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Bayer Leverkusen
Tausche EM-Frust gegen Bundesliga-Lust

Leverkusen. In der Bundesliga spielte mit Emanuel Pogatetz bisher erst einmal ein Österreicher bei Bayer 04. Ab 1. Juli wechseln gleich zwei Spieler aus der Alpenrepublik zur Werkself. Mit Aleksander Dragovic steht ein dritter in den Startlöchern. Sie müssen das bittere EM-Aus verkraften und wollen nach ihrem dreiwöchigen Urlaub in Leverkusen wieder durchstarten. Von Stefanie Sandmeier

Es waren Bilder, die keiner großen Worte bedurften. Aleksander Dragovic war nicht der einzige Österreicher, der enttäuscht zu Boden sank. Julian Baumgartlinger schaute ratlos ins Leere. Ersatztorhüter Ramazan Özcan war als Tröster gefragt. Wenige Sekunden zuvor hatten die Österreicher das 1:2 der Isländer hinnehmen müssen. Das war gleichbedeutend mit dem Aus bei der Europameisterschaft in Frankreich. Sieglos schied die Mannschaft aus dem Turnier aus, die als sicherer Kandidat für das Überstehen der Vorrunde galt und bei manchem sogar als Geheimfavorit auf dem Zettel stand.

"Fakt ist: Einige Spieler sind vor der EM erst von ihren Verletzungen zurückgekehrt", sagte Julian Baumgartlinger. "Vielleicht gab es bei einigen auch eine Ungewissheit, wie es nach dem Turnier mit ihnen weitergeht. Und dann führt diese große Bühne EM auch zu einer gewissen Nervosität. Es gab da mehrere Dinge." Sich selbst kann er damit nicht gemeint haben. Der 28-Jährige gab direkt nach dem Saisonende seinen Wechsel von Mainz nach Leverkusen bekannt. Er hatte seine Angelegenheiten geregelt, bevor es zur EM ging. Unterm Bayer-Kreuz wird er sich namhafter Konkurrenz wie Lars Bender, Charles Aránguiz oder Kevin Kampl stellen müssen.

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Dass Baumgartlinger dafür in Mainz seine Rolle als Leitwolf und gesetzter Spieler aufgibt, ist ausdrücklich so gewollt. "Ich möchte mich mit den besten Vereinen und Spielern Europas messen", sagt er. Und: "Ich freue mich auf die Herausforderung, mir meinen Platz neu zu erarbeiten." Der Mittelfeldmann, Dauerläufer und einer der zweikampfstärksten Bundesligaspieler der abgelaufenen Spielzeit, orientiere sich stets am "nächstgrößeren Ziel". Das schlechte Abschneiden des Österreichers mit seinem Nationalteam bei der EM soll den guten Eindruck aber nicht schmälern, den sie in Leverkusen vom 28-Jährigen gewonnen haben. Bei Bayer 04 hofft man, dass Baumgartlinger zur Verbreiterung des individuell gut besetzten Kaders beitragen kann. Rudi Völler sieht in ihm einen "Charakter-Spieler". Ein Mann mit Erfahrung, körperlicher Robustheit und Ausstrahlung. Solche Typen wurden in der von Verletzungen geplagten abgelaufenen Saison sehnlichst vermisst.

Österreichs Ersatztorhüter Ramazan Özcan - zuletzt beim FC Ingolstadt - wird in Leverkusen hinter Bernd Leno ebenfalls Reservist sein ("Ich werde Bernd Leno so gut es geht unterstützen"). Für ihn wie auch für Baumgartlinger wird es darum gehen, den EM-Frust schnell in Bundesliga-Lust umzuwandeln. Bei Bayer 04 warten in der Liga, der Champions League und im Pokal große Aufgaben auf die Beiden.

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Dass mit Aleksander Dragovic voraussichtlich noch ein dritter Österreicher zur Werkself kommt, ist Zufall. Der Innenverteidiger, der wegen seines verschossenen Elfmeters gegen Island zu einer tragischen Figur wurde, ist sich dem Vernehmen nach mit Bayer 04 über einen Wechsel einig. Sein aktueller Klub Dynamo Kiew, bei dem der 25-Jährige noch einen Zweijahres-Vertrag besitzt, hat dem aber noch nicht zugestimmt. Verhandelt wird noch um die Ablöse. Womöglich nimmt das Thema nach dem EM-Aus an Fahrt auf. So oder so würde Dragovic aber beim Trainingsauftakt am 11. Juli fehlen. Bayer gibt seinen EM-Fahrern nach dem jeweiligen Ausscheiden drei Wochen Urlaub.

Quelle: RP
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