonstrativ zu Sky-Experte Erik Meijer: "Erik, hast du noch was zu sagen?" Damit sendete er das fatale Signal, dass Journalistinnen in der Fußballwelt mittlerweile anerkannt sind – aber nur, solange sie nett lächeln und keine kritischen Fragen stellen, sprich: ihrem Arbeitsauftrag nicht nachkommen. Kaum vorstellbar, dass Völler mit einem Mann so umgesprungen wäre.

"Das war alles völlig harmlos. Ich habe das doch sehr charmant geregelt", sagte Völler dem "Express", während Kastrop in der "Welt" zumindest Verständnis für die schlechte Laune des Sportdirektors zeigte: "Ich glaube, dass es seine Art war zu implodieren." Trotzdem sei sie damit jetzt in bester Gesellschaft zu Bibiana Steinhaus, fügte Kastrop hinzu. Die Schiedsrichterin war vergangene Saison von Bayern-Trainer Pep Guardiola fragwürdig bedrängt worden. Auch der Spanier hatte es scheinbar charmant gemeint.

Erst in der Vorwoche übertrieb es Völler in Wolfsburg mit seinem Sprint von der Tribüne an die Seitenlinie, wo er wie ein Rumpelstilzchen auf den Vierten Offiziellen Wolfgang Stark einredete. Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte ein klares Abseitstor gegen Leverkusen gegeben. Völler kam ohne Strafe davon, so wird es auch bei der Tätscheleinheit gegen Kastrop laufen. Doch die teils vernichtenden Reaktionen in den sozialen Netzwerken sollten den Sportdirektor ohnehin mehr treffen als ein Urteil des DFB.

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