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Bayer Leverkusen
"Wer den Druck nicht spürt, ist hier falsch"

Leverkusen. Leverkusens Torhüter Bernd Leno fordert gegen den Hamburger SV einen Sieg. "Alles andere ist zu wenig". Auch bei Bayers Profis geht die Angst um, die Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe zu verpassen. Von Stefanie Sandmeier und Jim Decker

Roger Schmidt wird morgen 49 Jahre alt. Leverkusens Trainer wird sich wünschen, dass ihm am Ende des Tages ein bisschen Zeit zum Feiern bleibt. Ob ihm überhaupt zum Feiern zumute sein wird, hängt aber in großem Maße vom Ausgang der Heimpartie gegen den Hamburger SV (ab 15.30 Uhr/Live-Ticker).

Schmidt und seine Spieler hatten die Gepäckhalle des Kölner Flughafens am frühen Freitagmorgen bereits verlassen, als Rudi Völler das verlorene Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League noch einmal zusammenfasste (0:2). "Eine Leistung, wie wir sie gezeigt haben, das geht natürlich gar nicht", sagte Bayers Sportdirektor spürbar mitgenommen. "Wenn man ehrlich ist, musste man am Ende froh sein, nicht noch das dritte Tor kassiert zu haben."

Es war gegen 3.30 Uhr, als Völler sich von den Mitreisenden verabschiedete. Zuvor hatte er aber auch noch einige lobende Worte für den Gegner parat, der schon nach vier Minuten mit dem Toreschießen begann - und dabei mit einer Überlegenheit auftrat, die Völler beeindruckte. Und zwar so sehr, dass es aus seiner Sicht nun wohl schon ein kleines "Wunder" brauche, um dieses 0:2 im Rückspiel am Donnerstag noch umzubiegen. Insofern habe die Bundesliga nun Vorrang, fügte der 55-Jährige an.

Hamburg wird ein ganz entscheidendes Spiel - für die Zukunft des Vereins und womöglich auch für die Zukunft des Trainers.

Völler spannte den Bogen aber noch weiter und bezeichnete den Zeitraum bis Ostern als wegweisend. Neben dem HSV stehen außerdem noch das Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart und das Rückspiel gegen die Spanier auf dem Plan. Dann winkt aufgrund der Länderspielpause ein spielfreies Wochenende. Doch bis dahin gelte es, nicht zu viel an Boden zu verlieren und "wieder in die Spur zu finden", sagte Stefan Kießling. Der bemängelte die fehlende Konsequenz in vielen Dingen. "Wir schaffen es einfach nicht, klare Torchancen herauszuspielen. Aber die brauchst du um Spiele zu gewinnen." Das klingt simpel, ist es aber offensichtlich nicht - wie die Leverkusener bewiesen, die mit Kießling und Chicharito sowie dahinter Karim Bellarabi, Julian Brandt und Hakan Calhanoglu nominell nicht nur reichlich Offensivqualität, sondern auch Kreativität auf dem Platz stehen hatten. Warum diese allerdings nicht zum Tragen kam, lag gewiss nicht allein am gut verteidigenden Gegner. "Wir stecken in einer sehr schwierigen Situation", erklärte Bellarabi, der zugleich davor warnt: "Wir dürfen uns nicht weiter runterziehen lassen und müssen stattdessen einen Weg finden, um aus der Krise herauszufinden."

Die Spieler merken, dass da etwas zu kippen droht. "Wer den Druck nicht spürt, ist hier falsch", erwiderte Bernd Leno energisch, der mit einer Parade in der Nachspielzeit eine noch schlimmere Niederlage verhinderte. Tatsächlich steht viel auf dem Spiel. Bayer 04 braucht gegen den HSV Punkte, um in der Liga den Anschluss nicht zu verlieren. Zumindest die Europa League ist das Ziel. "Wir wollen international spielen, das ist der Anspruch von Bayer 04, daher gilt jetzt: volle Kraft voraus", forderte Kießling, der auf die etwas provozierende Frage, ob die Mannschaft ihrem Trainer am Sonntag nicht mal drei Punkte schenken müsste, entgegnete: Wir uns doch auch!"

Rudi Völler ließ seinen Trainer in seiner Kritik aus. Tapfer stellte er sich auch nach diesem nächsten enttäuschenden Ergebnis hinter seinen Chefcoach. Der Sportdirektor ist aber lange genug im Profifußball unterwegs, dass er die Mechanismen kennt und weiß, "dass die Kritik nach Niederlagen zunimmt".

Auch Roger Schmidt wollte das gar nicht abstreiten. "Meine Bilanz bisher ist zwar nicht perfekt, aber auch nicht unerfolgreich. Wir sollten aber wieder damit anfangen, Spiele zu gewinnen", sagte der Coach, der zu seiner Zukunft folgendes zu sagen hatte: "Wenn das über lange Zeit nicht passiert, wird man im Klub etwas verändern wollen. Aber wenn ich irgendwann hier weggehe, werde ich das im Bewusstsein tun, das Beste gegeben zu haben."

So könnten sie spielen:

Leno - Jedvaj, Tah, Papadopoulos, Wendell - Frey, Calhanoglu - Bellarabi, Brandt - Chicharito, Kießling.

Sport Seite

Quelle: RP
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