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Abgangswelle im Sommer?
Schaufenster Bayer Leverkusen

Das ist Benjamin Henrichs
Das ist Benjamin Henrichs FOTO: afp, PST
Leverkusen. Im Kader der Werkself befinden sich viele Talente, die im Fokus größerer Klubs stehen. Verpasst Bayer die Königsklasse, wird es schwer, alle Hoffnungsträger zu halten. Von Stefanie Sandmeier

Es hätte nicht viel gefehlt, und Ömer Toprak wäre in diesem Sommer nach Dortmund gewechselt. Der BVB zeigte konkretes Interesse am Leverkusener Innenverteidiger. Der aber durfte den Verein nicht wechseln, weil sich die Vereine nicht über die Ablöse einig wurden. Sein Abgang indes scheint nur aufgeschoben. Dass der Türke nach dieser Saison seine Ausstiegsklausel (12 Millionen) zieht, gilt als beschlossene Sache.

Das Tauziehen um den 27-Jährigen war rund um die BayArena während der Pause allerdings das einzig beherrschende Thema. Die größte Veränderung war, dass es praktisch kaum eine gab. Bayer, das sich selbst stets als erste Adresse für talentierte Spieler sieht, die sich auf hohem Niveau Richtung Top-Level entwickeln, gelang es, das Gerüst des Kaders zu halten. Mit einer eingespielten und nur punktuell verstärkten Mannschaft wollte man den Abstand zur Spitze verringern.

Das klang plausibel. Und dass Roger Schmidt vor seiner dritten Saison bei Bayer "unser bestes Jahr" kommen sah, schien angesichts der Voraussetzungen auch nicht vermessen. Zumal nicht nur gestandene Profis wie eben Toprak oder Stürmer Chicharito blieben. Auch Karim Bellarabi (im Moment verletzt) wurde von Dortmund umworben. Bayer ließ ihn aber nicht - kaufte ihm stattdessen im Zuge einer Erhöhung der Bezüge seine Klausel ab und verlängerte den Vertrag bis 2021. Auch Wendell und Bernd Leno band Bayer 04 langfristig, das im Werben um solche Spieler mit der Champions League ein zentrales Argument auf seiner Seite hat - und dadurch längst ein Schaufenster für Talente geworden ist. Zum elften Mal spielt der Klub bereits in der Königsklasse. Das, sagt Völler, "ist aber alles andere als selbstverständlich. Auch nicht für Bayer Leverkusen."

Dass junge Spieler Leverkusen als Sprungbrett für ihre Karriere auswählen, hat sich der Klub erarbeitet. Zum Stammpersonal gehörten zuletzt mit Kai Havertz und Benjamin Henrichs ein 17- und ein 19-Jähriger. Tah und Brandt sind beide 20 und inzwischen nicht nur für Bayer unverzichtbar, sondern auch in der Nationalmannschaft angekommen.

Das bleibt nicht unbemerkt. Um beide wird viel spekuliert. Tah - ein Kandidat für Jürgen Klopp und den FC Liverpool? Julian Brandt für die Bayern, Manchester City oder auch Liverpool? Welcher Klub sich letztlich ernsthaft bemüht, können Sportchef Rudi Völler und Manager Jonas Boldt entspannt abwarten. Beide haben längst Übung im Umgang mit Gerüchten. Bei Brandt geht es freilich darum, was aus seinem bis 2019 datierten Vertrag wird. Bayer 04 ist bemüht, seine Klausel zu verändern oder gar zu streichen. Andernfalls könnte er 2018 für rund 20 Millionen Euro wechseln. Für einen derart veranlagten Spieler ein verlockender Preis. Brandt selbst mag mit Spekulationen in Ruhe gelassen werden. Verhandlungen gibt es derzeit ohnehin keine.

Fakt ist aber: Der offensive Mittelfeldspieler ist im Fokus. Nicht nur in Leverkusen, und nicht nur in der Bundesliga. Es schwingt also viel Stolz mit, wenn Roger Schmidt von seinem talentierten Kader schwärmt. Allerdings fehlt dem Trainer bisher das Rezept, wie dieser sein Potenzial auch regelmäßig abrufen kann. Während international zumindest das Weiterkommen sicher ist, rangiert das Team in der Liga als Zehnter mit sechs Niederlagen in zwölf Spielen weit hinter den Erwartungen. 16 Punkte sind die schlechteste Ausbeute seit 2006.

Hält dieser Trend an, wird es schwer mit der erneuten Champions League. Das wiederum könnte unliebsame Bewegung in den Kader bringen. Dass etwa Chicharito auch ohne Königsklasse für die Werkself spielt, ist schwer vorstellbar. In diesem Fall würden auch die Treueschwüre all der anderen auf die Probe gestellt. So schön das Leverkusener Schaufenster derzeit auch bestückt ist - Bayer kann nur selbst verhindern, dass Teile davon schon im nächsten Jahr gekauft werden.

Quelle: RP
 
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