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Bayer Leverkusen
Vom Juniorpartner zum Helden

Bundesliga 12/13: Die Slapstick-Gegentore der Bayern
Bundesliga 12/13: Die Slapstick-Gegentore der Bayern FOTO: dpa, Andreas Gebert
Bayer Leverkusen. Der Sieg in München hievt Bayers Trainer Sascha Lewandowski in der Wertschätzung des Umfelds in bis dato unbekannte Sphären. An der Seite vom Idol Sami Hyypiä hat er sich ein Image als erfolgreicher Taktiker erarbeitet. Von Stefan Klüttermann

Es läuft die 84. Minute in der Allianz-Arena. Sieben Zeigerumdrehungen zuvor scheinen Bayers Träume vom ersehnten Auswärtssieg in München durch Mario Mandzukics Ausgleichstor zerplatzt zu sein. Ja, mehr noch: Viele erwarten nun den Siegtreffer der Münchner. Und was macht Leverkusens Trainer Sascha Lewandowski? Gibt er den Befehl zum kolossalen Einigeln, um wenigstens das Remis über die Zeit zu retten? Ein Achtungserfolg als kleine Lösung?

Nein. Ganz im Gegenteil. Lewandowski ruft Gonzalo Castro deutlich hörbar zu: "Wir wollen hier gewinnen!" Es ist ein Satz in den Startlöchern zum Kultstatus. Einer, den sich so mancher Fan der Werkself im Geiste einrahmen dürfte. Und es ist ein Satz, mit dem Lewandowski einem in Sachen Eigenwerbung für ihn perfekten Tag das i-Tüpfelchen aufsetzt.

"Wir wollen hier gewinnen!" – ein Ausspruch als mentales Neuland für eine Bayer-04-Seele, der in der Vergangenheit oft (und oft berechtigt) nachgesagt wurde, schon weit unterhalb vom Maximum des Erreichbaren in Selbstzufriedenheit zu verharren. Und nun schickten sich Trainer und Spieler an, sich eben nicht mit einem 1:1 bei den Bayern zufriedenzugeben, sondern dieses unterm genügsamen Bayer-Kreuz so vielfach in Ruhe gelassene "Mehr" tatsächlich erreichen zu wollen. Es gelang der Werkself schließlich, weil sie an diesem Abend die richtige Mischung für einen kessen Auftritt in der Höhle des Löwen gefunden hatte.

In der Ansicht vieler hatte diese Mischung vornehmlich Lewandowski gefunden, der akribische, detailversessene Fußballlehrer, der Taktik-Tüftler, der bislang in der öffentlichen Wahrnehmung neben dem Idol Sami Hyypiä eher als notwendiger Juniorpartner mit notwendigem Trainerschein herüberkam. Durch ein einziges Spiel ist Lewandowski für einen Großteil des Umfelds nun aber nicht länger nur blasser Trainer, sondern fachkundiger Held. Er wird gelobt für eine taktische Leistung gegen die Bayern, und auch die spielerische (mehr Torchancen) und defensive Weiterentwicklung (mehr Stabilität) werden ihm nun in weiten Teilen angerechnet.

Der Holzhäuser-Mann Lewandowski und der Völler-Mann Hyypiä haben bis zum jetzigen Zeitpunkt offenbar ein für den Erfolg des Teams fruchtbares Nebeneinander ihrer Qualitäten und Charaktere gefunden. Weil sie ein mittelfristiges Konzept erkennen lassen und mit ihrer jeweiligen Art bei der Mannschaft zumindest in einem Maße ankommen, dass Spiele im Gewand der Arbeitsverweigerung wie Robin Dutts letzte Partie gegen Freiburg Ende März aktuell nicht denkbar sind an der Bismarckstraße.

"Ich freue mich für die Mannschaft", sagte Lewandowski nicht nur einmal beim Stationslauf durch die Medien-Zone des Münchner Stadions. Ein bisschen Freude dürfte er aber auch für sich selbst reklamiert haben – am förderlichsten Tag seiner noch kurzen Laufbahn als Profitrainer.

(RP/rl)
 
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