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Bayer Leverkusen
Wendell als Sinnbild für die Formkrise

Einzelkritik: Leno patzt, Calhanoglu enttäuscht erneut
Einzelkritik: Leno patzt, Calhanoglu enttäuscht erneut FOTO: ap
Dortmund/Leverkusen. Bei Bayer 04 läuft es derzeit nicht rund. In der Fußball-Bundesliga war das 0:3 in Dortmund die dritte Niederlage in Folge. Exemplarisch für die schwachen Leistungen steht der brasilianische Linksverteidiger, dem nichts gelingt. Von Patrick Scherer

Real Madrid, Atlético Madrid, Paris St. Germain - die Liste der Interessenten an einer Verpflichtung von Wendell Nascimento Borges in der abgelaufenen Sommertransferperiode war lang und hochkarätig besetzt. "Seine Entwicklung bisher war sensationell. Aber wir wollen ihn nicht verkaufen. Er soll bei uns Top-Leistung bringen", sagte Sportdirektor Rudi Völler Ende Juli und erteilte damit allen europäischen Topklubs eine Absage. Zwei Monate später muss die Frage erlaubt sein: Was ist mit dem hochtalentierten, Hoffnungen weckenden Wendell aus der Vorsaison passiert? Der Brasilianer findet in der Frühphase dieser Spielzeit überhaupt nicht zu seiner Normalform, schlimmer noch: Am Sonntag beim 0:3 in Dortmund stand er als Sinnbild für ein Team, das derzeit seinen Ansprüchen nicht gerecht wird.

Es läuft die 73. Spielminute in Dortmund, ein abgeblockter Schuss kommt in hohem Bogen auf Wendell zu, der unbedrängt am eigenen Strafraum steht und den Ball aus der Luft annehmen will. Eigentlich eine der leichtesten Übungen für den technisch versierten 22-Jährigen. Doch Wendell verstolpert den Ball, Matthias Ginter nimmt ihn auf, zieht am Brasilianer vorbei in den Strafraum, wo Wendell ihn nur mit einem plumpen Foul stoppen kann. Der Elfmeter führt zum 3:0. Zuvor musste der Linksverteidiger schon große Teile der Verantwortung für das 0:2 übernehmen. Sein schlampiger Pass in die Füße von Ginter leitete einen Dortmunder Angriff ein. Dass Wendell anschließend gegen Jonas Hofmann im Zweikampf wegrutschte, passte zum Gesamtbild seiner verheerenden Leistung.

Dortmund - Leverkusen FOTO: dpa, gki hak

In der Winterpause hatte Völler den Sechs-Millionen-Zugang aufgrund seiner eleganten Spielweise noch mit Bayer-04-Legende Zé Roberto verglichen. Zé Roberto war es auch, der seinem Landsmann zum Wechsel von Grêmio Porto Alegre nach Leverkusen geraten hatte. Nach einer für südamerikanische Zugänge in Europa gängigen Eingewöhnungsphase - die sogar verhältnismäßig kurz ausfiel - hatte Wendell in der abgelaufenen Saison in 34 Spielen in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League meist überzeugende Vorstellungen geboten. Nun fehlt ihm eine positive Körpersprache, defensive Stabilität und auch im Vorwärtsgang versprüht er nicht mehr die unbekümmerte Lust, für Gefahr zu sorgen. Trauriger Höhepunkt in Dortmund: Wendell gerät in der zweiten Halbzeit auf dem Platz mit Karim Bellarabi aneinander. Zur verbalen Auseinandersetzung gibt es auch den Austausch leichter Handgreiflichkeiten. Torhüter Bernd Leno muss schlichten.

Für Trainer Roger Schmidt war die Position mit Wendell links in der Viererkette nach den Ausfällen von Ömer Toprak, Tin Jedvaj und zuletzt Roberto Hilbert eine der wenigen Konstanten auf die er sich verlassen wollte. Nun muss sich der Coach auch dort über Alternativen Gedanken machen. Konstantinos Stafylidis hatte in der Vorbereitung das Prädikat "untauglich" bekommen, wurde nach Augsburg abgegeben. Bleibt Sebastian Boenisch, der vor der Saison öffentlich angab, den Zweikampf mit Wendell nicht zu fürchten. Bei Schmidt war Boenisch, der in dieser Spielzeit nur zwölf Minuten in München für den Gelb-Rot gefährdeten Wendell auf dem Platz stand, nach schwachen Leistungen in der Vorsaison aber zuletzt keine echte Option mehr. Um die Glaubwürdigkeit bei der Mannschaft zu erhalten, bleibt dem Trainer aber gegen Mainz (morgen, 20 Uhr) fast nichts anderes übrig, als Boenisch die Möglichkeit zu geben, zu beweisen, dass er derzeit die bessere Wahl ist.

5. Spieltag: Fakten
Quelle: RP
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