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Bayer Leverkusen
Zwei Sichtweisen auf den Start der Werkself

Bayer Leverkusen: Zwei Sichtweisen auf den Start der Werkself
FOTO: dpa, fg hak
Leverkusen. Ein Vergleich mit den Ergebnissen aus der Vorsaison zeigt Parallelen auf. Diese lassen sich positiv oder negativ deuten - je nach Lesart. Von Dorian Audersch und Stefanie Sandmeier

Die optimistische Deutung

Bei Bayer 04 läuft es wieder. Der Start verlief zwar etwas holprig, aber seit dem Spiel in Mainz zeigt die Formkurve nach oben. Dem 3:2-Erfolg folgte ein starker Auftritt in der Champions League - auch wenn das Spiel in Monaco durch ein Gegentor in der Schlussminute 1:1 endete. Vier Tage später entzauberte die Werkself dann den BVB im eigenen Stadion. Beim 2:0 gegen Dortmund zeigten die Leverkusener ihre bisher beste Saisonleistung - und zwar von der ersten bis zur letzten Minute.

Genau das ist es, was Trainer Roger Schmidt fordert: "Unser Anspruch ist, dass wir auf diesem Niveau weitermachen."

Sollte dies auch heute gegen Werder Bremen (18.30 Uhr) gelingen, wäre das ein Beweis für die Weiterentwicklung seiner Mannschaft und würde den zuletzt positiven Trend bestätigen. Die Werkself bewies gerade mit ihrer Aufholjagd in Mainz und beim Kraftakt gegen Dortmund jene Mentalität und Willensstärke, die es braucht, um daraus einen Lauf zu entwickeln. Die letzten Eindrücke lassen wenig Zweifel daran aufkommen, dass dies nicht auch gelingt. Bayer 04 hätte sich damit in einer wichtigen Phase stabilisiert und könnte Problemen wie zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison aus dem Weg gehen.

Vor ziemlich genau einem Jahr begann für die Werkself nach den Länderspielen eine Schwächephase. Nur einen Sieg und ein Remis gab es aus den sieben Spielen bis zur nächsten Pause - dazu nur ein Punkt aus zwei Duellen in der Champions League und zumindest ein 6:0 im DFB-Pokal gegen den unterklassigen FC Viktoria Köln.

Es war keine einfache Situation unterm Bayer-Kreuz. Auch danach kam das Team nicht richtig in Schwung. Das zog sich über die Winterpause hinweg bis in den März dieses Jahres, bevor dann eine Serie aus sieben Siegen doch noch die direkte Qualifikation für die Champions League sicherstellte. Das Auswärtsspiel in Bremen bietet der Mannschaft nun die Chance, nicht wieder in alte Verhaltensmuster zu fallen. "Die ganze Mannschaft ist gefordert, die zuletzt gezeigte Leistung zu bestätigen", fordert daher der Trainer, der die Reise optimistisch antritt.

Der 49-Jährige sieht seinen Kader in "einem guten Zustand", die Belastungen der Länderspielwoche überstand sein Personal weitgehend unbeschadet. Auch Julian Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic seien fit. Das gibt Schmidt genügend Optionen, dessen Team im vergangenen Jahr deutlich stärker von Verletzungen gebeutelt war - und einen nachweisbar schlechteren Start hinlegte. Zum Vergleich: Bayer 04 belegte zum gleichen Zeitpunkt mit neun Punkten nur Platz elf in der Tabelle (4:8 Tore). In dieser Spielzeit reicht der Werkself ein Zähler mehr, um auf dem sechsten Rang (10:7) in den siebten Spieltag zu gehen.

Die pessimistische Deutung

Bayer 04 läuft Gefahr, die gleichen Fehler wie in der Vorsaison zu machen - und es ist keinesfalls garantiert, dass noch einmal so ein furioser Endspurt gelingt. Der Blick auf die Tabelle ist trügerisch. Platz sechs mag recht komfortabel aussehen, aber bis zu Platz zwölf sind es nur drei Punkte Vorsprung.

Roger Schmidt hat recht, wenn er darauf verweist, dass erst sechs Spieltage vorbei sind. Eine Niederlage in Bremen wäre in der jetzigen Konstellation allerdings gefährlich - und könnte ein erneutes Abgleiten in Tabellenregionen bedeuten, die keineswegs den eigenen Ansprüchen genügen. Wie schwer es ist, sich aus so einer Situation zu befreien, zeigte die vergangene Spielzeit. Einmal im Negativlauf gefangen, tat sich Bayer 04 extrem schwer, wieder in Fahrt zu kommen. Zwar gab es zwischendurch auch singuläre Erfolgserlebnisse wie das 5:0 gegen Borussia Mönchengladbach kurz vor dem Ende der Hinrunde, aber insgesamt befand sich das Team lange in einer schwierigen Lage.

Außerdem ist es natürlich toll, einen Torjäger wie Chicharito zu haben. Der aber ist bisher so etwas wie der Alleinunterhalter beim Toreschießen - zumal der zweitbeste Schütze Joel Pohjanpalo verletzt fehlt. Bleibt noch Admir Mehmedi mit bisher einem Treffer. Das entspricht noch nicht der offensiven Vielfalt, die man glaubte, ausstrahlen zu können. An individueller Qualität mangelt es zwar nicht, Bayer 04 gelang es bisher jedoch in den meisten Fällen nicht, diese in letzter Konsequenz auszuspielen.

Stichwort: Effizienz. Für die bisherigen zehn Punkte war viel Aufwand nötig. Die nächsten Wochen werden nicht weniger anstrengend. Sieben Partien stehen bis zur nächsten Pause an. Los geht es heute in Bremen, dann folgen die Heimspiele am Dienstag gegen Tottenham (20.45 Uhr) und samstags gegen Hoffenheim (15.30 Uhr). Schmidt und sein Team wollen bis dahin den Anschluss halten. Dafür ist heute bereits ein Sieg Pflicht. Andernfalls droht, dass Leverkusen wieder hinterherlaufen muss - in Bremen und in der Liga. Sport Seite

Quelle: RP
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